Der Anlass war ein historischer Meilenstein: die Enthüllung einer edlen Gedenktafel in Erinnerung an die legendäre Entwicklungsgesellschaft Hochdahl mbH (EGH).
Initiiert wurde dieser festliche und gebührende Akt unter anderem von Gottfried Bander und H. Manfred Janssen. Ein Termin mit Tiefgang für alle, denen die Wurzeln unserer Heimat am Herzen liegen.
Neuer Glanz im Franziskus-Haus
Bevor es historisch wurde, gebührt der Event-Location selbst ein Blick auf die hervorragende Frischzellenkur. Das neu konzipierte Franziskus-Haus bot den perfekten Rahmen für die Feierlichkeit.
Nachdem die Bühne umgestaltet wurde, erhielt das Obergeschoss eine moderne Schallschutzdecke und einen komplett neu verlegten Boden. Das Untergeschoss mit dem gemütlichen Trillser Stübchen, dem Kaminzimmer und der nagelneu installierten Küche rundet die gelungene Komplettsanierung ab.
Nach der feierlichen Einsegnung durch Pfarrer Biskupek am 21. April 2024 stehen die Räume nun wieder in voller Pracht für kirchliche Veranstaltungen, gesellige Kunst- und Kultur-Events sowie Seminare und Sitzungen zur Verfügung.
Und dieser Ort ist kein Zufall: In genau diesen Räumen – damals natürlich noch unrenoviert – wurde am 29. Dezember 1960 die EGH gegründet. Es war buchstäblich die Geburtsstunde und der Beginn der Existenz des modernen Hochdahls.
Prominente Gäste, Schampus und moderne Digitaltechnik
Zu der intimen Feier im kleinen Kreis hatten sich unter anderem Dr. Winfried Steiling, Gottfried und Herbert Bander sowie die Grafikerin Sonja Menke eingefunden, die für die stilvolle Gestaltung der Erinnerungstafel verantwortlich zeichnet.
Besonders gelungen: Die Gedenktafel schlägt eine geschickte Brücke ins digitale Zeitalter. Sie ist mit einem smarten QR-Code ausgestattet. Wer als Tourist, Geschichtsinteressierter oder Spaziergänger sein Smartphone zückt, kann direkt vor Ort eine Audiodatei mit spannenden Hintergrundinfos abspielen oder sich per Link in das Archiv des Bergischen Geschichtsvereins (BGV) vertiefen.
Nach einer fundierten Ansprache von Dr. Winfried Steiling, der in das historische Hochdahl eintauchte, sowie den passenden Grußworten von Erkraths stellvertretender Bürgermeisterin Annette Kirchhoff gab es ein wohlverdientes Gläschen Schampus – und jede Menge engagierte Fachsimpelei unter Experten.
Wer die städtebauliche Tragweite der EGH verstehen will, muss den Blick zurückwerfen: Die Entwicklungsgesellschaft wurde einst ins Leben gerufen, um eine moderne Entlastungsstadt für die wachsende Landeshauptstadt Düsseldorf zu konzipieren. Was folgte, entwickelte sich zu einem der größten städtebaulichen Projekte im gesamten Bundesland Nordrhein-Westfalen.
Unter dem Namen „Neue Stadt Hochdahl“ entstand eine durchdachte Planstadt. Durch den Aufkauf von Grund und Boden durch die EGH sowie den gezielten Rückbau alter Strukturen wuchs in den folgenden vier Jahrzehnten ein komplett neuer Stadtteil heran.
Der städtebauliche Masterplan: Stadtplaner Professor Aloys Machtemes lieferte die erste Konzeption. In den 1960er Jahren passte das renommierte Büro Kuhn, Boskamp und Partner die Entwürfe an die sich verändernden Rahmenbedingungen an.
Die Infrastruktur: Geplant war eine bevölkerungsfreundliche Infrastruktur mit Märkten, Schulen und hervorragender Verkehrsanbindung und sogar einem Krankenhaus für bis zu 50.000 Einwohner.
Wohnungsbau im Wandel: Ursprünglich sollte das Verhältnis von Einfamilienhäusern zu mehrgeschossigen Wohnhäusern 1:1 betragen. Doch der enorme Druck der Bauwirtschaft und die riesige Nachfrage junger Familien nach bezahlbarem Wohnraum schoben den Anteil der Mehrfamilienhäuser schließlich auf rund 80 Prozent.
Kampf gegen Eingemeindung
Historisch hochbrisant war auch die kommunale Neugliederung in den 1970er Jahren. Die alten Amtsverwaltungen wurden aufgelöst, viele Gemeinden verloren schlagartig ihre Selbstständigkeit. Durch § 19 des sogenannten Düsseldorf-Gesetzes wurden Hochdahl und Erkrath – zusammen mit kleineren Teilen von Hilden und Haan – mit Wirkung zum 1. Januar 1975 zur heutigen Stadt Erkrath zusammengeschlossen.
Düsseldorf schielte damals mit gierigen Blicken auf die jungen Gemeinden und wollte sowohl Hochdahl als auch Erkrath kurzerhand in die Landeshauptstadt eingemeinden. Doch die Bürger und Kommunalpolitiker wehrten sich vehement gegen die Düsseldorfer Schluckauf-Pläne!
In einem echten parlamentarischen Krimi entschied der Düsseldorfer Landtag mit einer hauchdünnen Mehrheit von nur zwei Stimmen für die Selbstständigkeit Erkraths. Durch den Zuwachs der damals 19.104 Hochdahler Bürger wuchs die neu geformte Stadt Erkrath schlagartig auf 36.283 Einwohner an.
Würdevoller Akt der Heimatpflege
Die EGH hat bis zu ihrer offiziellen Auflösung am 31. Dezember 1998 extrem viel Gutes für die Region bewirkt und das Gesicht unserer Heimat nachhaltig geprägt. Auch wenn man noch stundenlang in den Anekdoten und Akten der Hochdahler Stadtentwicklung stöbern könnte (ein Blick in die Archive oder das Internet lohnt sich für Geschichtsfreunde allemal): Die Anbringung der neuen Erinnerungsplakette am Franziskus-Haus war ein rundum gelungener, stilvoller und wichtiger Akt, um das Erbe und die Entstehungsgeschichte von Hochdahl lebendig zu halten.