Trauriger Jahreswechsel Einsatzleiter in Silvesternacht von Feuerwerks-Rakete getroffen

Erkrath · Ein neues Jahr und erneut ein bitterer Start für die Einsatzkräfte der Feuerwehr Erkrath. In der Silvesternacht wurden sie während ihrer Einsätze unter anderem mit Feuerwerkskörpern beschossen und Böllern beworfen. Dabei wurde der Einsatzleiter von einer Silvesterrakete am Kopf getroffen, doch dank seiner Schutzkleidung zog er sich keine Verletzungen zu.

Die Feuerwehr musste zu mehreren Bränden in der Silvesternacht ausrücken.

Die Feuerwehr musste zu mehreren Bränden in der Silvesternacht ausrücken.

Foto: Feuerwehr Erkrath

Nun muss in den kommenden Monaten gemeinsam mit der Stadtverwaltung, der Kreispolizei und der Feuerwehr Erkrath erörtert werden, welche Maßnahmen ergriffen werden sollen, um solche Situationen zukünftig zu vermeiden oder zumindest eindämmen zu können. Denn nicht nur an Silvester, sondern auch an allen anderen Tagen des Jahres, müssen sich Menschen, die im Rettungsdienst oder in der Brandbekämpfung tätig sind, in Situationen begeben, in denen sie aggressivem Verhalten ausgesetzt sind, bespuckt oder sogar körperlich angegriffen werden.

„Nehmen wir das Beispiel in Ratingen am 11. Mai 2023, wo bei einem zunächst augenscheinlichem Routineeinsatz plötzlich ein Sprengkörper detonierte und dabei mehrere Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr schwer verletzte“, sagt Guido Vogt, Leiter der Feuerwehr Erkrath. „Wir können nicht bei jedem Einsatz davon ausgehen, dass hinter einer verschlossenen Tür, etwas derart Gefährliches lauert. Wenn wir ausrücken, dann konzentrieren wir uns vor Ort auf den Einsatz und müssen nun aber in den letzten Jahren vermehrt auch unser Umfeld im Blick haben, um uns zu schützen. Dennoch ist und bleibt unsere primäre Aufgabe, Menschen in Not zu helfen - auch denen, die uns gegenüber gelinde gesagt, nicht gerade freundlich zugewandt sind.“

Das Spektrum gegen Gewalt an Einsatzkräften ist weit gefächert und erstreckt sich von Unverständnis was Absperrungen während eines Einsatzes angeht, über alkoholisierte Personen, die nicht mehr einschätzen können, dass die Rettungskräfte diesem Menschen helfen wollen, Gaffern die mit ihrem Verhalten die jeweilige Situation zusätzlich gefährden bis hin zu gewaltbereiten jugendlichen Personen, die die Retter mit Steinen oder Flaschen bewerfen. „Auf solche und andere Situationen werden unsere Kolleginnen und Kollegen so gut wie möglich, beispielsweise mit Deeskalations-Trainings vorbereitet“, sagt Guido Vogt. Bei manchen Feuerwehren kommen sogar mittlerweile stichfeste Schutzwesten zum Einsatz oder es wird darüber diskutiert, ob und welcher Form sie sinnvoll sind. Selbstverteidigungskurse sind in manchen Städten bei der Feuerwehr auch im Gespräch. Doch das wichtigste Mittel ist und bleibt die Kommunikation, die im Vorfeld die Situation entschärfen kann. Also beispielsweise dem aufgebrachten Autofahrer ruhig, freundlich und bestimmt erklären, warum die Straße nun gerade abgesperrt ist.

Auf der Facebook-Seite der Feuerwehr Erkrath appelliert diese in ihrem Bericht zur Silvesterbilanz 2023/2024 an die Täter: „Ihr Täter sollt wissen, dass ihr Menschen mit Familien angreift. Menschen die Partner haben, die sich um sie Sorgen machen, wenn sie im Einsatz sind. Menschen die Eltern sind und eigene Eltern haben. Menschen die Brüder und Schwestern haben und Menschen, die sie lieben. Genau wie ihr! Die Einsatzkräfte sind die Menschen, die kommen, wenn es euch nicht gut geht oder ihr in Gefahr seid. Die euch dann selbstlos helfen! Denkt mal darüber nach und stellt fest, wie niederträchtig euer Handeln ist, wenn ihr sie vollkommen grundlos angreift und verletzen wollt.“

Ein Beitrag, der in der Social Media-Community viel Zuspruch erhalten hat. Viele sind fassungslos über das Verhalten der Täter und dankten vielfach der Feuerwehr Erkrath für ihren Einsatz, trotz solcher widrigen Umstände.

„Nun laufen erste Gespräche mit Verwaltung, Polizei und der Feuerwehr, wie wir in den kommenden Monaten mit diesem Thema umgehen werden und welche Maßnahmen wir ergreifen können, um die Menschen zu sensibilisieren“, sagt Guido Vogt abschließend.

(nic)