Solche Momente stehen beispielhaft für die Wirkung dieses besonderen Förderprojekts: Kinder, die zu Beginn oft unsicher, zurückhaltend oder überfordert waren, entwickeln Schritt für Schritt Selbstvertrauen, Orientierung und Freude am Lernen. Viele Kinder starten heute mit erschwerten Voraussetzungen in die Schule. „Es fehlt häufig an grundlegenden Kompetenzen – sprachlich, motorisch, sozial und mental“, erklärt Projektleiterin Claudia Aust. Entscheidend ist: Diese Kinder sind nicht lernunwillig, sondern oft nur noch nicht in der Lage, den schulischen Anforderungen gerecht zu werden. Genau hier setzt „Rückenwind“ an.
In drei Grundschulen und vier Kitas in Erkrath wurden seit Projektbeginn 132 Kinder wöchentlich begleitet. Die Wirkung ist deutlich: Sie beteiligen sich aktiver, können sich besser konzentrieren, halten Regeln ein und arbeiten selbstständiger. Die Förderung beginnt bewusst bei grundlegenden Fähigkeiten wie Zuhören, Melden oder dem Umgang mit anderen Kindern. Was selbstverständlich wirkt, muss für viele Kinder erst gelernt werden. Durch klare Strukturen, Wiederholungen und individuelle Begleitung gewinnen die Kinder Sicherheit im Alltag – eine zentrale Grundlage für Lernen.
Wie groß diese Entwicklung ist, zeigt sich im Alltag: Eins der Kinder, das anfangs kaum still sitzen konnte, arbeitet heute konzentriert mit. Ein anderes, das anfangs kaum sprach, beteiligt sich inzwischen aktiv und knüpft erste Freundschaften. Ein besonderer Projektbaustein ist der Schwimmkurs im Neanderbad. „Manche unserer Kinder hatten noch nicht die Möglichkeit, schwimmen zu lernen“, erklärt Claudia Aust. „Über Bewegung entwickeln die Kinder außerdem Selbstvertrauen und öffnen sich“, berichtet sie. „Das wirkt sich auf viele Bereiche gleichzeitig aus – auf Sprache, Verhalten und soziale Interaktion.“
Die Stärke von „Rückenwind“ liegt in diesem ganzheitlichen Ansatz: kleine, gezielte Impulse entfalten Wirkung in vielen Bereichen. So entstehen nachhaltige Fortschritte und die Grundlage für einen gelungenen Schulstart. „Rückenwind“ zeigt: Wenn Kinder die richtige Unterstützung zur richtigen Zeit bekommen, eröffnen sich neue Bildungswege und echte Chancen auf Teilhabe.
Ab dem Schuljahr 2028/2029 plant auch die Landesregierung neue Sprachfördergruppen vor der Einschulung, sogenannte ABC-Klassen – in Erkrath ist das jetzt schon Realität. „Für unsere Stadt ist das ein sehr großer Gewinn“, sagt Bürgermeister Christoph Schultz. „Wir sind insbesondere der Magdalene Gerhard Stiftung und den vielen Beteiligten von Du-Ich-Wir dankbar, so vielen Kindern in unserer Stadt einen besseren Start zu ermöglichen.“ Das Projekt wird in Kooperation mit der Stadt Erkrath umgesetzt und durch die Magdalene Gerhard Stiftung ermöglicht. Ziel ist es, die erfolgreichen Ansätze weiter zu verstetigen und langfristig möglichst vielen Kindern zugänglich zu machen. „Wir unterstützen das Projekt, weil kein Kind auf der Strecke bleiben sollte“, sagt Annika Reisch, Stiftungsmanagerin der Magdalene Gerhard Stiftung. „In der Schule werden oft die Weichen für das spätere Leben gestellt. Umso wichtiger ist es, Kinder früh zu erreichen. Mit „Rückenwind“ erleben wir, dass diese Unterstützung ankommt und tatsächlich etwas verändert.“