Dauerfeuer aus Musik und Bewegung
Was die Besucherinnen Besucher erlebten, war keine normale Jazzsommer-Soirée, sondern Musik und Bewegung im absoluten Dauerzustand. Das Publikum stand vom ersten Akkord an unter Strom, war ständig in Bewegung und geriet in einen mitreißenden Dauerklatschzustand. Kein Wunder: „The Silverettes“ rockten die Lokschuppenbühne mit so viel Energie, dass die Zuhörerinnen und Zuhörer hart daran arbeiten mussten, um konditionell überhaupt mitzuhalten.
Die Besetzung an diesem unvergesslichen Abend war schlichtweg geballter Powerfrauen-Chic: Honey (Schlagzeug, Vocals), Jane (Kontrabass, E-Bass, Saxophon, Vocals). Ira (Akustik-Gitarre, E-Gitarre, Ukulele, Akkordeon, Vocals). Tatkräftig unterstützt vom fantastischen Gitarristen Pomez di Lorenzo an der E-Gitarre. (Bilder)
„The Silverettes“ beim Jazzsommer 2026
Das Ergebnis? Musik vom Feinsten, bei der authentischer Retro-Chic auf kompromisslosen Rock’n’Roll kollidierte. „Ich bin völlig aus der Puste, aber das ist das beste Konzert seit Jahren!“, lachte Tanja (48) aus Erkrath, während sie sich kurz am Bar-Tresen eine Abkühlung holte. „Diese Frauen haben eine Ausstrahlung, da kann man einfach nicht stillstehen.“
Was hat Rock’n’Roll eigentlich beim Jazzsommer zu suchen?
Manch traditioneller Jazz-Fan mag sich im Vorfeld gefragt haben, wie Rock’n’Roll in das Programm passt. Doch historisch gesehen könnten die beiden Genres kaum enger miteinander verwandt sein: Der Rock ’n’Roll ist in den 1950er-Jahren direkt aus dem schnellen, tanzbaren Jump Blues und dem klassischen Rhythm & Blues hervorgegangen – zwei Ur-Formen des Jazz! Ohne die treibenden Walking-Bässe, die mitreißenden Bläser-Riffs und den Swing des Jazz hätte es den Rock’n’Roll schlichtweg nie gegeben. Beim Jazzsommer passte diese explosive Mischung deshalb ganz wie von selbst ins Konzept.
Von Peter Kraus bis Marilyn Manson
Das Set bot eine explosive Mischung aus klassischem Rockabilly, modernem Rock’n’Roll und einer feinen Prise Pop. Neben bärenstarken Eigenkompositionen wie „Singing With The King“, „Undercover Lover“ oder „Risky Business“ bewiesen die Musikerinnen ein Händchen für geniale Cover-Interpretationen: Ob ein modifiziertes „Going Up the Country“ (Canned Heat), Peter Kraus’ „Doll, Doll, Dolly“, das durch Marilyn Manson bekannt gewordene „Sweet Dreams“ oder das französische Punk-Statement „Ça Plane Pour Moi „von Plastic Bertrand – bei vielen Zuhörern wurden Erinnerungen wach und ein Deja-vu-Erlebnis jagte das nächste.
Petticoats und eine Tanzfläche auf Betriebstemperatur
Hier passte einfach alles wie die Faust aufs Auge: Sound, die mitreißenden Vocals, das energische Spiel und eine Bühnenpräsenz, die ihresgleichen sucht. Auch optisch war der Abend ein Schmaus. Viele Gäste – darunter sogar eine eigens angereiste Tanzgruppe aus Düsseldorf – erschienen im stilechten 50er- und 60er-Jahre-Outfit. Die Veranstalter hatten vorausschauend gearbeitet und direkt vor der Bühne eine Tanzfläche freigehalten, die den ganzen Abend über intensiv genutzt wurde.
Dass Rockabilly längst keine reine Männersache mehr und vor allem alles andere als nostalgischer Staub ist, bewiesen die „Silverettes“ eindrucksvoll. Mit ehrlicher, handgemachter Musik (frei nach Reinhard Mey) hauchten sie dem Lokschuppen ein ganz neues Leben ein.
Der Erziehungsauftrag der „Silverettes“
Auch humoristisch blieb kein Auge trocken: Die Band animierte ihr Publikum unermüdlich zum Mitmachen. Einem herrlich perplexen Zuschauer aus den vorderen Reihen wurde dabei unmissverständlich klar gemacht, wofür der liebe Gott ihm die Hände gegeben hat – nämlich zum Klatschen!
„Aus lauter Angst, noch einmal von den Ladies auf der Bühne zusammengepfiffen zu werden, traue ich mich gar nicht mehr aufzuhören“, scherzte der Angesprochene, Dirk (52), nach der Show mit einem Augenzwinkern. „Die Silverettes haben hier definitiv auch einen pädagogischen Erziehungsauftrag erfüllt!“
Fazit: Veranstalter Helmut Stein wollte diesmal mit der Buchung der „Silverettes“ einen neuen, mutigen Weg beim Jazzsommer beschreiten. Dieser Mut wurde mehr als belohnt: Besser, mitreißender und fröhlicher kann musikalische Unterhaltung schlichtweg nicht stattfinden!