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Das Schauspiel passte zu den Zuschauerreihen in der Stadthalle: Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke

Das Schauspiel passte zu den Zuschauerreihen in der Stadthalle : Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke

Kürzlich war das Altonaer Theater mit dem Schauspiel „Ach diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ in der Stadthalle zu Gast. Also nach den himmlischen Zeiten, mal wieder was Ernstes. Das Schauspiel erzählt die Geschichte von Joachim, der auszog, Schauspieler zu werden – und bei den Großeltern einzieht.

Joachim erlebt seine Kindheit auf dem Gelände einer riesigen Psychiatrie und absolviert als Schüler in Amerika ein Austauschjahr. Als er die Schulzeit beendet hat wird er vor dem Antritt des Zivildienstes auf der Otto Falckenberg Schauspielschule in München angenommen. Er zieht zu seinen Großeltern in die großbürgerliche Villa in Nymphenburg und wird zum Wanderer zwischen den Welten. Seine Großmutter eine ehemalige Schauspielerin und schillernde Diva, so wie sein Großvater ein emeritierter Philosophieprofessor und strenge und ehrwürdige Erscheinung, bestimmten Joachims Tage durch abenteuerliche Rituale, bei denen Alkohol eine wesentliche Rolle spielt. Tagsüber wird Joachim an der Schauspielschule systematisch in seine Einzelteile zerlegt, abends ertränkt er seine Verwirrung auf dem opulenten Sofa in Rotwein und anderen Getränken.

Aus dem Kontrast zwischen großelterlichem Irrsinn und ausbildungsbedingtem Ich-Zerfall entstehen die den Erzähler völlig überfordernden Ereignisse – und gleichzeitig entgeht ihm nicht, dass auch die Großeltern gegen eine große Leere ankämpfen, während er auf der Bühne sein Innerstes nach außen kehren soll und dabei oft grandios versagt.

Joachim Meyerhoff hat in seinem dritten Roman die Kunst, Komik und Tragik miteinander zu verbinden, noch verfeinert. Sein Held nimmt sich und seine Umwelt immer genauer wahr und erkennt überall Risse, Sprünge und Lücken. Man muss dazu sagen, dass es sich um eine Autobiographie handelt.

Schade, dass das Tourneetheater den Zuschauern kein Programmheft zur Verfügung gestellt hat. Vielleicht hätte der ein oder andere den Sinn des Stückes verstanden. Hauptgedanke des Stückes war Goethes „Die Leiden des jungen Werthers“ .

Mit dieser Informationen hätten die Zuschauer zu mindestens ansatzweise verstanden, warum der Hauptdarsteller am Anfang des Stückes auf die Bühne kam und seinen Selbstmord simulierte. Im weiteren Verlauf des Stückes durchlebte der Schauspieler Joachim das Leben seines Autors Joachim Meyerhoff.

Durch die Zugehörigkeit zur Schauspielschule in München, einer Ansammlung sonderbarer Schauspielschüler und Ausbilder sowie die Unterbringung bei seinen Großeltern, zwei äußerst verstörte alkoholabhängige Senioren, konnte man bezweifeln, dass sich sein psychischer Zustand zum Besseren wandeln würde.

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Eine Szene des Stückes war, dass die Schauspielschüler, animiert von einem Ausbilder, mit überdimensionierten Geschlechtsteilen onanierend und Geilheit simulierend, über die Bühne laufen mussten. Um eventuelle Sonderheiten einer Schauspielschule zu demonstrieren hätte es auch andere Möglichkeiten gegeben. Für die älteren Theaterzuschauer war es nur peinlich.

Diese ganzen Eindrücke verschlechterten Joachims Geisteszustand zum Negativen und vermittelten dem Zuschauer, die den Sinn des Stückes verstanden, dass er ein ewiger Looser ist. Im Nachhinein war Joachims Leben ein einziger Albtraum. Auch bedingt durch den Tod des Bruders in seiner Kinderzeit. Beginnend mit seiner Jugendzeit über die Schauspielschule bis zu seinen Großeltern. Allerdings, im Gegensatz zu dem jungen Werther, begeht Joachim keinen Selbstmord und arrangiert sich mit der Situation. Ironischerweise wird ihm als erstes Engagement eine Stelle in Schleswig, dem Ort seiner Jugend angeboten.

Um nicht Gefahr zu laufen der Einzige zu sein der nichts verstanden hat, habe ich während der Pause Zuschauer nach ihren Eindrücken gefragt. Ich fühlte mich bestätigt, da viele Besucher meinen Eindruck teilten. Die Zuschauer, die in der Pause das Theater verließen, bestätigten meinen Eindruck.

Festzustellen ist, dass die Schauspieler sowie der Musiker einen exzellenten Job ablieferten, welcher die negativen Punkte ein wenig in den Hintergrund rückten.

Demnächst: Am Mittwoch,10. März, präsentiert das Popkabarett „Alte Mädchen“ ihr Programm „Aufgetaucht“ in der Stadthalle Erkrath. Die Abteilung Kultur der Stadt verschickt die Karten auch kostenfrei nach Hause. Weitere Infos unter Telefon 0211/240740 09.