Fastenbrechen in Hochdahl

Gelebtes Miteinander : Gemeinsames Fastenbrechen ist ins Bürgerhaus gezogen

Was 2016 kleiner Runde im Kinderhaus Sandheide begann, ließ im letzten Jahr den AWO Treff Hochdahl schon aus allen Nähten platzen und fand deshalb in diesem Jahr im Bürgerhaus statt.

Als Bürgermeister Christoph Schultz kurz vor Sonnenuntergang zum Mikrofon greift, um die Gäste zu begrüßen, tut er das mit den Worten „Ich darf sie zum ersten öffentlichen gemeinsamen Fastenbrechen hier im Bürgerhaus begrüßen“. Das erste gemeinsame Fastenbrechen ist es nicht, dass fand bereits 2016 im Kinderhaus statt und ist seitdem zu einer festen jährlichen Einrichtung geworden, die jedes Jahr gewachsen ist. Aber das erst öffentliche ist es schon, denn bisher haben Fatima Assila und die internationale Frauengruppe dazu Einladungen verschickt.

Im letzten Jahr fand der Iftar, wie die Muslime das Fastenbrechen nennen, in den Räumen des AWO-Treffs Hochdahl statt und sprengte dort ein wenig die Räumlichkeiten. In diesem Jahr hat die Stadt Erkrath das Bürgerhaus fürs gemeinsame Fastenbrechen angeboten und als Veranstalter Fatima Assila und der internationalen Frauengruppe den notwendigen Raum gegeben, das gemeinsame Fastenbrechen für noch mehr teilnehmende Muslime und Nichtmuslime zu öffnen, denn: Im Rheinland hat bekanntlich alles Tradition, was mehr als dreimal veranstaltet wird und damit hat Erkrath eine neue Tradition, die von der Verwaltung mitgetragen wird.

Mohammed Assila konnte aus privaten Gründen in diesem Jahr nicht dabei sein, sodass Fatima Assila sich die Begrüßungsreden mit dem Bürgermeister und dem Integrationsbeauftragten Max Guder aufteilte, der mit seiner Kollegin Anna-Maria Weihrauch auch die diesjährige Veranstaltung unterstützte. Bürgermeister Schultz freute sich darüber, dass in diesem Jahr Landtagsabgeordneter Christian Untrieser und viele Mitarbeiter aus der Verwaltung unter den Gästen waren. Auch Stefan Freiberg, Fachbereichsleiter Soziales und VHS-Leitern Dr. Ursula Moldon haben es sich nicht nehmen lassen, teilzunehmen.

„Wenn man miteinander isst, kommt man ins Gespräch“ wies der Bürgermeister auf den ideellen Gewinn des gemeinsamen Fastenbrechens hin und ergänzte „Wir leben in einem Erkrath des Miteinanders, in dem Ausgrenzung und Rassismus keinen Platz haben“.

Fatima Assila dankte der Stadt und dem Kreisintegrationszentrum für die Unterstützung und all denen, die in den Tagen davor aktiv an den Vorbereitungen mitgearbeitet hatten, wie Rana oder Natalie Gologowicz und Simone Rönschke. Nicht nur beim Fastenbrechen selbst stehen Muslime und Nicht-Muslime Seite an Seite, auch bei den Vorbereitungen gelingt das. Den Gästen erklärte Fatima, dass es im Ramadan nicht einfach ums Fasten geht, vielmehr sei es die Zeit in der Muslime in sich gehen, sich auf Sinnsuche begeben, wenn sie von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang fasten. Nach ein paar vorgetragenen Suren ging die Sonne schließlich unter und nachdem mit Datteln und Wasser das Fasten gebrochen war, bildete sich schnell eine lange Schlange am Buffet. Ganz deutsch und pragmatisch stand am Buffet ein Sparschwein, dass als Leihgabe vom AWO-Treff nebenan beigesteuert wurde. Hier konnten die Gäste mit einer kleinen Gabe für die Frauen einen Ausgleich schaffen, die das Essen für diesen Abend zubereitet hatten.

Vom AWO-Treff Hochdahl waren auch Silke Dietz und andere unter den Gästen. Sie hatten im vergangenen Jahr als Gastgeber mit dem Veranstaltungsort alle Hände voll zu tun. Die Zahl der Gäste war so groß, dass laufend improvisiert werden musste. Es war „kuschelig“, weil alle ein wenig zusammenrücken mussten und es war stressig, weil die Spülmaschine zwischendurch streikte. „In diesem Jahr bin ich ganz entspannt als Gast dabei und kann das Fastenbrechen so richtig genießen“, lacht Silke Dietz bei der Erinnerung ans letzte Jahr.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Fastenbrechen in Hochdahl

(RG)
Mehr von Lokal Anzeiger Erkrath