„Ich bin ein Indianer, kein Häuptling“

„Ich bin ein Indianer, kein Häuptling“

Ulrich Dieter "Uli" Schimschock ist ein echter "Hans Dampf in allen Gassen". Seit Jahrzehnten engagiert sich der gebürtige Düsseldorfer in Erkrather und Hochdahler Vereinen und nutzt seine Freizeit dafür, sich quasi für Land und Leute einzusetzen.

(tb) "Ich bin keiner, der gerne in erster Reihe steht. Ich engagiere mich da, wo Hilfe benötigt wird und bin eher ein Indianer, als ein Häuptling", lacht Schimschock. Bereits zu Jugendzeiten trat der Ehrenamtler in Sport-, Schwimm- und Fußballvereine ein. Sich für das eigene Wohnumfeld einzusetzen und aktiv das gesellschaftliche Leben mit zu bestimmen- dieser Wunsch wurde allerdings erst später geweckt. Mit dem Eintritt in die SPD wollte Uli Schimschock eigentlich nur gegen den CSU-Bundeskanzlerkandidaten Franz Josef Strauß agieren: "Im nächsten Monat feiere ich allerdings meine bereits 40jährige Parteizugehörigkeit." Hätte es damals schon die Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen gegeben, hätte sich Uli Schimschock mit deren naturnahen Philosophie eher identifizieren können. "Doch ich bleibe der SPD treu verbunden. Eine Partei wechselt man nicht einfach, wie ein Hemd. Man steht zu seiner Entscheidung." Naturnah ist er dennoch.. "Es gibt nichts wichtigeres, als unsere Umwelt. Ein Spaziergang in der Natur kann Wunder bewirken und wirkt heilend. Da bin ich fest von überzeugt." Nicht zuletzt wegen der Liebe zur Natur betreut Schimschock seit rund drei Jahren gemeinsam mit Andrea Bleichert vom SKFM die Morper Kids. "In der Zeit von März bis Oktober besuchen wir mit Kleinkindern und deren Eltern jeweils montags den Morper Park und begeben uns auf die Suche nach Tieren und Pflanzen. Wir passen unsere Tempo den Kindern an." Ebenso begeistert ist Uli Schimschock vom Naturschutzzentrum Bruchhausen. "Ich habe bereits die Anfänge der Einrichtung in den 90er Jahren mitbekommen. Vor drei Jahren wurde ich Mitglied im Förderverein und seit Mai vergangenen Jahres bin ich sogar stellvertretender Vorsitzender. Die Arbeit, die vor Ort geleistet wird, ist beispiellos und wichtig für unsere Stadt."

Doch damit nicht genug: Eine ganz private Leidenschaft des aktiven Ehrenamtlers ist die deutsche Bahngeschichte. "Die Mobilität, die für alle zur Verfügung steht und umweltfreundlich ist, hat mich von Kindesbeinen an interessiert. Meine Eltern hatten kein Auto und wir sind viel Bahn gefahren. 1972 habe ich meine Ausbildung zum Eisenbahner begonnen und bin dem Beruf treu geblieben. Im Juli nächsten Jahres gehe ich in den Ruhestand." Als Schimschock von der Entstehung eines Eisenbahnmuseums am Lokschuppen erfuhr, war er sofort Feuer und Flamme. "Ich wollte ein paar alte Bahndokumente an ein Archiv verschenken und kam mit Fritz Kampschulte in Kontakt, der ein Museum auf Hochdahler Boden errichten wollte. 1993 bin ich dem Verein beigetreten und seit 2006 betreue ich mit einem hervorragenden Team das Museumsarchiv des Eisenbahn- und Heimatmuseums im Lokschuppen." Mobilität umweltfreundlich zu gestalten und besonders älteren Menschen die Fahrt in die Stadt zu vereinfachen, war auch ein Gründungsgrund des Bürgerbusses, der seit 2006 durch Erkraths Straßen rollt. Als Gründungsmitglied ist Uli Schimschock auch heute noch fest im Bürgerbusteam integriert. "Die Fahrgäste zahlen mit einer Währung, die eigentlich unbezahlbar ist: Freundlichkeit." Und auch das Team harmonisiert hervorragend. "Nicht zuletzt wegen der zahlreichen tollen Menschen engagiere ich mich gerne ehrenamtlich. Verbringe Zeit mit guten Menschen, dann wirst du selbst zu einem."

Als Vorstandsmitglied der Wohnungsbaugenossenschaft (WBG) Erkrath zielt auch das letzte Ehrenamt Schimschocks auf die Bedürfnisse der Menschen vor Ort. "Ehrenamt ist für mich Lust, keine Last. Ich bin der Meinung, selbst im aktiven Berufsalltag kann man ein bisschen Zeit für ein Engagement aufbringen." Dass zahlreiche Vereine anhand mangelnder aktiver Mitglieder aussterben, dessen ist sich Uli Schimschock sicher. Dabei lohnt sich Ehrenamt in seinen Augen so sehr. "Ich bekomme von den Menschen um mich herum viel mehr zurück, als ich gebe. Das macht jedes Ehrenamt für mich zu etwas ganz Besonderem."