Theater in der Stadthalle Erkrath: „Und wer nimmt den Hund?“ Mit wenig Tiefgang und spektakulären Highlights

Alt-Erkrath · Mit dem Theaterstück „Und wer nimmt den Hund?“ war am Mittwoch, in der Stadthalle Erkrath ein Kulturabend mit reichlich Witz und Charme angesagt. Dabei wurde die Vernunft komödienhaft als das am wenigsten taugliche Instrument zur Lösung von Beziehungsproblemen vorgeführt. Die Darsteller erleben einen heiteren Wechsel zwischen der erhofften problemfreien Trennung und ihren sich unvermutet meldenden Gefühlsverwirrungen.

Szene auf dem Stück "Und wer nimmt den Hund?"

Szene auf dem Stück "Und wer nimmt den Hund?"

Foto: Dietrich Dettmann

Der Theaterabschluss der Saison 2022/2023 in der sehr gut besuchten Stadthalle, rund 400 Besucher fanden den Weg zur Kultur, war Tourneetheater mit wenig Tiefgang und spektakulären Highlights.

Durch die Banalität der Geschichte und verkörperten Figuren wirkte es etwas zäh und nach fast zwei Stunden war dann, man muss es leider sagen, endlich Schluss. Einige wenige Zuschauer hatten sich schon vorher verabschiedet. So schlecht war das Stück nun wieder nicht. Aber die Reaktion während des Stückes, wenig Aktivitäten der Zuschauer, nur wenige verhaltene Lacher und auch wenig Applaus dokumentierten, wie das Stück ankam.

In einer Tanzszene wäre fast ein Klatschmarsch zustande gekommen, der aber spontan im Keim erstickt wurde und sich zum Rohrkrepierer entwickelte. Schade. Die Vorlage der Geschichte war sicher gut, aber die Schauspieler konnten wohl aufgrund des Drehbuches wenig daraus machen. Marion Kracht stach doch raus und hier merkte man die Profischauspielerin, die mit Gestik und Mimik die dürftigen Dialoge auffrischte. Die Rolle der Therapeutin war doch sehr konstruiert, wenig lustig, eher albern. Zum Ende des Stückes wurde vom Publikum artig applaudiert. Aber man merkte die Tendenz war nicht frenetisch und man wollte eigentlich gerne nach Hause. Die Schauspieler machten ihnen aber einen Strich durch die Rechnung und erschienen doch immer wieder auf der Bühne, um sich ihren trotz allem verdienten Lohn abzuholen. Lediglich Marion Kracht bekam einen kräftigen Applaus.

Zum Stück

Georg und Doris sind seit 20 Jahren verheiratet, jede Menge Alltag und gemeinsames Leben liegen hinter ihnen. Die Kinder sind aus dem Haus, das Paar könnte sich neu finden. Die Versuchung in Gestalt von Laura, Georgs zwanzig Jahre jüngerer Doktorandin, naht, und plötzlich steht seine Beziehung vor dem Aus. Wer eine Schlammschlacht erwartet, muss umdenken. „Wir hatten unsere Zeit. Und jetzt ist die eben vorbei“, konstatiert Georg. Und auch Doris scheint sich für die Trennungsdynamik eher wie für ein Experiment unter Laborbedingungen zu interessieren und schlägt den gemeinsamen Besuch bei Trennungstherapeutin Gisela Bruhns vor. Das klingt nach Scheidung light. Das Publikum darf sich am Gefälle zwischen der erhofften problemfreien Trennung und den sich unvermutet meldenden Gefühlsverwirrungen des Paares ergötzen.

Das Fazit der Theatersaison ist, dass es das Kulturamt wieder geschafft hat, ein abwechslungsreiches und gutes Programm auf die Bühne zu bringen. Herausheben aus dem letzten Programm muss man die absoluten Höhepunkte „Himmlische Zeiten“ und „Spatz und Engel“. Sicherlich ist es immer schwierig bei 48.000 Einwohnern Erkraths die richtige Mischung zu finden. Auch wenn ein Stück mal nicht der Brüller ist, man wird im Laufe der Saison immer wieder entschädigt. Also kommen Sie in großer Anzahl zur nächsten Saison. Das Programm verspricht wieder den ein oder anderen Leckerbissen. Auch im Kabarettbereich.

„Kulturpause‘‘ im Foyer der Stadthalle

Künstler der Kulturpause war an diesem Abend zum zweiten Mal Markus Sieratowicz. Der 1959 in Berlinchen-Neumarkt (heute Polen) geborene Künstler wohnt seit drei Jahren in Hochdahl und ist seiner Tochter zuliebe hierhin gezogen. Seine Hobbys sind Malen und Keyboard spielen. Malerisch sucht er noch seine Richtung, weist aber doch schon sehr interessante Motive auf. Die Kunstwerke des sehr sympathischen Künstlers erfreuten sich beim Publikum großen Interesses.