Ein Stück Geschichte

Bereits im Mittelalter wurde das Gut Stahlenhaus erstmalig schriftlich erwähnt. Heute ist das "Hochdahler Kulturerbe" bereits in vierter Generation durch Eigentümer Heinfried Heitmann bewohnt, der die Familien- und Gutshofgeschichte so gut kennt, wie die großflächige Immobilie selbst.

(tb) "Mein Großonkel Nikola Müller heiratete die Witwe Maaßen, eine geborene Kemperdick, und damalige Eigentümerin von Gut Stahlenhaus", weiß Heitmann. Mit Onkel Nikola, vormalig Gemeindevorsteher in Millrath, begann auch die lange Traditionsgeschichte der Familie. "Bereits per Ehevertrag von 1876 wurde mein Onkel Besitzer des landwirtschaftlichen Teils von Gut Stahlenhaus. Die 1796 gegründete Kornbranntwein-Brennerei war davon ausgeschlossen. Nach ursprünglicher Teilhaberschaft mit Familie Lingmann wurde Nicola 1891 zusätzlich Alleineigentümer von Gut Schlickum. Die Hochdahler Ziegelei war wirtschaftlich mit Gut Stahlenhaus schon aus der Zeit meines Großonkels verbunden. Der handelte mit den Ziegelei-Aktionären, der Gutsbesitzer-Familie Kemperdick und den Bankern Wehrhahn, einen auf 50 Jahre laufenden Vertrag aus, durch den die jeweiligen Grundeigentümer von Gut Stahlenhaus und Gut Clef (Familie Kemperdick) den für die Ziegelproduktion erforderlichen Lehmabbau gewährleisteten."

Heute ist die Tongrube Majewski renaturalisiert worden und ein echtes Hochdahler Kleinod. "Mein Großvater Bernhard H. (1857—1918), Leinenweberfabrikant in Lüdinghausen bei Münster, erwarb Gut Stahlenhaus und Gut Schlickum 1909 innerhalb einer "Subhastation", wie damals die Zwangsversteigerung hieß, aus der Konkursmasse seines Schwagers Nicola Müller. Bis 1922 übernahm die Betriebsführung der beiden Güter, bei penibler Rechnungslegung gegenüber meinem Großvater, Frau Dembowsky, die Tochter der Witwe Maaßen. 1923 zog mein Vater Heinrich H. (1899—1975) nach Gut Stahlenhaus, nachdem er sich als landwirtschaftlicher Eleve, gegen Lehrgeld, dass im Gegensatz zu heute mitzubringen war, zur praktischen Ausbildung in einem Großbetrieb verdingt und in Bonn Landwirtschaft studiert hatte. Er hatte die Güter Stahlenhaus und Schlickum geerbt, mit der Auflage, seine damals noch lebenden fünf Geschwister (von ursprünglich acht) auszuzahlen.

Obwohl eine erhebliche Belastung, gelang ihm dies 1929 vorrangig durch den Verkauf von Gut Schlickum an Adolf Baumann."
Bis 1962 war Vater Heinrich als Landwirt tätig. "Dann wurde die Hochdahler Entwicklungsgesellschaft gegründet, die meinem Vater sämtliche Ländereien abkaufte und die neue Stadt Hochdahl aufgebaut hat", so Heinfried Heitmann. "Bauland wurde erschlossen und dem Gut Stahlenhaus blieb nur noch eine Fläche von rund 3500 Quadratmetern." Heinfried Heitmann wiederum wurde 1943 als drittes von fünf Kindern geboren. Mutter Christiane Heitmann geborene Eickenscheidt war niemand geringeres, als die Tochter des Fritz Eickenscheidt, der 1927 die Hochdahler Ringofen-Ziegelei erwarb, mit der er jedoch in Zahlungsschwierigkeiten geriet, und der in den Jahren 1937—1945 Bürgermeister und Ortsgruppenführer von Millrath war, "ein herzensguter Mann, was die sog. Entnazifizierung auch bestätigte".

"Da meine beiden älteren Geschwister Mädchen waren, wurde ich als erster männlicher Nachkomme, gemäß der damals geltenden Höfeordnung, als Erbe des Gutshofes bestimmt", weiß der heutige Eigentümer.
Obwohl auch Heinfried Heitmann den Beruf des Landwirtes angestrebt hatte, kam es doch anders. "Ich studierte in Marburg, wurde Antiquar in Stuttgart und Marburg, später Bibliothekar in Düsseldorf. Kurz vor dem Tod meines Vaters bin ich zurück nach Hochdahl gezogen und habe mich beruflich umorientiert. Heute bin ich als Immobilienkaufmann tätig."

Gemeinsam mit Lebensgefährtin Christina Metzner, "die ich bei unserem gemeinsamen Hobby, dem Jagdreiten hinter Hundemeuten, kennenlernte", bewohnt Heitmann einen Drittel des ganzen Komplexes. "Der historische Seitenflügel ist an zwei Familien vermietet." Heinfried Heitmann wünscht sich jedoch, dass Gut Stahlenhaus auch in Zukunft in Familienbesitz bleiben soll. Die Weichen für dieses Vorhaben wurden bereits gestellt. Sohn Roland sowie Enkel Julian werden die Familienära auf Gut Stahlenhaus sicher gerne weiterführen.