Erkraths jüngste Dachdeckerin

Erkraths jüngste Dachdeckerin

Die bundesweit stattfindende Aktion "Girls Day" ist mittlerweile in vielen Schulen beliebt und etabliert. Mädchen haben an diesem Tag die Möglichkeit, einmal in "echte" Männerberufe hinein zu schnuppern und gleichzeitig die verstaubten Vorurteile über Bord zu werfen.

(tb) So auch die 13jährige Sarah Antczak. Die Schülerin der Theresienschule aus Hilden durfte einen ganzen Tag lang Dachdeckerin sein. Im Erkrather Traditionsunternehmen von Olaf Grau bekam die Achtklässlerin die Möglichkeit, über den Dächern von Unterfeldhaus zu arbeiten. "Es macht mir richtig Spaß", erzählt Sarah begeistert und könnte sich durchaus vorstellen, einen solchen Tag auch im folgenden Jahr zu wiederholen. "In der neunten Klasse dürfen wir nochmal an einem Girls Day teilnehmen, wenn wir möchten." Was Sarah allerdings in den ersten Stunden sofort auffiel: Die Arbeit ist nichts für Schwächlinge! "Im Gegenteil, das geht ganz schön auf die Arme. Man muss vor allem schwere Sachen aus dem Aufzug schleppen und anschließend auf das Dach ziehen. Ich habe sicher Muskelkater in den kommenden Tagen", witzelt die Schülerin.

Der Beruf des Dachdeckers ist für Sarah Antczak als Zukunftsperspektive jedoch weniger geeignet. "Ich habe andere Pläne und würde gerne zur Bundeswehr gehen", so der Traum der 13jährigen. Dass es auch bei diesem Berufswunsch mitunter rau zugehen kann, ist Sarah durchaus bewusst. "Das macht mir aber überhaupt nichts aus." Dachdeckermeister Olaf Grau ist dankbar für die Chance, auch Frauen den Beruf und seinen Betrieb näher zu bringen. "Der Girls Day ist dafür eine tolle Möglichkeit." Bereits in der Vergangenheit hat der Meisterbetrieb zwei Frauen ausgebildet. "Diese sind jedoch noch immer in der Unterzahl", weiß Michael Obst. Der Mitarbeiter ist ein echtes Betriebsurgestein und arbeitet seit 27 Jahren in der Firma Grau. "Man muss vor allem gut anpacken können. Daran scheitert es meist. Frauen sind dafür feinmotorischer. Das hat in dieser Branche auch Vorteile." Mit ihrer Tagesgehilfin Sarah ist Michael Obst aber sichtlich zufrieden.

"Das Mädchen hat sich wirklich gut angestellt", so der Fachmann. Im Anschluss an ihren erfahrungsreichen Tag bekommt Sarah noch ein Protokoll überreicht. "Es wird dokumentiert, was ich den Tag über alles gelernt habe", erklärt die Schülerin, die den Kontakt zum Erkrather Unternehmen übrigens durch ihren Großvater herstellen konnte. "Dieser arbeitet noch immer bei der Firma Olaf Grau." Nach einem zehnstündigen Arbeitstag (7—17 Uhr) geht für die Schülerin der Tag zu Ende. "Ich hatte natürlich reichlich Pausen und habe bei schönstem Sonnenschein auf einem Dach in der dritten Etage über Unterfeldhaus arbeiten dürfen."
Da hat sich ein solcher Tag doch gelohnt!

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