Ein Stück Heimatgeschichte

Ein Stück Heimatgeschichte

Erkrather Zeitzeugen erinnern sich an den Alltag im Krieg.

(tb) Der zweite Weltkrieg ist der heutigen Generation nur noch aus Geschichtsbüchern bekannt. Die traurige Geschichte der Nationalsozialisten wird für die Deutschen stets ein schwarzes Kapitel in der Vergangenheit bleiben. Umso wichtiger, dass die Geschichte der Menschen von damals erhalten bleibt.

Der Erkrather Joachim Noack hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit den wenigen Zeitzeugen zu reden, deren Erinnerungen zu Papier zu bringen und der Nachwelt somit ein Stück Heimatgeschichte zu schenken. Mit seinem Buch "Das Ende des 2. Weltkrieges in Erkrath am 17. April 1945" verschafft Noack dem Leser tiefe Einblicke in private Momente zahlreicher Erkrather. "Das Werk entstand gemeinsam mit der St. Sebastianus Schützenbruderschaft Erkrath 1484 e.V., bei welchen ich selbst Mitglied bin. Unterstützung bekam ich vom ehemaligen Brudermeister Dr. Thomas Kirchhoff. Dieser verschaffte mir immer neue Gesprächspartner. Zudem habe ich viele intensive Unterhaltungen mit meinem väterlichen Freund Ludwig Weyer geführt, der leider mittlerweile verstorben ist", erklärt Noack weiter. Über zwei Jahre hat sich der pensionierte Geschichtslehrer Zeit genommen, um seiner Recherche zu frönen. Mit der Zeit sind aus einigen Interviewpartnern echte Freunde geworden. "Ich wollte aus dem Alltag der Menschen berichten, erfahren wie das Leben im Krieg und gerade um Kriegsende für die hier lebenden Bürger verlief." Dass sich ein solches Gespräch gerne einmal auf mehrere Nachmittage ausbreitete, freute den gebürtigen Spreewälder enorm. "Ich wohne seit 1961 in Erkrath und habe mir nie wirklich die Zeit genommen, die Heimatgeschichte zu hinterfragen", verrät Noack ein Stück seiner Intention. Herausgekommen ist ein Werk, welches mit Skizzen, Illustrationen und Anekdoten sehr anschaulich das Leben in den frühen 50er Jahren schildert.

Gerne möchte Noack noch weitere Menschen mit dem wichtigen Thema erreichen. "Einen ersten Vortrag konnte ich bereits beim Bergischen Geschichtsverein halten. Die Resonanz war positiv. Zudem möchte das Gymnasium Neandertal 20 Bücher erwerben, um diese in den Unterricht einzubringen", freut sich der Autor, der selbst am Gymnasium Neandertal unterrichtet hat. Interessant für die Schüler dürften besonders die zeittypischen Begriffe im hinteren Teil des Buches sein. "Dort habe ich eine Begriffssammlung mit Worten verfasst, die in meinen Gesprächen immer wieder genannt wurden." Schwere Kost ist das Buch nicht, im Gegenteil. So manch ein Erkrather dürfte beim durchlesen auf Orte treffen, die ihm auch in der heutigen Zeit noch bestens bekannt sind. So erfährt man beispielsweise, dass das heutige Kurhaus in den 30er Jahren einmal eine Gewerbefachschule beheimatete. "Ich habe mich sehr lange und intensiv mit einer älteren Dame unterhalten, deren Vater die Schule leitete. Es sind bis heute noch Ausweise und weitere Erinnerungsstücke erhalten geblieben." Eine weitere Geschichte hat den Erkrather ganz besonders berührt. "Sie handelt ebenfalls von einer Dame, die im zarten Alter von 19 Jahren eine schlimme Erfahrung machen musste, als sie mitbekam, wie ein Mann erschossen wurde. Aus Angst, jemand könnte erfahren, dass sie vor Ort war, hat sie erst Jahre später von ihrer Erinnerung berichtet. Dieses einschneidende Ereignis wurde von der heute 92 jährigen Frau beinah ein Leben lang verheimlicht."

Finanziert wurde das mittlerweile zweite Buch des Autors von der Schützenbruderschaft. Der Erlös der aktuell 300 Ausgaben starken Lektüre fließt ebenfalls den Vereinskassen zu. Joachim Noack ist sich sicher, dass auch eine überarbeitete Fassung in Zukunft erhältlich sein wird. "Ich führe noch immer Interviews und habe schon weitere interessante Geschichten erfahren. Ich denke, dass ich das Buch irgendwann erweitern werden."

Info:
Zu erhalten ist "Das Ende des 2. Weltkrieges in Erkrath am 17. April 1945" für acht Euro im Kurhaus, bei Schreibwaren Müller sowie bei Rewe und der Apotheke im BavierCenter.