Zehn Jahre Bürgerbus Erkrath: „Große Familie“ auf Rädern

Zehn Jahre Bürgerbus Erkrath : „Große Familie“ auf Rädern

Wenn eine Familie zusammen unterwegs ist, gibt es nicht selten Reise-Stress. Beim Bürgerbus Erkrath ist es genau anders herum: Als ganz besonderes Verkehrsmittel vermittelt er Wohlfühl-Atmosphäre mit Familiencharakter. Zum zehnjährigen Bestehen gibt es ein großes Fest.

Eine Fahrt mit dem Bürgerbus Erkrath ähnelt von der Atmosphäre her einem Besuch im Lieblings-Café oder im Stammlokal. Es fallen Sätze, wie: „Grüß dich, Ulla“, „ich steig‘ hier aus, dann brauchen Sie nicht zweimal hierhin“ oder „danke, den Berg runter läuft die Karre (gemeint ist der eigene Rollkoffer) von selbst“. Es ist eine Mischung aus Freundlichkeit, gegenseitigem Interesse und Dankbarkeit, die in diesem besonderen Gefährt die Stimmung prägt. „Wir sind wie eine große Familie“, sagt Harald Mars, der Vorsitzende des Erkrather Bürgerbusvereins und fügt hinzu: „Man kennt sich mit Namen, es gibt einen sehr großen Stammkundenkreis. Und wenn ich die erste Schicht fahre, kann ich mir die Lokalnachrichten sparen.“ Der 65-Jährige ist seit sechs Jahren aktiv dabei und sitzt selbst in der Fahrerkabine. Warum er das tut? „Spaß am Fahren und Freude daran, etwas Gutes zu tun.“ Er schätze den Kontakt zu den Menschen, und deren Dankbarkeit. „Das gibt einem was zurück“, so Mars, der bei der Beschreibung seines Teilzeit-Dienstortes regelrecht ins Schwärmen gerät: „Das ist eine fantastische Einrichtung.“

Eine Einrichtung, zu deren Umsetzung es allerdings auch einiger Kraftanstrengung bedurfte. Denn ehe vor fast zehn Jahren der Betrieb aufgenommen werden konnte, galt es zunächst einmal, ordentlich Vorarbeit zu leisten. „Es braucht im Wesentlichen vier Dinge um einen Bürgerbus zu starten“, verrät Kassenwart Jens Reuker: „Erstens: Die Rheinbahn überzeugen, dass der Bürgerbus-Einsatz zu ihrem Fahrplan passt. Zweitens: Den Stadtrat überzeugen, da er im Bedarfsfalle als Bürge einspringen müsste. Drittens: Genügend Fahrer. Viertens: Leute, die das operative Geschäft führen.“ In Erkrath war all das im Sommer 2010 erfüllt, so dass der Bürgerbus Fahrt aufnehmen konnte – als erster der Rheinbahn! Und nach nunmehr fast zehn Jahren erweisen sich die erforderlichen Kriterien als rundum stabil: Der Bürgerbus läuft durchgehend wirtschaftlich, in dem er sich durch Spenden, Werbung und eine steigende Zahl von Fahrgästen selbst finanziert. Und er ist für die Rheinbahn eine willkommene Ergänzung. Denn wo deren Routen enden, fangen die des Bürgerbusses erst so richtig an.

„Wir fahren mitten rein in die Wohngebiete und steuern dort auch durch enge Straßen, die ein großer Bus so gar nicht befahren könnte“, betont Harald Mars. Auch, wenn es gemeinsame Haltestellen gibt, ist der Bürgerbus im Wesentlichen auf anderen Wegen unterwegs – und schließt damit Lücken im Fahrplan-Netz. Nicht zuletzt deshalb erfreut sich die „Kleeblatt-Linie“, wie sich der Bürgerbus wegen seiner Streckenführung nennt, großer Beliebtheit. „Viele Menschen sind auf uns angewiesen“, weiß Harald Mars, der immer wieder Sätze hört, wie: „Wenn es den Bürgerbus nicht gebe, könnte ich hier nicht wohnen bleiben.“ Das gilt besonders für die anspruchsvollen Strecken mit vielen Steigungen, wie zum Beispiel im Neubaugebiet am Wimmersberg oder in der Groß-Wohnanlage Kalkumer Feld. Zudem steht der Bürgerbus für einen besonderen Service-Gedanken. „Als Fahrer helfen wir den Fahrgästen, wo wir können, etwa beim Verladen von Taschen oder Gehhilfen“, so Mars. „Und der Ausstieg kann in begrenztem Umfang individuell erfolgen, also auf Zuruf.“ Mit diesem besonderen Profil ist der Bürgerbus längst voll integriert ins Erkrather Stadtleben, was sich auch an den ehrenamtlichen Mitstreitern und Unterstützern zeigt. So gehören beispielsweise beide Chefs einer ortsansässigen Installations-Firma (Wagemann & Zabeli) zu den Fahrern. Und ein örtlicher Supermarkt (Rewe) spendiert jedem seiner Kunden ab einem Einkaufswert von 25 Euro einen Freifahrtschein, was laut Mars für den Busbetrieb „eine Riesen-Menge ausmacht“. Ansonsten kostet ein Ticket überschaubare 1,50 Euro und die Mitfahrt ist an keinerlei Zulassungs-Bedingungen geknüpft.

„Wir wünschen uns, dass unser Angebot von allen genutzt wird“, betont Mars. Kein Wunder, dass dieses Angebot stark gefragt ist. Gestartet mit rund 400 Fahrgästen pro Monat, befördert der Bürgerbus heute derer über 3000. Um das alles im Ehrenamt zu stemmen, braucht es ein funktionierendes Miteinander. Und das gibt es beim Bürgerbus zweifelsohne. Zum Zehnjährigen im Spätsommer soll es ein besonderes Fest geben. Details stehen zwar noch nicht fest, eines aber verspricht Harald Mars schon jetzt: „Da feiern wir richtig groß!“

(MZ)