Abschied in der Treffpunkt Leben Gemeinde Ein Pastor und eine Gemeinde mit einer langen gemeinsamen Geschichte

Unterfeldhaus · Die Geschichte der Treffpunkt Leben Gemeinde in Unterfeldhaus begann vor 40 Jahren im Keller des Hauses von Gründungsmitglied Horst Löber in Hochdahl-Kempen. Die Geschichte von Pastor Martin Scharnowski beginnt sieben Jahre später und endet nun nach 33 Jahren mit einem feierlichen Abschiedsgottesdienst am 30. Juni. Dazwischen gibt es viel zu erzählen und sich zu erinnern.

 Wechsel bei der Treffpunkt Leben Gemeinde in Unterfeldhaus: Pastor Martin Scharnowski (re.) geht in den Ruhestand. Sein Nachfolger ist Pastor Marc Stosberg (li.).

Wechsel bei der Treffpunkt Leben Gemeinde in Unterfeldhaus: Pastor Martin Scharnowski (re.) geht in den Ruhestand. Sein Nachfolger ist Pastor Marc Stosberg (li.).

Foto: nic

(nic) Als Horst Löber die Treffpunkt Leben Gemeinde gründete, war es vor allem ein Gedanke, der ihn von Beginn an und während der Aufbauphase der evangelisch-christlichen Gemeinschaft stets begleitete: „Suche immer das Verbindende.“ Dieser Leitsatz und damit auch die von Anfang an gelebte Ökumene mit den anderen Kirchengemeinden in Erkrath war auch immer wichtig für Pastor Martin Scharnowski (66 Jahre): „Ich kam 1991 mit meiner Familie nach Erkrath“, erinnert er sich. Ursprünglich ist er gelernter Orthopädie-Techniker. Dann kam die Entscheidung, in eine beruflich völlig andere Richtung zu gehen und es folgte eine theologische Ausbildung im Forum Wiedenest in Bergneustadt. „In der Treffpunkt Leben Gemeinde war ich von Beginn an Pastor, offiziell ordiniert wurde ich im Jahr 2000.“ Als sich während der Anfangsphase die rund 35 Gemeindemitglieder in Löberts Keller regelmäßig trafen, war alles noch recht überschaubar. „1992 folgte dann, durch den Zuwachs weiterer Mitglieder, ein mutiger Schritt und wir mieteten uns eigene Räumlichkeiten an der Hauptstraße an. Dort waren wir von 1992 bis 2004“, erinnert sich Pastor Scharnowski. Im Laufe der Jahre wuchs die Glaubensgemeinschaft auf rund 100 Mitglieder an und ein weiterer Standortwechsel stand auf der Agenda. Diesmal zog man 2004 in die heutigen Räumlichkeiten an der Heinrich-Hertz-Straße in Unterfeldhaus. Derzeit zählen sich 350 Menschen zur Treffpunkt Leben Gemeinde und 350 weitere gehören zu den sogenannten engeren Freunden. Viele der Gläubigen kommen sogar aus weiter entfernten Orten und haben teilweise eine Anreise von rund 80 Kilometer. „Es gibt deshalb innerhalb unserer Gemeinde die Überlegung, ein Auditorium zu bauen. Möglichst in unmittelbarer Nähe unseres jetzigen Standortes. Gespräche über mögliche Optionen laufen derzeit mit der Stadt und einem Immobilieninvestor. Wir hoffen natürlich auf ein positives Ergebnis“, sagt Martin Scharnowski. Doch diesen nächsten Umzug, der derzeit noch Zukunftsmusik ist, wird er nicht mehr federführend leiten, sondern sein Nachfolger Pastor Marc Stosberg (52 Jahre).

Außerdem plant die Treffpunkt Leben Gemeinde quasi zu expandieren und damit weitere Standorte in der Region zu gründen. „Einer davon wird 2025 in Leichlingen sein“, verrät uns Marc Stosberg. „Weitere sollen dann im Laufe der Jahre folgen.“

Pastor Marc Stosberg ist der Gemeinde ebenfalls schon sehr lange verbunden. Auch er hat ursprünglich mal was ganz anderes gelernt und so kam der Industriemechaniker vor 23 Jahren nach Erkrath zu Treffpunkt Leben. „Damals, also 2001, war ich zunächst Jugendpastor der Gemeinde, bevor ich 2009 Teil der Mitleitung der Gesamtgemeinde wurde.“ Die Rolle des Jugendpastors ist eine sehr wichtige, denn es gibt in der Glaubensgemeinschaft in Unterfeldhaus sehr viele Kinder und Jugendliche. „Wir haben für diese Altersgruppen jeden Sonntag drei Gottesdienste und zwei für die Erwachsenen“, sagt Marc Stosberg. Allein die christliche Pfadfindergruppe - die Royal Rangers - umfasst 400 Kinder und Jugendliche. Zu den Gottesdiensten kommen im Schnitt 120 Kinder. „Die Förderung der jungen Gemeindemitglieder liegt uns sehr am Herzen, denn Kids, Teens, Jugendliche sind die Gemeinde von morgen.“

Über den christlichen Auftrag hinaus, hat sich aus einem ehemaligen Spielplatz-Bauwagen-Projekt der Gemeinde, 2012 der Verein „füreinander e.V.“ entwickelt. „Damals kam die Frage auf, was können wir für unsere Stadt tun. Durch Gespräche wurde schnell klar, dass in der Sandheide viele Familien leben und damit auch Kinder, die unsere Unterstützung und Hilfe benötigen.“ Heute ist der Verein bekannt für seinen Kindertreff „Mosaik“ in der Immermannstraße mit Angeboten wie beispielsweise den kostenlosen Mittagstisch, die Lernwerkstatt, ein Jugend- und Mädchenprogramm oder das beliebte Sommercamp. Der Jugendtreff „Cube“ am Sandheider Markt ist Treffpunkt für Teens ab 13 Jahren. Die dort vor Ort eingesetzten Fachkräfte und ehrenamtlichen Mitarbeiter haben offene Ohren für Wünsche, Sorgen und Probleme der jungen Menschen und unterstützen sie dabei, eine eigenständige Persönlichkeit zu entwickeln und so ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Dazu tragen insbesondere Angebote bei, die die Fähigkeiten und Kompetenzen der Jugendlichen fördern oder ihnen bei der beruflichen Orientierung helfen.

Die Entscheidung für Marc Stosberg die Nachfolge für Martin Scharnowski zu bilden, fiel mitten in der Corona-Zeit 2022. Den Gemeindemitgliedern und dem Pastoren-Team ist er natürlich kein unbekanntes Gesicht und somit hat er das Vertrauen aller bereits auf seiner Seite. Nach seiner Verabschiedung am 30. Juni möchte Martin Scharnowski zunächst für ein halbes Jahr durch die Weltgeschichte reisen, bevor er dann ab 2025 eine Pastorenstelle, allerdings nur zu 50 Prozent - in der Schwelmer Gemeinde K3 übernehmen wird. Zusätzlich wird eine gemeinsam mit seiner Frau jeweils eine Woche im Monat die therapeutische Seelsorge in einem Wellness-Hotel im Harz durchführen. „Und natürlich werden auch meine inzwischen neun Enkel nicht zu kurz kommen.“

Wer sich von Pastor Scharnowski persönlich verabschieden möchte, der sollte zum Abschieds- und Aussegnungsgottesdienst am 30. Juni, um 10.30 Uhr zur Treffpunkt Leben Gemeinde in die Gemeinderäume in der Heinrich-Hertz-Straße 25 kommen. Im Anschluss ist ein „Tag des Abschiedes“ mit Essen, Kaffeetrinken und weiteren Aktionen geplant. Auch Erkraths Bürgermeister Christoph Schultz hat sein Kommen angekündigt.

(nic)