Auf den Hund gekommen: Lola bringt Liebe

Auf den Hund gekommen : Lola bringt Liebe

Wer jetzt denkt, Lola sei ein fröhliches kleines Mädchen oder eine Pädagogin, irrt. Zumindest zum Teil. Lola ist ein Hund.

Die Königspudel-Labrador-Mischlingshündin ist inzwischen 22 Monate alt. Im Kinderhaus ist sie die ungekrönte Königin. Für sie sammeln die Kinder freiwillig Papier- und Plastikmüll von der Wiese ein, weil sie sich sorgen, Lola könnte etwas Falsches fressen. Sogar ein Lied haben sie für den Hund getextet und vertont. Aber wie kam Lola eigentlich ins Kinderhaus und was macht sie dort?

Annette Schinnenburg, die Leiterin des Kinderhauses, hat sich aus Interesse mit tiergestützter Pädagogik und Therapie befasst und traf mit der Idee, diese auch fürs Kinderhaus in Erwägung zu ziehen, in der Verwaltung auf offene Ohren. Mit Lola fand sie eine sehr menschenfreundliche Hündin, mit der sie gemeinsam eine Ausbildung für tiergestützte Pädagogik in Monheim absolviert. Insgesamt dauert die Ausbildung 18 Monate, zwei Drittel davon liegen bereits hinter den beiden und Annette Schinnenburg hat die theoretische Prüfung bereits bestanden. Lola wird in der Ausbildung auch auf ungewöhnliche Situationen vorbereitet. Praktische Übungsanteile gibt es, sehr zur Freude der Kinder, auch im Kinderhaus. „Wir üben zum Beispiel die Begegnung mit Menschen im Rollstuhl oder Rollator“, erklärt die Kinderhausleiterin. Die Kinder schlüpfen dabei dann schon einmal in die Rolle der alten „Frau Müller“ und schieben einen alten Rollator, den KFZ-Technik Scharnagel aus Hochdahl für diesen Zweck gespendet hat.

Nicht nur Lola und Annette Schinnenburg haben viel gelernt, auch die Kinder. Sie haben im Kinderhaus einen „Lola-Führerschein“ gemacht. Dafür haben sie zuerst mit einem Stoffhund geübt. Inzwischen nennen sie den Stoffhund „die Plastik-Lola“. Sie wissen heute, wie man Lola oder einem Hund im Allgemeinen begegnet, dass man ihn nicht ohne Rücksprache mit dem Besitzer streichelt und sie sind mit Lola ein großes Stück selbstbewusster geworden. So wie Hassan. Er hatte zu Beginn große Angst vor Lola, überhaupt vor Hunden. Heute kann er es kaum erwarten, dass er Lola sehen kann oder dass er mit ihr und Annette Schinnenburg spazieren gehen darf. Lola ist natürlich nicht ständig bei den Kindern. Sie hat im Büro des Kinderhauses ihren Ruheplatz und ist auch immer nur in kleineren Gruppen mit den Kindern zusammen, damit es für sie nicht zu unruhig ist. Die Vorleserunde im kleineren Kreis ist so eine Gelegenheit, bei der Lola bei den Kindern liegt und dann passieren erstaunliche Dinge. Plötzlich wollen auch Kinder vorlesen, die sich sonst nicht trauen.

„Lola ist ein Türöffner“, beschreibt Annette Schinnenburg die Wirkung des Hundes auf die Kinder. Der Hund findet auch Zugang zu Kindern, die eher verschlossen sind. Genauso wirkt er auf die sehr aktiven Kinder beruhigend. Für die positive Wirkung von Hunden auf Menschen gibt es inzwischen zahlreiche Belege, weshalb inzwischen auch Hunde in der tiergestützten Pädagogik und Therapie eingesetzt werden. Aber auch ohne diese Belege und Veröffentlichungen kann man im Kinderhaus direkt beobachten, welche Wirkung „das neue Familienmitglied“ bei den Kindern hat. Dass das Kinderhaus wie eine Zweitfamilie wirkt, war schon vorher zu beobachten. Wer schon einmal in der Mittagszeit in der Küche gesessen hat und erlebt hat, wenn die Kinder von der Schule kommen, weiß was gemeint ist. Sie werfen ihre Tornister in den Flur und stürmen in die Küche, um zu erzählen oder kurz zu kuscheln. So ein bisschen, als wenn die Mutter, Tante oder die Oma zu Hause wartet. Und jetzt gehört eben auch Lola zu dieser Zweitfamilie, aber weil man einen Hund nicht bei „Feierabend“ zurücklässt, gehört Lola auch zu Annette Schinnenburgs Familie. Wenn sie Urlaub hat und Lola zwei Wochen nicht im Kinderhaus war, vermissen die Kinder den Hund und freuen sich, wenn Lola wieder da ist. Eine Allergiker-freundliche Fellstruktur hat Lola dann auch noch, damit kein Kind am Ende wegen einer Allergie den Kontakt meiden muss, was bisher auch nicht vorkam.

(RG)
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