Tradition, Leidenschaft und ein „Goldenes Händchen“
Dass der Auftakt so ein Erfolg wurde, ist verlässlicher Vorarbeit zu verdanken: Hier hat der „Godfather of Blues und Jazz“, Dr. Helmut Stein, wieder einmal hervorragende Arbeit geleistet. Ganz nach dem Motto „Nach dem Konzert ist vor dem Konzert“ hielt Stein bereits nach den letzten Klängen des Vorjahres wieder Ausschau nach den passenden Künstlern für 2026. In enger Zusammenarbeit mit den engagierten Mitarbeitern des Erkrather Kulturamts gelang ihm so ein überzeugendes Programm.
In seiner Begrüßungsrede erinnerte Bürgermeister Christoph Schultz an die Gründung des Erkrather Jazzsommers im Jahr 1998 durch den damaligen Jugendmusikschulleiter Jacky Müller († 2019) und Landrat Thomas Hendele. Seit 2020 liegt das Gelingen der Reihe in den Händen von Dr. Helmut Stein, der – so Schultz – alles vergoldet, was er anfasst. (Bilder)
Larry „Doc“ Watkins im Lokschuppen
Der Bürgermeister gab dabei sympathische Einblicke in Steins musikalischen Lebenslauf: In Amerika würde man sagen „vom Tellerwäscher zum Millionär“ – bei Stein war es der Weg vom Waschbrettspieler zum Schlagzeuger. Seine Leidenschaft entflammte mit dem Kauf seiner ersten Jazzplatte im Alter von 13 Jahren; in den 60er- und 70er-Jahren tourte er mit einer Band durch Deutschland und Frankreich. Von 1994 bis 2016 war er Erkrather Bürger, ehe es ihn nach Hilden zog, wo er die Konzertreihe „QQJazz“ gründete. Mit seinem enormen Erfahrungsschatz erweiterte Stein das Spektrum des Erkrather Jazzsommers gekonnt um Swing, Blues, Boogie und Rock’n’Roll.
Starke Partner und ein einzigartiges Ambiente
Dass der Jazzsommer Jahr für Jahr auf so hohem Niveau stattfinden kann, ist einem starken Netzwerk zu verdanken: Organisiert von der städtischen Abteilung Kultur und Sport, wird die Reihe seit jeher von der Stiftung der Kreissparkasse Düsseldorf sowie seit 2016 durch den Förderverein neanderland Kultur e.V. und seit 2021 durch die Reinhold-Pose-Stiftung unterstützt.
Für den unverwechselbaren Charme der Spielstätte sorgt Kultur-Urgestein Gottfried Bander, der den Lokschuppen zur Verfügung stellt, während die Familie Hopmann vom Restaurant Olive die Gäste in der Gartenküche kulinarisch verwöhnt.
Purer Blues mit Wurzelstock und Seele
Musikalisch startete die Reihe traditionell mit feinstem Blues: Larry Doc Watkins & The Bluescats versetzten den Lokschuppen in Ekstase. Die herausragende Band-Besetzung mit Jens Filser (Gitarre), Till Brandt (Bass) und Mickey Neher (Schlagzeug) legte ein mitreißendes Fundament, ehe der Hauptdarsteller die Bühne betrat.
Mit Hut, Sonnenbrille, unnachahmlicher Coolness und seinem charakteristischen Wurzelstock, der rhythmisch mitarbeitete, kam singend hinter einem Vorhang Larry Doc Watkins die Treppe in die Halle runter. Spätestens bei seinem gewaltigen Einstieg mit Muddy Waters’ Klassiker „Hoochie Coochie Man“ war der Funke endgültig übergesprungen.
Von „The Thrill Is Gone“ über „Sitting at the Dock of the Bay“ bis hin zu „Johnny B. Goode“ lieferten die Musiker ein dreiteiliges Set ab, das unter die Haut ging. Im Publikum gab es kein Halten mehr: Es wurde geklatscht und gefeiert – ein wahrer musikalischer Tsunami rollte durch den Lokschuppen, ehe das Publikum die Künstler beschwingt in den Sonntagnachmittag entließ.
Ausblick: Das geht furios weiter!
Wer diesen Auftakt erlebt hat – oder ihn verpasst hat –, sollte sich die nächsten beiden Termine im Terminkalender rot anstreichen.
Freitag, 14. August 2026, ab 19 Uhr: The Silverettes
Das Power-Trio (Honey, Jane, Ira) beweist gemeinsam mit Pomez di Lorenzo an der E-Gitarre, dass Rockabilly längst keine Männerdomäne mehr ist. Mit unbändiger Energie, Retro-Look, dreistimmigem Gesang und einem Mix aus Klassikern sowie Eigenkompositionen versprechen die Musikerinnen eine mitreißende Show voller Rock-’n’-Roll-Spirit.
Sonntag, 16. August 2026, ab 11 Uhr (Finalsonntag): Dusty Lane Jazzband
Zum Abschluss erobert die älteste Jazzformation des Ruhrgebiets (gegründet 1960 in Essen) die Bühne. Die siebenköpfige Band begeistert mit authentischem Dixieland im Chicago-Stil und dem unverwechselbaren Sound, der seit Jahrzehnten die Jazzfans an Rhein und Ruhr mitreißt.