Nachlese MS-Infoveranstaltung: Forschung zwischen Hoffnung und Herausforderung

Alt-Erkrath · Zahlreiche Patienten, Angehörige und Interessierte informierten sich in der Stadthalle Erkrath über aktuelle Entwicklungen in der Multiple-Sklerose-Forschung.

(v.li.) Anja Dworack-Kozian (Ergo-Team Erkrath), Catherine Wolters (Psychologische Psychotherapeutin), Dr. med. Nils Richter (Neurologe), Sara Degering (Ergo-Team Erkrath) und Marion Kremerius (MS-Treff Erkrath).

Foto: Gabi Gründker

Neben einem medizinischen Fachvortrag des Neurologen Dr. med. Nils Richter beleuchtete die Psychologische Psychotherapeutin Catherine Wolters die psychischen Belastungen im Alltag mit MS. Seit 14 Jahren lädt die Selbsthilfegruppe MS-Treff Erkrath gemeinsam mit dem Fördervereins MS-Treff Erkrath e.V. zu dieser Veranstaltung ein. Bereits vor Beginn nutzten viele Besucher die Gelegenheit, sich im Foyer an Informationsständen verschiedener Pharmaunternehmen zu informieren. Der Förderverein sorgte zudem für Getränke und kleine Snacks. Zum Auftakt begrüßte Timo Kremerius, Vorsitzender des Fördervereins, die Gäste und stellte die Referenten vor. Anschließend übergab er das Wort an Marion Kremerius, Leiterin der Selbsthilfegruppe. Sie dankte dem Förderverein für die langjährige Unterstützung sowie verschiedenen Unternehmen für ihr Engagement. „In all den Jahren habe ich vor allem eines gelernt: Wir sind eine Gemeinschaft, die sich nicht so leicht unterkriegen lässt“, betonte sie. Mit Dr. Richter verbindet die Gruppe eine langjährige Zusammenarbeit. In seinem Vortrag stellte er aktuelle Entwicklungen in der MS-Forschung vor und richtete den Blick auf Chancen und Herausforderungen neuer Therapieansätze.

Ein Schwerpunkt lag auf sogenannten BTK-Inhibitoren, einer neuen Medikamentenklasse, die gezielt in das Immunsystem eingreift. Sie hemmen ein Enzym, das für das Wachstum bestimmter Immunzellen verantwortlich ist, und könnten künftig zu wirksameren und besser verträglichen Therapien beitragen. Ein weiterer Fokus lag auf Neurofilamenten. Diese Strukturproteine von Nervenzellen gelten als vielversprechende Biomarker: Über eine Blutuntersuchung könnten Krankheitsaktivität und Nervenschädigungen künftig früher erkannt und Therapien individueller angepasst werden. Im Anschluss an den Vortrag von Richter begrüßte Marion Kremerius die Logopädin Carolin Jacobs im Publikum. Sie hat eine CD mit Begleitbuch über die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG, Bundesverband e.V.) für Menschen mit Multipler Sklerose veröffentlicht. Nach einer kurzen Pause widmete sich Catherine Wolters den psychologischen Aspekten der Erkrankung. In ihrem Vortrag „Identität und Trauer: Leben mit Veränderung“ machte sie deutlich, dass MS nicht nur den Körper, sondern auch das Selbstbild verändert. Identität sei jedoch kein starres Konstrukt, sondern könne sich weiterentwickeln. Trauer bezeichnete sie als normale und gesunde Reaktion auf diese Veränderungen. Sie verlaufe nicht geradlinig und erfordere vor allem eines: Akzeptanz. „Ich muss die Veränderung nicht mögen, aber ich kann lernen, mit ihr zu leben“, erklärte Wolters. Entscheidend sei, sich an den eigenen Werten zu orientieren und auch kleine Schritte bewusst wahrzunehmen.

Zum Abschluss dankte Marion Kremerius den Referenten für ihre Einblicke. Beide standen im Anschluss noch für persönliche Gespräche zur Verfügung, was von vielen Besuchern genutzt wurde. Auch das Ergoteam Erkrath war an diesem Abend vertreten und tauschte sich noch mit Dr. Richter und Catherine Wolters aus. Für einige Gäste war die Veranstaltung ein erster Schritt: „Die Diagnose ist noch ganz neu für uns. Wir suchen nun den Austausch“, berichtete eine Teilnehmerin. Die Veranstaltung machte deutlich, wie wichtig neben medizinischem Fortschritt auch Information, Austausch und gegenseitige Unterstützung für Betroffene sind. Der Förderverein MS-Treff Erkrath lädt bereits zur nächsten Veranstaltung ein: Am 30. Mai um 20 Uhr findet erneut ein Abend in der Stadthalle statt. Dann steht Musik im Mittelpunkt – 60RPM – acoustic & voices präsentieren Songs unter anderem von Crosby, Stills & Nash, den Beatles und Simon & Garfunkel.

(GG)