Eine große Ehre und Anerkennung auf höchster Ebene Vom Erkrather Maltisch zum französischen Bildungsprojekt

Erkrath · Kianoosh Rashidi Ghadi findet sein Werk „LUCA“ im Internet – als künstlerisch-wissenschaftliche Referenz eines französischen Bildungsprojekts.

Kianoosh Rashidi Ghadi mit seinem Original „LUCA“ und der Abbildung auf der Website von EchoScience.

Foto: Nicole Marschall

Da staunte Kianoosh Rashidi Ghadi nicht schlecht, als er beim Googlen eine seiner Zeichnungen auf der französischen Wissenschafts-Plattform EchoScience (www.echosciences-paca.fr) wiederfand. Und nicht nur das: Sein Werk „LUCA“ hatte es vom heimischen Maltisch in Erkrath aus bis zur Verwendung als Illustration des Bildungsprojekts „(Voyage)²“ geschafft – ohne, dass der Erkrather Native-Art-Künstler Rashidi Ghadi davon wusste. Das Bild illustriert auf dieser Website eine Etappe einer didaktischen Zeitreise durch die Erdgeschichte, die den Übergang von den ersten einzelligen Lebensformen zur nächsten Evolutionsstufe thematisiert. Die Urheberrechtsverletzung ärgert den Erkrather jedoch nicht im Geringsten. Im Gegenteil: Er ist sehr stolz darauf und sieht es als Anerkennung seiner Kunst. „Ich freue mich darüber und beabsichtige, das Original demnächst der Bibliothek in Bordeaux zu widmen“, sagt er und erzählt:

„Anfang 2014 habe ich – während ich eine WDR 5-Radiosendung zum Konzept „LUCA (Last Universal Common Ancestor)“ und den Ursprüngen des Lebens hörte – angefangen, eine Komposition aus persischen, lateinischen, deutschen, russischen, englischen und französischen Begriffen für diesen letzten gemeinsamen Urvorfahr zu zeichnen und das Werk später auf Flickr und Facebook veröffentlicht. Beim Zeichnen erinnerte ich mich an das Buch 'Der Ursprung des Lebens' von Alexander Oparin, das ich im Alter von vielleicht elf Jahren im Bücherregal meiner Eltern zu Hause im Iran gefunden und mit großem Wissensdurst verschlungen hatte“, so der heute 64-Jährige. Das Interesse an der Evolution hat ihn sein Leben lang begleitet, auch in seiner künstlerischen Arbeit. „Als ich mein „LUCA“-Bild im Januar letzten Jahres erneut veröffentlichte, hätte ich nie geahnt, dass dieses Werk bereits seit Jahren im Stillen als künstlerisch-wissenschaftliche Referenz in einem französischen Bildungsprojekt zu sehen ist.“

Das Akronym LUCA steht für Last Universal Common Ancestor, den laut monophyletischen Abstammungstheorien zufolge hypothetisch letzten gemeinsamen Vorfahr aller heute lebenden Organismen auf der Erde. Dieser Einzeller lebte laut Wikipedia vor etwa 3,5 bis 4,5 Milliarden Jahren und ist der gemeinsame Ursprung des gesamten bekannten zellulären Lebens – vom Bakterium über Pflanzen bis hin zum Menschen.

Dass sein Werk zur Illustration des französischen Bildungsprojekts „(Voyage)²“ ausgewählt wurde und somit ein staatlich anerkanntes Referenzbild zur Vermittlung des Ursprungs des Lebens ist, ist für den aus dem Iran stammenden autodidaktischen Künstler Kinaoosh Rashidi Ghadi eine große Ehre und Anerkennung auf höchster Ebene. Doch die Organisation Gulliver und das Fachportal EchoScience, die unter der Schirmherrschaft des französischen Ministeriums für Kultur und Forschung, das Projekt koordinieren, wussten bis vor Kurzem scheinbar gar nicht, wessen Kunstwerk sie da eigentlich nutzen. Auf der Website von EchoScience ist es ohne Urhebernennung zu sehen, während eine andere auf der gleichen Unterseite abgebildete Grafik eindeutig als dem „Buch des Lebens“ des Evolutionsbiologen und Paläontologen Stephen Jay Gould nachempfunden gekennzeichnet wurde.

Rashidi Ghadi hat nun die französischen Institute angeschrieben und hofft, dass sie seine Urheberschaft anerkennen. Dabei geht es ihm nicht um Nutzungsrechte oder gar Geld. Gerne möchte er den Projektverantwortlichen sogar sein Original überreichen. Dass sein Werk, das in mehreren Sprachen an unseren „Urvorfahr“ erinnert, auf einer französischen Wissenschafts-Website glänzt, hat für Rashidi Ghadi eine klare Botschaft: „Kunst und Wissenschaft sind die gemeinsame Sprache der Menschen, und für diese Verständigung braucht man keinen Reisepass.“

Aktuell hat der Krieg im Iran sein künstlerisches Schaffen lahmgelegt. „Seit den Ereignissen im Januar dieses Jahres konnte ich nicht mehr zeichnen“, sagt Rashidi Ghadi mit Tränen in den Augen. Eine Zeit lang hatte er gar keine Verbindung zu seinen Verwandten am Kaspischen Meer. Das Internet war tot, Telefonate für die Menschen im Iran nur mit einer speziellen Telefonkarte oder „Internet Pro“ möglich, für das man sich bei einer Behörde anmelden müsse, erzählt er. Laut aussprechen, dass sie froh sind, dass USA und Israel das Regime deutlich geschwächt haben, können die Iraner so kaum. „Die ganze Situation, nicht zu wissen, wie es den Verwandten geht, ob sie noch lebten, war schwer.“ Dann endlich erhielt er ein Lebenszeichen von Bruder, Schwester und Neffen, die durch Schrotmunition verletzt worden waren. „Täglich kamen Nachrichten über immer mehr Tote. Das war ein Massaker in zwei Tagen. Früher brachte das Regime Mitglieder anderer politischer Organisationen um. Jetzt wurden Menschen jeder Schicht, jeder Berufsgruppe und jeden Alters hingerichtet. Etwas Ähnliches haben die Menschen dort die letzten 47 Jahre nicht erlebt. Das ist ein gesellschaftliches Trauma, das bleiben wird.“ Es werde einen Aufstand von innen heraus geben, ist er sich sicher: „Das Regime ist schwach. Der nächste Aufstand wird der Letzte sein.“

(nm)
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