Tag der offenen Moschee in Hochdahl: Aufeinander zugehen

Tag der offenen Moschee in Hochdahl : Aufeinander zugehen

Jedes Jahr nehmen rund 1000 Moscheen in ganz Deutschland am Tag der offenen Moschee teil. Auch der Marokkanische Familien und Kulturverein öffnet an diesem Tag regelmäßig die Türen seiner Moschee.

Mohammed Assila spricht an diesem Tag von zunehmenden Übergriffen und der Sorge, dass die Gesellschaft gespalten wird. „Wir fühlen uns hier in Erkrath sicher“, spricht Assila für die Gemeindemitglieder und davon dass Vielfalt zu Erkrath gehört. Er erzählt den Gästen, dass die hier lebenden Marokkaner sich nach dem Urlaub freuen, wenn sie auf der A46 kurz vor „zu Hause“ sein. An diesem Nachmittag reden die Gemeindemitglieder und Besucher noch einige Male über das Gefühl von zu Hause oder Heimat, das oft mit den Menschen und der Gesellschaft um uns herum als mit einem geografischen Ort zu tun hat.Mohammed Assila erinnert daran, dass die Gastarbeiter der 50er Jahre Deutschlands Wirtschaft mitaufgebaut haben und daran, dass Moscheen heute einen wichtigen Beitrag zur Bildung und Erziehung leisten, zu der auch Demokratiebildung gehört. „Wir sind deutsche Bürger und wir sind Muslime“, drückt er aus, dass das heute kein Widerspruch mehr ist und setzt fort „Wir können einen wichtigen Beitrag leisten, um Vorurteile abzubauen“. Er nennt Beispiele dafür, dass die Unterschiede zwischen christlichen und muslimischen Überlieferungen gar nicht so groß sind, wie viele denken.

„Ich bin stolz ein deutscher Moslem zu sein“, versucht Assila ein Lebensgefühl auszudrücken und erntet prompt Widerspruch. Unter den Besuchern ist auch Elke Nußbaum. „Das Wort Stolz hat einen Beigeschmack, weil es allzu oft von Rechten genutzt wird“, erwidert sie. Assila erklärt, dass wir uns doch nicht von solchen Menschen positive Worte stehlen lassen sollten. Der junge Imam der Gemeinde versucht den Diskussionen aufmerksam zu folgen. Er besucht hier Deutschkurse, hat bereits das B1 Level erreicht. Er möchte selbst mit den Menschen hier sprechen können. Beim Rundgang durch die Moschee erfahren die Besucher dann auch, dass hier in drei Sprachen, auch in Deutsch, gepredigt wird. 200 Familien sind Mitglieder des Marokkanischen Familien und Kulturvereins, in dem verschiedene Angebote von Sport und gemeinsamen Ausflügen über Bildung und Erziehung bis hin zur Flüchtlingsberatung stattfinden. Unterstützung für die Flüchtlingsberatung gab es auch vom Kreis Mettmann im Rahmen der KOMM-AN NRW Förderung.

Und dann erfahren die Besucher noch, dass die Frauen des Vereins eigene Räumlichkeiten im Keller haben. Mit einer Rangordnung habe das allerdings nicht zu tun, auch wenn bisher keine Frauen im Vorstand vertreten sind, versichert Mohammed Assila. Die Moschee soll um ein Stockwerk aufgestockt werden und dann erhalten die Frauen die Räumlichkeiten im oberen Stockwerk. „Bei uns werden die Wünsche der Frauen zuerst erfüllt“, verrät Assila lachend. Die Damen wollten eine Einbauküche und hätten sie bekommen. Wer in diesem Moment ein altmodisches Bild im Kopf hatte, erfuhr gleich im Anschluss, dass die Männer erst kürzlich für die Frauen dort gekocht hätten. Es gab Paella. Eigentlich reicht die Zeit am Tag der offenen Tür kaum aus, um sich ausführlich auszutauschen und alles zu besichtigen, aber im kommenden Jahr wird es wieder einen Tag der offenen Moschee geben, der Gelegenheit dazu bietet.

(RG)
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