Flüchtlingshilfe in Erkrath: "Mama Sabine" sei Dank

Flüchtlingshilfe in Erkrath : "Mama Sabine" sei Dank

Sabine Lahnstein (SPD-Erkrath) kennt die kontroversen Diskussionen, die in unterschiedlichen sozialen Netzwerken, in den Kneipen oder auf der Straße über den derzeitigen Flüchtlingsstrom geführt werden.

Viele unqualifizierte Kommentare zu dem komplexen Thema führt die Politikerin unter anderem auch darauf zurück, dass einfach noch zu viele Leute zu wenig darüber wissen.

(nic) Warum flüchten die Menschen? Was treibt sie hierher? Welchen Gefahren setzen sie sich dabei aus? Was erhoffen sie sich in einem fremden Land? Diese und andere Fragen möchte Sabine Lahnstein gerne beantworten und zwar von denen, die das am besten können. Nämlich den Flüchtlingen selber. "Am 17. Oktober lade ich alle Erkrather zu einem Willkommensfest an den Hochdahl Arcaden ein", so Lahnstein. Von 10 bis 18 Uhr wird dort gefeiert und informiert. "Wir planen zwei Talkunden, eine um 12.30 Uhr und eine gegen 14.30 Uhr, bei denen Flüchtlinge, die schon etwas länger in Deutschland leben, zu Wort kommen." Außerdem werden Gäste aus der Verwaltung, den Vereinen und Verbänden erwartet.

"Das Fest habe ich ganz bewusst nach Draußen verlagert, damit die Hemmschwelle dazu zustoßen, niedrig ist. Ein geschlossener Raum wäre dafür ungeeignet." Lahnstein fährt mit ihrer Veranstaltung volles Risiko. Im Notfall, wenn das Wetter so gar nicht mitspielen möchte, werden Zelte aufgebaut. Sabine Lahnsteins Engagement geht aber noch weiter.

"Während der ersten Flüchtlingswelle vor einigen Wochen, habe ich mich regelmäßig im Hochdahler Bürgerhaus aufgehalten und geholfen." Dabei ist ihr eine junge Dame aus Eritrea aufgefallen. Sie war blind und in Begleitung ihres Cousins. Im Laufe ihres Aufenthaltes bekam die Frau starke Kopfschmerzen. "Das wurde so schlimm, dass sie am Ende operiert werden musste, denn sie hatte einen Hirntumor." Immer an ihrer Seite — "Mama Sabine" — wie sie mittlerweile von ihr genannt wird. Zwischendurch war immer wieder Zeit zum reden und dabei erfuhr die Hochdahlerin, dass Yodit, so der Name der 19-jährigen Afrikanerin, eine lange und schwere Reise hinter sich hatte.

Anfang 2015 war sie mit ihrem Mann von Eritrea in den Sudan geflüchtet. Dort trennten sich ihre Wege, weil sie aufgrund ihres Tumors bereits an Ort und Stelle ins Krankenhaus musste. "Sie bekam einen so genannten Cerebralshunt." Durch einen Cerebralshunt wird überschüssige Gehirnflüssigkeit aus den Gehirnkammern körperintern zum Beispiel in den Bauchraum abgeführt, um den Hirndruck auf einen Normalwert zu reduzieren (Quelle wikipedia.de).

Nach der überstandenen Operation floh Yodit zusammen mit ihrem Cousin weiter nach Libyen bis ans Mittelmeer. "Von dort ging es, zusammengepfercht mit zahlenreichen anderen Flüchtlingen, per Schlauchboot nach Europa. Und das alles blind und hilflos."

Mittlerweile hat Yodit die zweite OP in Deutschland gut überstanden und durfte das Krankenhaus wieder verlassen. Wenn alles von den Behörden so weit genehmigt ist, kann sie zusammen mit ihrem Mann Erdi, den Sabine Lahnstein in Bad Dürkheim ausfindig gemacht hat, übergangsweise bei der Hochdahlerin einziehen. "Mama Sabine" sei Dank…

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