Mehr als 12.000 Besucherinnen Besucher waren inzwischen zu Gast. Seit der Eröffnung der Galeria im März 2024 hat sich diese als Kunstort etabliert und diesen Status schon vielfach eindrücklich unter Beweis gestellt. Auch für die Vernissage am vergangenen Freitag hatte sich die Künstlervereinigung aus Erkrath wieder einiges überlegt.
„Schön, dass sie diesen besonderen Abend heute mit uns verbringen“, begrüßte Kniep um 17 Uhr die Gäste, „bei diesem Wahnsinns-Wetter verstehe ich jeden, der nicht das Haus verlässt.“ In seiner Ansprache stellte er nicht nur alle Kunstschaffenden der aktuellen Ausstellung vor, sondern ließ zudem gemeinsam mit den Gästen noch einmal die vergangenen zwei Jahre Revue passieren, die die Erkrather Künstler die Fußgängerzone in Alt Erkrath bereits mit ihrer Kunst bereichern. (Bilder)
Vernissage „aftersun“ in Galerie „Kiek ma rin“
So habe sich die Galerie zum lebendigen Treffpunkt für Kunst und Kultur entwickelt, der Kunst ohne Eintritt und Berührungsängste bietet. Zahlreiche Führungen für Kindergärten, Schulen und Senioreneinrichtungen haben, so hofft Kniep, auch Mut gemacht selbst kreativ zu werden.
Kreativität, bei der während der Vernissage live zugesehen werden konnte, präsentierte Marianna Soronevych. Die Künstlerin aus der Ukraine präsentierte Bodypainting, speziell Bellyart. Das kunstvolle Bemalen von Babybäuchen konnten die Besucher der Vernissage live erleben. „Kunst entsteht dabei direkt vor unseren Augen“, versprach Kniep.
Dies blieb jedoch nicht die einzige Live-Performance, die an diesem Abend in der Galerie die Gäste verzauberte: Leoni Bruhn und Hannah Rente von der Jugendmusikschule Erkrath spielten klassische Stücke auf der Querflöte und der Klarinette und trugen so zu einem ganz besonderen Ambiente bei.
„Wir haben viele engagierte Schülerinnen und Schüler, doch wegen der Sommerferien mussten viele absagen. Umso mehr freue ich mich, dass Leoni und Hannah die Zeit hatten“, freute sich Davit Sarukhanyan (Leiter der Jugendmusikschule Erkrath) und hob das Talent der beiden noch einmal besonders hervor. Seit über zehn Jahren spielt Hannah Rente bereits Saxophon, und auch Leoni Bruhn spielt seit vielen Jahren Querflöte.
Doch nicht nur mit Live-Kunst konnte die Vernissage begeistern. Teils ging die Kunst auch zurück bis ins 17. Jahrhundert. Kerstin Daras kam beruflich als Antiquarin immer wieder mit Büchern in Kontakt, die niemand mehr haben wollte. „Jetzt transformiere ich sie“, erklärte sie ihre Arbeit. Dabei entstand ihre Arbeit schon fast aus der Verzweiflung heraus, viele Bücher einfach so wegschmeißen zu müssen, verriet sie.
Doch 2012 begann die Künstlerin, dem Papier ein weiteres Leben einzuhauchen. Durch ihren Hintergrund als Dozentin am ASG-Bildungsforum im Bereich der Druckgrafik hat sie schon immer gerne mit Papier gearbeitet. So entwickelten sich dann erste Buchobjekte, Vasen und mittlerweile spannende Kompositionen aus unterschiedlichen Papieren, vom Stadtplan bis hin zum Buch aus dem 17. Jahrhundert, von dem nur noch wenige Seiten existieren. „Das ist etwas, das man sein ganzes Leben lang entwickelt“, verriet sie.
Die Werke, die sie nun präsentiert, sind spannende Collagen aus unterschiedlichen Papieren. „Durch das Zerschneiden, Zerreißen und Neuarrangieren der Buchseiten entstehen Werke, die zum Neuentdecken der feinen Details und vielschichtigen Oberflächen einladen“, so Kniep.
Auch Lucia Meurer erweckt in einem ihrer Werke altes zu neuem Leben. „Harald G war Gestern“ ist der Titel, für den die Künstlerin sich entschied. Das Werk zeigt dabei im für sie bekannten Stil mit Rost eine Lederjacke eines Designers. „Ich habe mir die Jacke vor 20 Jahren gekauft, als ich sie mir eigentlich gar nicht leisten konnte.“ Getragen wurde sie dann jedoch fast nie. Zu steif hing sie viele Jahre im Schrank, bevor sich Lucia Meurer entschied: Hier soll sie nicht bleiben! Und so sagte sie sich: „Dann machst du sie halt auf deine Art.“
Ein besonderes Highlight der Vernissage war zudem die Kunst des namhaften niederländischen Künstlers Simon Woudwijk. Der Künstler aus Rijen verstehe Kunst als Ausdruck von Bewegung. Inspiriert vom Gedanken „alles fließt“, entwickle er seit Jahren das Motiv des Rades als Symbol für den unaufhörlichen Wandel, erklärt Kniep. In mehr als 200 Ausstellungen in namhaften Galerien und Museen in den Niederlanden waren seine Werke bereits zu sehen. Der Kontakt nach Erkrath war auf einer gemeinsamen Ausstellung zustande gekommen –-und der Künstler habe seine Beteiligung an der aktuellen Vernissage sofort zugesagt.
Wie immer bietet die Galerie eine ausgesprochen große Vielfalt an Kunst, wofür sie auch bei ihren regelmäßigen Besucherinne und Besuchern so sehr geschätzt wird. Ein Besuch der Galerie auf über 500 Quadratmetern, um sich ein eigenes Bild zu machen und die Vielfältigkeit in seiner Gesamtheit zu genießen, ist immer freitags und samstags zwischen 11 und 15 Uhr sowie nach Absprache möglich.