In den großen Karnevalsstädten lebt der Kneipenkarneval von Nähe und Begegnung. Kleine Bühnen, überschaubare Räume, Gespräche zwischen zwei Programmpunkten. In Erkrath war das lange Zeit kaum möglich, weil der passende Ort fehlte. Das hat sich mit dem Brauhaus zum Goldenen Handwerk geändert. Ein Haus, das mehr ist als eine Gaststätte – ein Treffpunkt.
„Warum sollte das, was anderswo funktioniert, nicht auch bei uns klappen?“, sagt Andre Kowalczyk, Vorsitzender der Gesellschaft. Für ihn ist die Brauhaussitzung kein zusätzlicher Termin, sondern eine bewusste Ergänzung. Präsident Udo Wolfram erinnert daran, dass Kneipenkarneval in Erkrath früher durchaus Tradition hatte. Mit dem Verschwinden alter Gaststätten ging auch ein Stück Begegnung verloren. „Jetzt holen wir dieses Gefühl zurück. Überschaubar, persönlich und mitten im Leben.“ Gemeinsam mit Brauhausbetreiber Andre Segin wurde der Gastraum so geplant, dass niemand außen vor bleibt. Bewegliches Mobiliar macht es möglich, die Bühne zentral zu platzieren. Wer kommt, sitzt nicht am Rand, sondern ist Teil des Abends. Genau das macht den Reiz aus – gerade für Menschen, die nicht allein feiern wollen, sondern Gesellschaft suchen.
Die erste Brauhaussitzung findet am 17. Januar statt. An diesem Tag ist das Brauhaus ausschließlich für Gäste der Sitzung geöffnet. Einlass ist ab 16 Uhr, das Programm beginnt um 17 Uhr. Karten kosten 22,22 Euro und sind online, direkt im Brauhaus, bei Lotto Richter auf der Bahnstraße oder telefonisch über die Gesellschaft erhältlich. Zum Konzept gehört selbstverständlich mehr als Bier. Neben frisch gezapften Spezialitäten stehen auch alkoholfreie Getränke bereit. Niemand muss trinken, um dazuzugehören. Kleine Häppchen, gemütliche Tische und die Möglichkeit, auch einfach zuzuhören oder ins Gespräch zu kommen, machen den Abend für alle Generationen attraktiv. Gerade darin liegt ein stiller, aber wichtiger Gedanke: Solche Abende bringen Menschen zusammen – egal ob jung oder alt, allein oder in Begleitung.
Für Bühne und Ton sorgt Rhein-Live-TV. Wie Oliver Weichert, zweiter Vorsitzender der Gesellschaft, erklärt, ist daraus eine langfristige Partnerschaft entstanden. Ein verlässlicher Rahmen ist wichtig für Veranstaltungen, die Nähe schaffen sollen. Auf der Bühne wechseln sich Musik, Tanz und Wortbeiträge ab. Mit dabei sind unter anderem die Swinging Funfares, die Jollies, Hahnenschrei, Oli der Köbes, John Doyle, Dä Jung us em Levve und das Düssel-Duett. Auch die Hoppeditze Sven und Raya sowie die Hoppedötze gehören zum Programm. Aus den eigenen Reihen bringen sich das Jugendkomitee und das Erkrather Kinderprinzenpaar ein. In den Pausen sorgt DJ Thorsten Classe für die passende Musik.
Es ist kein durchgetaktetes Großevent, sondern ein Abend, bei dem man sich begegnet, zuhört, lacht – und vielleicht jemanden kennenlernt, den man sonst nie getroffen hätte. Mit der Brauhaussitzung startet die Große Erkrather KG in die Session 2026. Am 31. Januar folgt der Bunte Abend, kurz darauf der Kinderkarneval. Am 7. Februar zieht der Karnevalszug durch Erkrath, anschließend geht es zur After-Zoch-Party in die Stadthalle. Am 12. Februar lädt die Gesellschaft zur „Närrischen Markthalle“ am Bavierplatz ein – bei freiem Eintritt.
Gerade für diese Veranstaltung ist Unterstützung gefragt. Das Bühnenprogramm der Närrischen Markthalle finanziert sich ausschließlich über Getränkeverkauf und Sponsoren. Wer sich hier engagiert, ermöglicht Karneval für alle und hilft, ein offenes Angebot für die ganze Stadt aufrechtzuerhalten. Werbeflächen an der Bühne und auf Bildschirmen bieten lokale Sichtbarkeit – und sichern ein Programm, das ohne Eintritt auskommt.
Es folgen die Umzüge in Unterbach und Düsseldorf, bevor am Aschermittwoch traditionell die Hoppeditze beerdigt werden. Schon jetzt richtet sich der Blick auf ein besonderes Jahr. 2027 feiert die Große Erkrather KG ihr 3×11-jähriges Bestehen. Gegründet wurde der Verein 1994 in einem Brauereiausschank auf der Bahnstraße – aus dem Engagement von Eltern einer Kindertanzgarde heraus. Die neue Brauhaussitzung knüpft genau dort an. Sie ist kein Trend, sondern ein Angebot für Gemeinschaft. Für Gespräche. Für Begegnung. Und für einen Karneval, der wieder ganz nah ist.