„Mordsfrauen“ im Joachim-Neander-Haus Das Spotlight war ein Highlight

Alt-Erkrath · Großes Theater kürzlich im Joachim-Neander-Haus in Erkrath, Wie schon tagszuvor war die Vorstellung auch am Folgetag mit 140 Zuschauern ausverkauft. Und zu Recht. Es wurde großes Theater vom Feinsten geboten.

 Die Schauspielerinnen der Theatergruppe „Spotlight“ in dem Stück „Mordsfrauen“.

Die Schauspielerinnen der Theatergruppe „Spotlight“ in dem Stück „Mordsfrauen“.

Foto: Timo Kremerius

Bei der Ankunft am Joachim-Neander-Haus waren schon eine halbe Stunde vorher viele Zuschauer anwesend und warteten auf Einlass. Das sehr sympathische Personal organisierte professionell den Einlass und auch das Catering und dann warteten alle gespannt auf den Beginn des Stückes.

Zum Inhalt: Fünf Damen (Häftlinge) sind bereits seit Stunden in einem Aufenthaltsraum eingeschlossen um dort Sonderdienste verrichten. Die Damen (Häftlinge) werden langsam unruhig, da sie eine Verschwörung vermuten. War der angebliche Wasserrohrbruch nur ein Vorwand? Die anderen Häftlinge benehmen sich auch seit Wochen so merkwürdig und die Schließer antworten weder auf verzweifeltes Rufen durch die Sprechanlage noch auf wütende Tritte gegen die Tür?

Die Knastschwestern spielen anfänglich noch vergnügliche Rollenspiele, bis die Stimmung im Laufe der Zeit kippt und immer aggressiver wird. Die Verunsicherung über den Grund ihrer stundenlangen Gefangenschaft im Aufenthaltsraum führt zu haltlosen Unterstellungen, gegenseitigen Verdächtigungen und gipfelt schließlich in einer beispiellosen Hetzjagd.

Margot, Fernande, Moni, Erika und Paula. Sie alle wurden wegen Mordes zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt. Im Laufe des Stückes erzählen sie alle, wie sie wen umgebracht haben: Die fremdgehende Schwester mit dem Föhn in der Wanne, den Ehemann zu Wurst in der Fleischerei verarbeitet oder den Pfarrer mit der heiligen Madonna erschlagen.

Wer sind diese fünf Knastis?
Margot (gespielt von Bianca Koschel) ist der Gruppenrüpel mit einer bewundernswerten Kodderschnautze. Die tyrannische Mar-Gott lässt keine Gelegenheit aus, um den anderen zu zeigen, wer im Knast das Sagen hat.

Moni (gespielt von Carmen Weng): Die ehemalige Sexpertin für Telefon-Sex hat nicht nur eine spitze Zunge und einen Hang zu erotischer Herbstdeko, vielleicht hat sie auch falsche Gerüchte gestreut, um ihre Mithäftlinge vom wahren Grund der Sippenhaft abzulenken.

Fernande (gespielt von Claudia Seibt): Schwester Fernande ist neu in der JVA und hofft auf Freundschaft und Austausch zwischen den Insassinnen. Hinterher stellt sich heraus, dass sie als Seelsorgerin geschickt wurde, um sozialen Dienst zu erbringen.

Erika (gespielt von Daria Tigges): Erika spricht nur in der dritten Person über sich selbst und scheint auch ansonsten etwas zurückgeblieben. Ist sie wirklich so harmlos oder spielt sie nur das naive Dummchen, weil sie den anderen etwas verheimlicht?

Paula (gespielt von Karola Fritzsch): Paula, der Putzteufel ist sehr auf Reinlichkeit bedacht und leidet in Stresssituationen unter zwanghaftem Juckreiz. Weiß sie am Ende etwas, was die anderen nicht wissen?

Unterstütz wurden die Knastis von Michael Kastner (Regie), Lars Kreutner (Technik) und Gina Drevers (Souffleuse) und einem großartigen Drehbuch von Corina Rues-Benz.

In einem Gespräch mit den Schauspielern betonten diese, dass sie die Rollen alle selbst ausgesucht haben. Eine gute Wahl. Um die Qualität des Stückes zu beschreiben, muss ich als Autor dieses Textes einen Satz meines Vorgesetzten in einer großen amerikanischen Firma zu Hilfe nehmen: „Um ein guter Verkäufer zu sein brauchst du den verkäuferischen Glanz in deinen Augen“. Diesen Glanz hatten die Schauspielerinnen von der ersten Sekunde des Stückes an. Ich habe schon Stücke gesehen, da waren die Augen der Schauspieler dunkel. Da kam nichts, da war keiner zu Hause. Die Knastis sind so in ihren Rollen aufgegangen, dass sie glaubhaft in den Zuschauerraum rüber trugen so zu sein, wie sie spielten. Einfach nur genial. Sie verschmolzen mit ihren Rollen. Eindrucksvoll auch die Dialoge der fünf Schauspielerinnen, die das Publikum doch häufig zum Lachen animierten. Verdienterweise. Das Stück war zu keinem Zeitpunkt langweilig oder zäh. Es war in hohem Maße unterhaltsam und kurzweilig.

Die Auflösung des Stückes war übrigens wie im richtigen Leben: Ein Politiker, der der JVA ein Einsatzfahrzeug übergeben hatte, machte einen Rundgang durch die JVA. Um den Politiker nicht zu belasten, wurden die Mörderfrauen aus dem Blickfeld geschafft. Könnte ein Stück aus der Realität sein. Die „Mörderfrauen“ wie als auch die Mitwirkenden hinter der Bühne bekamen am Schluss des Stückes einen mörderisch donnernden Applaus.