Schlimmer wird’s nicht

Schlimmer wird’s nicht

Die Weiße Villa ist in einem denkbar schlechten Zustand. Schlimmer geht es jedoch nicht mehr — einstürzen wird der Bau nicht.

Die Weiße Villa ist ein verlassener Ort. Ein Ort, der verfällt. Oft wird von Bürgerseite die Angst geäußert, dass das Gebäude einstürzen könnte. "Das wird jedoch mit Sicherheit nicht passieren", sagt Georg Krautwurst, Architekt der Neuen Mitte, zu deren Gelände die Villa gehört. "Schlimmer als der Zustand derzeit ist, kann er nicht werden", sagt er und bezeichnet den Bau als "solide alte Dame". Auch wenn nichts an der Immobile gemacht werde, stände sie noch in 100 Jahren in genau dem gleichen Zustand da. Die Villa sei vollkommen von Schwamm durchsetzt, habe in den vergangenen Jahren viel zu viel Feuchtigkeit abbekommen. Dass es der Villa nicht gut geht, zeigt schon ein Blick von außen. Und auch im Inneren sieht es nicht anders aus. Stücke der Decke sind heruntergekommen, direkt über der Eingangstür klafft ein Loch in der Decke. Schimmel und Schwamm hat sich an den Wänden niedergelassen. Dennoch erinnern der weiße Putz und die Schmuckelemente an den Wänden noch an glanzvolle Zeiten. Einst befanden sich an der Kreuzung Neander-/ Bismarck-/ Friedrichstraße vier Villen, an jeder Ecke eine. Sie gehörten den vier Bernsau-Brüdern, den Eigentümern der alten Gießerei. Die Weiße Villa war die Fabrikanten-Villa und war bis etwa Mitte der 80er Jahre bewohnt.

"Dann wollten die Bernsau-Bruder jedoch ein weiteres Verwaltungsgebäude an die Neanderstraße bauen", sagt Krautwurst. Und dem stand die Villa im Weg. Sie sollte abgerissen werden. Dazu erteilte die Stadt jedoch keine Genehmigung — und stellte das Bauwerk stattdessen unter Denkmalschutz. Bewohnt wurde der Bau seitdem nicht mehr. Er verfiel. Als Hasso von Blücher, Eigentümer der Neuen Mitte das Gelände erwarb, sei die Villa schon in dem Zustand gewesen, in dem sie sich heute befindet, so der Architekt. Immer wieder seien seitdem Gespräche mit Interessenten geführt worden. Nach den ersten Kalkulationen sprangen diese jedoch stets ab. Das liegt an der aufwendigen Restaurierung. Die Kosten dafür würde die Neue Mitte übernehmen, sollte sich ein Mieter finden. Jedoch müsste der dann entsprechende Mieten zahlen. Eine Restaurierung sei nicht so einfach, wie es sich viele vorstellen, erklärt Georg Krautwurst. Konkrete Summen möchte er nicht nennen — dass man sich jenseits der Millionengrenze befände, sei aber ganz klar. Dabei kann er sich gut vorstellen, dass in die Villa eines Tages neues Leben einzieht. 5000 Quadratmeter Nutzfläche bietet der pompöse Bau, darunter einen Wintergarten und eine Terrasse darüber und einen Keller. Eigens für die Weiße Villa hat das Architekturbüro Werbebroschüren erstellt, in denen Grundrisse eingezeichnet sind und in denen es auch Simulationen gibt, wie die Villa aussähe, wenn eine Restaurierung abgeschlossen wäre. Diese werden immer wieder an Interessenten ausgehändigt — doch noch dauert die Suche nach einem neuen Nutzer der Immobilie an.

(Lokal Anzeiger Erkrath / Nikolas Golsch)
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