Schachsport ist Denksport: Bretter, die die Welt bedeuten

Schachsport ist Denksport : Bretter, die die Welt bedeuten

Ein verregneter Wintermorgen in Erkrath. Ein bisschen versteckt zwischen Bavier-Center und Grünanlage duckt sich ein kleines, flaches Gebäude: Die Begegnungsstätte in derGerberstraße.

Wer die Räumlichkeiten betritt, wundert sich gleich ein bisschen: Über Schachbretter gebeugt sitzen etwa zehn Jungen zwischen 8 und 15, die sich vollkommen unartgerecht verhalten: Nirgends piepst ein Handy, es wird nicht getobt und auch nicht lauthals durcheinandergerufen, konzentrierte Stille dominiert den Raum. „Schach ist ein Sport, ein Denksport zwar, aber nicht weniger anstrengend als physischer Sport“, erläutert ein sympathischer junger Mann im dunkelgrünen Hoodie, „so eine Partie kann sechs bis sieben Stunden dauern und fordert höchste Konzentration ein. Danach ist man manchmal so fertig, als wäre man einen Marathon gelaufen und hat eine Unzahl an Kalorien verbraucht“.Jerome Neumair muss es wissen, denn er hat den steilen Weg bis zur Weltspitze erklommen.

Angefangen hatte alles ganz harmlos, mit einem Schachbrett, das einfach so im Wohnzimmer herumstand. Wenn es schon mal da sei, meinte Mutter Neumair, könnten doch die drei Brüder gleich mal richtig lernen, wie das Spiel funktioniert. Da war Jerome gerade mal fünfeinhalb; wie er heute sagt, im besten Einstiegsalter, wenn man ein Meister werden will. Unaufhaltsam führte dann der Weg über Mannschaftskämpfe und Einzelturniere durch Bezirks- und NRW-Meisterschaften. Absoluter Höhepunkt seiner Karriere war die Teilnahme an der Schach-WM 2009, bei der er in der U-14-Liga den 33. Platz erkämpfte.

„Das Schönste an diesen internationalen Spielen“, sagt der 24-jährige heute, „ist, zu erkennen, dass Herkunft und Sprache beim Schach einfach keine Rolle spielen. Man sitzt sich gegenüber und spricht die Sprache Schach!“ Die gemeinsame Sprache Schach sprechen auch die Jugendlichen in der Gerberstraße - inzwischen ist noch Lena dazugekommen, die sich auch nicht so richtig erklären kann, warum sich so wenige Mädchen für den Schachsport interessieren. Was bewegt ein Kind dazu, einen schulfreien Samstagvormittag im Winter nicht im Bett oder auf dem Sofa zu verbringen? Für Simon ein klarer Fall: „Bei mir zu Hause sind alle Langschläfer! Ein Frühaufsteher wie ich braucht Beschäftigung“. Und Roman, 9, fügt hinzu: „Ich treffe mich hier mit zwei Freunden, und wir spielen gegeneinander“. Als großes Talent des Schachclubs gilt Jona, 15. Auch er spielt, wie früher Jerome, bereits Amateurmeisterschaften auf Landesebene. Hier aber sitzt er ganz entspannt und folgt gemeinsam mit den „Kleinen“ Jeromes Ausführungen über die vielen verschiedenen Eröffnungen einer Schachpartie.

Für den Laien eine schier endlose Liste: Italienisch, schottisch, spanisch…hier kennt man sich aus.Ein beeindruckender Besuch in der Gerberstraße. Der Schachclub Erkrath 1973 bietet allen interessierten Kindern und Jugendlichen jeden Samstag an, das Training zu besuchen. Selbstverständlich richtet sich das Angebot auch an Erwachsene, die an einem Freitag im Monat von 19 bis 21.30 Uhr trainieren, und selbstverständlich umfasst die Aktivität des Vereines auch die Teilnahme an Schachturnieren, die etwa die Hälfte der Mitglieder bestreiten.

Interessierte aller Altersstufen sind herzliche eingeladen, sich unter 1.vorsitzender@sc-erkrath.de an den Vereinsvorsitzenden Daniel David zu wenden.

Mehr Infos
Schachclub Erkrath 1973
1. Vorsitzender: Daniel David
Spiellokal in der Caritas-Begegnungsstätte
Gerberstraße 7
Telefon: 0211–243553
Spielabend
Freitag ab 19 Uhr
Samstag von 10 Uhr bis 12 Uhr (Jugend)
E-Mail: vorstand@sc-erkrath.de
Internet: www.sc-erkrath.de

(CB)