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„Die Familie“ als Symbol für Zusammenhalt, Liebe und Geborgenheit: Vor 25 Jahren sagte er „Grazie, Erkrath...“

„Die Familie“ als Symbol für Zusammenhalt, Liebe und Geborgenheit : Vor 25 Jahren sagte er „Grazie, Erkrath...“

Viele Menschen gehen täglich auf ihrem Weg zur Arbeit, zum Einkaufen oder in der Mittagspause daran vorbei. Seit 25 Jahren steht sie nun schon oberhalb des Bavierplatzes: Felice Manzo’s Skulptur „Die Familie“. Doch wer erinnert sich noch an die Geschichte dieses Kunstwerkes?

Formen aus rauem Cortenstahl und glänzendem Chrom-Nickel-Stahl stehen dicht beieinander: Die vier Figuren zeigen auf ihre abstrakte Art eine Form der Familie mit Mutter, Vater und zwei Kindern. Sie zeigt die Eigenständigkeit der Individuen innerhalb des Familienbundes, aber letztlich auch der Gesellschaft. Die unterschiedlichen Materialien, die Rauigkeit und der Glanz spiegeln die Symbiose zwischen Mann und Frau wider.

Damals wie heute wird das Kunstwerk auch durchaus kritisch gesehen - besonders in Zeiten vielfach geführten Diskussionen zum biologischen und sozialem Geschlecht und gesellschaftlich geprägten und individuell erlernten Geschlechterrollen. Ihr Erschaffer, Felice Manzo, der die Skulptur vor 25 Jahren gemeinsam mit dem damaligen Stadtdirektor Bernd Sundhoff an einem Samstagvormittag im Juni 1997 feierlich mit musikalischer Begleitung des SPD-Jazzfrühschoppens eingeweiht hat, sieht das gelassen. Schließlich sei Kunst auch dafür da, um Kontroversen zu schaffen, zum Nachdenken anzuregen. Am Ende ist sie jedoch und vor allem ein Dankeschön der italienischen Bürger dieser Stadt.

Denn, vor vielen Jahren waren sie nach Erkrath gekommen und hatten hier eine zweite Heimat gefunden. Deutsche Familien unterstützten die Neuankömmlinge in der schwierigen Anfangszeit und dafür gab es ein schönes wie ebenso charmantes „Grazie, Erkrath“ in Form dieses Kunstwerkes.

Felice Manzo kam 1969 als 14Jähriger zusammen mit seinen Eltern nach Erkrath. Eine von rund 70 italienischen Familien. Geboren wurde er in der Hauptstadt Argentiniens, Buones Aires, aufgewachsen ist er aber an der malerischen Amalfiküste. „Schon als kleiner Junge war ich an Kunst interessiert“, erinnert sich Felice Manzo. „Mein Onkel hatte eine Keramikwerkstatt und ich schaute ihm, wann immer ich konnte, über die Schulter.“

Die Amalfiküste, in der süditalienischen Region Kampanien, ist bekannt für ihre strahlende Landschaft, die pastellfarbenen Häuser und nicht zuletzt für ihre vielen kleinen Keramikläden. Bereits seit dem 15. Jahrhundert ist sie an diesem Küstenstreifen eine wichtige Tradition - besonders in der Stadt Vietri sul Mare. Kein Wunder also, dass das Gespür für Ästhetik und Kunsthandwerk den jungen Felice Manzo quasi in die Wiege gelegt wurde. „Später habe ich vornehmlich dreidimensionale Bilder, vorwiegend aus Metall, gefertigt. Aber natürlich auch Skulpturen.“ Damit nahm Manzo in den späten 90er Jahren auch an der damals noch lautenden „LokArt“ (die heutige Erk@art) teil. Eine Autopanne des Stadtdirektors Sundhoff war dann für den jungen Italiener quasi eine glückliche Fügung.

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Beim Werkstattbesuch war dieser mit Felice Manzo, der gelernter KFZ-Meister ist und sich in Erkrath damit selbstständig gemacht hatte, ins Gespräch gekommen. Beide hatten schnell ihre gemeinsame Leidenschaft für die Kunst entdeckt. Besonders die Skulpturen des Künstlers hatten es Bernd Sundhoff angetan und so nahm die Idee für die heutige Skulptur ihre ersten Formen an. „Besonders danken möchte ich an dieser Stelle meinem Freund Teodoro Presta, der mich damals sehr bei der Verwirklichung der Skulptur unterstützt hat“, sagt Felice Manzo.

An Erkrath schätzt er besonders die familiäre Atmosphäre und das gute Miteinander. Seit 2013 wohnt er - wie der Zufall es will - in Sichtweite seiner „Familie“. Heute mit 66 Jahren, tritt er mittlerweile beruflich etwas kürzer und findet nun wieder mehr Zeit für sein großes Hobby - die Kunst. Wir dürfen also gespannt sein, ob wir vielleicht demnächst noch mehr von Felice Manzo und seiner Kunstfertigkeit zu Gesicht bekommen. Mit der Skulptur „Die Familie“ hat er jedenfalls sich und den ersten italienischen Bürgern dieser Stadt ein kleines Denkmal gesetzt und dafür sagen wir „Danke, Signore Manzo.“

(nic)