Chance für Sandheide

Der Blickwinkel entscheidet darüber, ob man den Sandheider Markt als attraktiv oder unattraktiv wahrnimmt. Ändern kann das nur "mehr Leben auf dem Platz".

(RG) Überdurchschnittlich viele junge Menschen, viele verschiedene Nationen, aber auch viele Menschen mit sehr geringem Einkommen, bilden einen großen Teil der Bevölkerung der Sandheide. Was auf der einen Seite eine nicht zu unterschätzende Chance birgt, zeigt sich auf der anderen Seite aktuell als Nachteil für den Stadtteil.

Im Städtebauförderprogramm des Landes Nordrhein-Westfalen für 2016 findet sich unter dem Programmpunkt Soziale Stadt unter anderem folgende Aussage: "Es sollen Menschen befähigt werden, das Stadtteilleben selbst aktiv zu gestalten. Auf diese Weise werden die Lebensbedingungen für die Menschen in ihren Stadtteilen in einem umfassenden Sinne verbessert."

Voraussetzung dafür wäre natürlich, dass sich die Menschen begegnen und besser kennenlernen. Das Programm sieht Investitionen ins Wohnumfeld und in die soziale Infrastruktur vor, aber auch wirtschafts- und bildungspolitische Maßnahmen sollen die Situation vor Ort verbessern.
In die Überlegungen zur Sozialen Stadt ist das in Erkrath bereits eingeflossen. Zum Beispiel in eine Machbarkeits- und Konzeptstudie, die die Alternativen einer Bestandssanierung oder eines Ersatzneubau für die Grundschule Sandheide untersucht. Im Falle eines Neubaus könnten hier vielleicht auch Bürgerräume geschaffen werden, wenn sie nicht am Sandheider Markt platziert werden können. Diese Bürgerräume sind sowohl als Treffmöglichkeit gedacht, als auch für unterschiedliche Beratungs- und Bildungsangebote.

Im Vergleich zu anderen Grundschulen in Erkrath, besucht nur ein kleiner Anteil der Absolventen der GS Sandheide im Anschluss ein Gymnasium. Das muss sich ändern, wenn sich im Quartier langfristig etwas tun soll. Die eingangs erwähnte Chance liegt auch in der Mehrsprachigkeit und im interkulturellen Verständnis der Kinder, die hier aufwachsen.
Wir erinnern uns an den Grundschüler Ali, den wir zu unserem Artikel (Lokal Anzeiger Erkrath) "Kulturbotschafter unterwegs" im Dezember trafen. "Ich spreche Arabisch, Syrisch, Irakisch und natürlich Deutsch." sagte er uns selbstbewusst. Zu diesem Zeitpunkt war er gerade 1,5 Jahre hier in Deutschland. Die Kinder aus Familien, die zu uns geflohen sind, lernen unsere Sprache schnell. Die bestehende Schulpflicht bietet ihnen die Möglichkeit schon kurz nach ihrer Ankunft Deutsch zu lernen. Ihre Eltern warten zu diesem Zeitpunkt oft noch auf einen Integrationskurs.
Mit Bürgerräumen würden neue Treffpunkte entstehen. Begegnung stärkt das interkulturelle Verständnis auch bei Erwachsenen. Begegnung und Gespräche helfen vor allem unsere Sprache schneller zu lernen.

Vielleicht wird es am Ende genau das sein, was die Sandheide neu beleben kann und Menschen aus der Umgebung anlockt: Dieses Interkulturelle, das hier spürbar ist und aus dem heraus sich ganz neue Ideen und Angebote für den Stadtteil entwickeln können.

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