„Dusty Lane Jazz Band“ in Erkrath Die grandiose Heimkehr der Jazz-Legenden

Hochdahl · Dreierpack vollendet, Jazz-Herz erfreut! Nach dem musikalischen Tsunami mit „Larry Doc Watkins & Bluescats“ und dem fulminanten Raketenstart der „Silverettes“ stand am vergangenen Sonntag das große Finale des Erkrather Jazzsommers auf dem Programm.

Sie boten allerbeste Unterhaltung.

Foto: Timo Kremerius

Und für diesen krönenden Abschluss holten Veranstalter Dr. Helmut Stein und das Kulturamt eine wahre Institution zurück auf die Bühne: Die „Dusty Lane Jazz Band“ (DLJB) feierte ihr lang ersehntes Comeback im historischen Lokschuppen.

Schon unter dem unvergessenen Jacky Müller, dem Erfinder und Gründer des Erkrather Jazzsommers, hatte die Formation die Massen begeistert. Seitdem Dr. Stein das Ruder übernommen hat, war die Band jedoch Jahre nicht mehr vor Ort gewesen. Umso größer war die Vorfreude – und umso eindrucksvoller die Heimkehr!

Ein ausverkauftes Haus und der Zauber einer tiefen Stimme

Entgegen so mancher Befürchtung im Vorfeld zeigte sich schnell: Die Erkrather Jazz-Gemeinde hat nichts vergessen. Der Lokschuppen war bis auf den letzten Platz ausverkauft! Wer sich einen Platz ergattern konnte, wurde mit bodenständiger, hochenergetischer Tradition verzaubert: Swing, Blues und lupenreiner Dixieland im feinsten Chicago-Style standen auf der Speisekarte. (Bilder)

Bilder: „Dusty Lane Jazz Band“ im Lokschuppen Erkrath
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„Dusty Lane Jazz Band“ im Lokschuppen

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Foto: Timo Kremerius

Eine ganz besondere Geheimwaffe der Band stach dabei sofort ins Auge – beziehungsweise ins Ohr: Sängerin Barbara Schirdewahn-Debring. Sie fiel durch eine unglaublich warme, dunkle, fast dreckig-rauchige Stimme auf, die wie gemacht war für die rauen Blues- und Swing-Klassiker. Sobald sie ans Mikrofon trat, lag ein Hauch von New-Orleans-Magie in der Luft. Allerdings gab es auch einen kleinen Wermutstropfen. Lieder, die von Ihr in einer sehr hohen Stimme gesungen wurden, waren für das Ohr doch ein wenig grenzwertig und auch teilweise belastend. Nichtsdestotrotz war das Gesamtkunstwerk überzeugend.

„Diese Stimme geht direkt unter die Haut!“, schwärmte Stammgast Kalle (64) in der ersten Pause mit einem kühlen Getränk in der Hand. „Ich habe die Band damals schon bei Jacky Müller gesehen, aber die Sängerin setzt dem Ganzen heute wirklich die Krone auf. Das ist stimmliche Gänsehaut pur!“

Der eigene „Dusty-Lane-Sound“

Dass die Dusty Lane Jazz Band ihr Handwerk versteht, ist kein Zufall. Gegründet bereits 1960 in Essen, gehört sie zu den dienstältesten Jazzformationen des gesamten Ruhrgebiets. Durch regelmäßige Auftritte in den angesagtesten Jazz-Clubs an Rhein und Ruhr erarbeitete sich die Truppe schnell Kultstatus. Großen Anteil daran hatte Pianist und Arrangeur Hans Peter, der ab 1965 den unverwechselbaren „Dusty-Lane-Sound“ prägte. Konzerte in Belgien, Italien, den Niederlanden und Finnland folgten.

Am Sonntag trat die Band in folgender hochkarätiger Besetzung an: Barbara Schirdewahn-Debring (Gesang – seit 2022) / Gerd Debring (Trompete – seit 2023) / Erich Leininger (Saxophon, Klarinette – seit 2023) / Jürgen Schlitt (Posaune – Urgestein seit 1966!) / Peter Mischke (Piano – seit 2012) / Michael Thomas (Kontrabass – seit 2024) / Achim Bräuer (Schlagzeug – seit 2022)

Das raffinierte Erfolgsgeheimnis der Soli

Für Zuhörer, die im Dixieland nicht ganz so tief bewandert waren, offenbarte sich rasch die typische Struktur dieser zeitlosen Musik: Zu Beginn eines jeden Stücks spielt die gesamte Mannschaft zusammen auf, ehe sich das Ensemble auflöst und jeder Musiker ein virtuoses Einzelsolo abliefert.

Dr. Helmut Stein erklärte augenzwinkernd das Markenzeichen dieser Musikrichtung – und das ist eigentlich extrem clever: Durch die Einzelsoli kassiert jeder Musiker neben dem großen Schlussapplaus für den Song noch seinen ganz persönlichen Extra-Applaus zwischendurch!

Ein Konzept, das auch musikalisch auf ganzer Linie aufging. Gedoppelt von viel Charme und Augenzwinkern führte die Band durch drei vollgepackte Sets. Im ersten Set dominierten dabei überraschenderweise Songs, die das Wort „Babe“ oder „Baby“ im Titel trugen – was angesichts des eher reiferen Altersdurchschnitts im Publikum für Schmunzeln sorgte.

Ein dickes Lob an das Kulturamt – und ein kleiner Wehmutstropfen

Dass der Jazzsommer 2026 so reibungslos, friedlich und musikalisch hochkarätig über die Bühne gehen konnte, ist nicht zuletzt dem Kulturamt der Stadt Erkrath zu verdanken. Die Damen und Herren hinter den Kulissen haben exzellente Arbeit geleistet, um den Besuchern an allen drei Tagen ein rundum perfektes Erlebnis zu bieten. Sound, Technik, Organisation und Service griffen wie Zahnräder ineinander.

„Man muss dem Kulturamt und Dr. Stein wirklich ein riesiges Kompliment machen“, betonte Festbesucherin Renate (58). „Alles lief wie am Schnürchen. Es ist einfach schön zu sehen, wie viel Herzblut hier reingesteckt wird, damit wir in Erkrath solche Kultur-Highlights erleben dürfen.“

Einen kleinen Wermutstropfen gab es beim Blick durch die Stuhlreihen allerdings: Das junge Publikum war spärlich gesät, der Altersdurchschnitt lag im sehr reifen Bereich. Hier bleibt für die Zukunft die Herausforderung bestehen, auch die jüngere Generation für das Phänomen Live-Jazz zu begeistern.

Ein eisernes Geheimnis für 2027

Für Veranstalter Dr. Helmut Stein gilt nach dem Konzert wie immer: Nach dem Konzert ist vor dem Konzert! Auf die kommende Saison angesprochen, ließ der Macher durchblicken: „Ich habe die Konzerte für nächstes Jahr jetzt schon alle in trockenen Tüchern. Ausschlaggebend sind natürlich immer auch die Kosten, die für die Bands entstehen.“

Wer Dr. Stein kennt, weiß: Der Mann wirtschaftet grundsolide. Seit er die Reihe organisiert, hat er noch nie in den roten Zahlen gelegen und bringt den Jazzsommer stets kostendeckend über die Runden. Doch trotz aller hartnäckigen Bohrer und Nachfragen blieb er standhaft wie ein Fels: Die Namen der Bands für die Saison 2027 ließ er sich beim besten Willen nicht entlocken.

Das nennt man wohl professionelle Geheimhaltung – und perfekte Vorfreude-Schürung! Der Erkrather Jazzsommer 2026 verabschiedet sich mit einem lautstarken „What a wonderful world“ und hinterlässt ein rundum glückliches Publikum.