Wir sind die Lahnsteins

Erkrath hat eine Menge zu bieten. Neben dem wohl berühmtesten Erkrather, dem Neandertaler, mal ganz abgesehen, stammen weitere namhafte Persönlichkeiten aus der Neandertalstadt. So auch der Politiker Manfred Lahnstein.

(tb) Die Familie Lahnstein lebt bereits in fünfter Generation in Erkrath und hat ein großes Stück Stadtgeschichte mit geschrieben. Manfred Lahnstein, Sohn eines Landarztes und einer von insgesamt vier Brüdern, fühlte sich früh dem gesellschaftlichen Leben verpflichtet. "Ich erinnere mich noch gut daran, wie Manfred damals immer in der Vorweihnachtszeit mit einem Bollerwagen durch Erkrath zog und mit seiner Posaune Weihnachtslieder zum Besten gab", verrät Bruder Volker Lahnstein. "Heute lebt Manfred allerdings in Hamburg, hat zwei Kinder und ist verheiratet."

Trotzdem hat Erkrath im Leben des Politikers noch immer eine große Bedeutung. "Geboren wurden wir im Haus der heutigen Apotheke an der Bahnstraße. Das Leben war kurz nach dem Krieg nicht immer einfach, wir haben Kartoffeln aufgelesen, Blumen verkauft und viele andere Arbeiten gemacht, um unsere Mutter zu unterstützen. Als unser Vater starb, war Manfred gerade einmal acht Jahre alt", so Volker Lahnstein weiter. Später hat Manfred Lahnstein die Politik für sich entdeckt. Seit 1959 ist er Mitglied der SPD, war bereits mit 20 Jahren der jüngste Ortsvereinsvorsitzender in Alt-Erkrath und später stellvertretender Bürgermeister. Wie es seine Patentochter, Sabine Lahnstein, in der heutigen Zeit ist. "Wenn ich mich an meinen Patenonkel erinnere, fällt mir sofort die Tischtennisplatte im Keller ein. Das war für uns Kinder damals das Größte", erinnert sich Sabine Lahnstein. "Und die Bolognesesoße meiner Tante."

1961 absolvierte Manfred Lahnstein den Diplom- Volkswirt im Bereich Sozial- und Wirtschaftswissenschaften an der Uni Köln und startete nahtlos in eine politische Karriere. Er wurde Sekretär beim Europäischen Gewerkschaftsbund, übernahm später als deutscher Vertreter sogar den Zuständigkeitsbereich in Brüssel. 1967 wurde er Mitglied des Stabs von EG- Vizepräsident Wilhelm Haferkamp bei der EG- Kommission. Diesem stand er bis 1973 sogar als Kabinettschef zur Seite. Anschließend wechselte der Erkrather als Abteilungsleiter Wirtschaft und Ministerialdirektor an die Seite des Bundeskanzlers Willy Brandt ins Bundeskanzleramt. Damit jedoch noch nicht genug des Ruhms, denn 1977 wurde er Staatssekretär für Geld, Kredit und internationale Finanzen im Bundesministerium und ab 1980 zum Chef des Bundeskanzleramtes unter Altkanzler Helmut Schmidt ernannt. "Die Beziehung zu Helmut Schmidt war all die Jahre sehr freundschaftlich und glich mehr einer Vater- Sohn Beziehung. Sie haben sich auch nach der beruflich aktiven Zeit oft getroffen, waren beide sehr dem Skat zugewandt", verrät Volker Lahnstein. "Der Tod des Altkanzlers muss für Manfred eine schwere Zeit gewesen sein, dessen bin ich mir sehr sicher."

Nachdem Helmut Schmidt von Helmut Kohl als Bundeskanzler abgelöst wurde, endete auch für Manfred Lahnstein der berufliche Werdegang in der Bundesregierung. 1983 wurde er von der Bertelsmann AG abgeworben und in den Vorstand, später in den Aufsichtsrat erhoben. Seit 1986 lehrte Lahnstein an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg im Fachbereich Kultur- und Mediengestaltung und leitete später die Unternehmensberatung Lahnstein& Partner, ebenfalls in Hamburg. "Mein Bruder hat zahlreiche Talente. Neben seinen beruflichen Erfolgen war er stets der Musik zugetan, erzielte in den 60er Jahren mit der Jazzband Feetwarmers sogar internationalen Ruhm", erinnert sich Volker Lahnstein. Auch heute verstehen sich die vier Lahnsteinbrüder hervorragend, treffen sich mindestens einmal im Jahr zum gemeinsamen Wiedersehen. "Wenn Manfred nach Erkrath kommt, wird er auch nach all den Jahren wiedererkannt. Wir genießen in solchen Momenten aber die gemeinsame Familienzeit", so Lahnstein abschließend.

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