Dennoch sind wir der Überzeugung, dass die Stadt eine ehrliche und verantwortungsvolle Debatte über die Zukunft des Bürgerhauses führen muss“, sagt Pascal Hengstermann (CDU/Mitglied des Rates der Stadt Erkrath).
Es geht um das Gebäude – nicht um die Einrichtungen
„Zunächst möchten wir klarstellen: Zur Diskussion steht ausschließlich das Gebäude des Bürgerhauses. Die dort ansässigen Einrichtungen – das Planetarium, das TSV Kinder- und
Jugendzentrum, die Volkshochschule, die Begegnungsstätte AWO-Treff sowie die Stadtbücherei – leisten wertvolle und unverzichtbare Arbeit für unsere Stadtgesellschaft. Diese Angebote sollen auch künftig erhalten bleiben“, so Hengstermann weiter. „Deshalb müssen rechtzeitig alternative Standorte im Stadtgebiet gefunden werden, damit ihre Arbeit nahtlos fortgesetzt werden kann.“
Eine Schließung ist erst für 2031 vorgesehen
Entgegen mancher Darstellung geht es laut CDU Erkrath nicht um eine kurzfristige Schließung oder einen sofortigen Abriss des Bürgerhauses. Im Haushaltssicherungskonzept ist eine Aufgabe des Gebäudes frühestens ab dem Jahr 2031 vorgesehen. Damit bleiben noch rund fünf Jahre Zeit, um tragfähige Lösungen für die im Bürgerhaus ansässigen Einrichtungen zu entwickeln und umzusetzen.
Jährlich 477.000 Euro Betriebskosten
„Das Bürgerhaus verursacht Jahr für Jahr erhebliche Kosten. Allein für Energie, Bewirtschaftung und Bauunterhalt fallen rund 477.000 Euro jährlich an. Angesichts der finanziellen Situation der Stadt Erkrath müssen wir kritisch hinterfragen, ob diese Ausgaben dauerhaft noch vertretbar sind. Aus unserer Sicht stehen die laufenden Kosten in keinem angemessenen Verhältnis zum Zustand und zur Zukunftsfähigkeit des Gebäudes.“
Warum eine Sanierung keine wirtschaftliche Lösung ist
Das Bürgerhaus wurde 1980 eröffnet und wäre im Jahr 2031 bereits über 50 Jahre alt. Die notwendigen Sanierungskosten werden auf mehr als 18 Millionen Euro geschätzt. „Gleichzeitig würde eine umfassende Modernisierung die Lebensdauer des Gebäudes nur begrenzt verlängern. Die energetische Bilanz ist äußerst schlecht: Die Gebäudehülle verliert an vielen Stellen Wärme, zudem müssten Lüftungsanlage, technische Infrastruktur, Elektrik und Brandschutz grundlegend erneuert werden. Bereits heute sind umfangreiche Maßnahmen erforderlich, um den Betrieb überhaupt aufrechterhalten zu können. Nach der Nutzung als Notunterkunft werden derzeit dringend notwendige
Sanierungen an Versammlungshalle, Gaststätte, Sanitäranlagen und Lüftungstechnik umgesetzt. Allein diese Maßnahmen kosten rund 1,5 Millionen Euro. Vor diesem Hintergrund halten wir eine
Vollsanierung nicht für wirtschaftlich vertretbar“, sagt Pascal Hengstermann.
Warum Fördermittel keine Lösung waren
Immer wieder wird die Frage gestellt, ob Fördermittel für eine Sanierung hätten genutzt werden können. „Tatsächlich wurde bereits 2018 ein Antrag im Rahmen des Förderprogramms ‚Kommunaler Klimaschutz.NRW‘ gestellt. Dieser Antrag wurde jedoch nicht bewilligt. Ein weiterer Anlauf erfolgte 2021. Zwar wurde der Entwurf damals grundsätzlich als förderfähig eingestuft, doch die anschließenden Detailplanungen zeigten, dass die notwendigen Maßnahmen deutlich umfangreicher und teurer ausfallen würden als zunächst angenommen. Zudem hätte der vorgegebene Zeitrahmen zur Umsetzung der Förderbedingungen bis März 2023 nicht eingehalten werden können.“
Bereits damals wurden die Sanierungskosten auf rund 14 Millionen Euro geschätzt. Die in Aussicht gestellten Fördermittel hätten lediglich einen Teil dieser Summe abgedeckt. Angesichts der angespannten Haushaltslage und fehlender personeller Kapazitäten wurde das Projekt daher nicht weiterverfolgt.
Erkrath braucht auch künftig einen zentralen Veranstaltungsort
Für die CDU-Fraktion steht außer Frage: Erkrath braucht auch in Zukunft Orte der Begegnung und Räume für Kultur, Vereine und Veranstaltungen. Dabei sollten jedoch alle städtischen
Veranstaltungsstätten gemeinsam betrachtet werden. Ein ähnlicher Weg wurde bereits bei der Schwimmbadinfrastruktur beschritten. Früher verfügte Erkrath über zwei Schwimmbäder. Aus wirtschaftlichen Gründen wurde mit dem Neanderbad ein zentraler Standort geschaffen, der heute breite Akzeptanz genießt. „Perspektivisch halten wir deshalb auch bei den Veranstaltungsstätten eine Gesamtbetrachtung für sinnvoll. Derzeit kann die Stadthalle in Alt-Erkrath die Funktion einer zentralen Versammlungshalle erfüllen. Allerdings ist auch sie inzwischen über 50 Jahre alt und wird langfristig ersetzt werden müssen. Für uns ist klar: Sollte eines Tages ein Neubau erforderlich werden, gehört eine moderne Veranstaltungshalle in den größten Stadtteil Hochdahl. Dort könnten künftig Theateraufführungen, Konzerte, Comedy-Veranstaltungen, Vereinsversammlungen und viele weitere Formate stattfinden. Bis dahin stehen nach einer möglichen Schließung des Bürgerhauses verschiedene Alternativen zur Verfügung, darunter die Stadthalle, die neue Aula am Schulzentrum Rankestraße sowie die neue Mehrzweckhalle am Campus Sandheide. Wichtig ist dabei: Für eine neue Veranstaltungshalle gibt es derzeit weder konkrete Planungen noch politische Beschlüsse.“
Die Debatte um das Bürgerhaus wird verständlicherweise emotional geführt. Das Gebäude ist für viele Menschen Teil der Geschichte Hochdahls und Erkraths. „Als CDU-Fraktion tragen wir jedoch Verantwortung für die langfristige Entwicklung unserer Stadt und für einen nachhaltigen Umgang mit öffentlichen Mitteln. Nach sorgfältiger Abwägung aller Fakten sind wir überzeugt, dass das Bürgerhaus in seiner heutigen Form keine wirtschaftlich tragfähige Zukunft hat. Unser Ziel ist es deshalb, frühzeitig neue und bessere Perspektiven für die betroffenen Einrichtungen sowie für das kulturelle und gesellschaftliche Leben in Erkrath zu entwickeln. Dafür setzen wir von der CDU uns ein“, so Pascal Hengstermann abschließend.