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Eine Seefahrt, die ist lustig

Eine Seefahrt, die ist lustig

Am Tag der offenen Tür am Unterbacher See fuhr das neue Mähboot im Beisein von Hildens Bürgermeisterin Birgit Alkenings zum ersten Mal über den See.

(nigo) Es war eine außergewöhnliche Jungfernfahrt, die am Samstag auf dem Unterbacher See stattfand. Eine außergewöhnliche Fahrt mit einem außergewöhnlichen Gefährt, das es so kein zweites Mal gibt. Die neue "Seekuh" des Zweckverbandes Unterbacher See wurde zum Tag der offenen Tür im Naherholungsgebiet offiziell ihrer Bestimmung übergeben.

Über 40 Jahre mähte schon das Vorgängermodell Wasserpflanzen unter der Wasseroberfläche ab. Funktionsfähig ist die alte Seekuh zwar noch immer — "doch wenn etwas kaputt gehen sollte, gibt es dafür keine Ersatzteile mehr", sagt Hans-Günter Scheurer, Kapitän des Mähbootes. Er war es, der das neue zwöf Tonnen schwere und 280000 Euro teure Gefährt zur Jungfernfahrt mit Hildens Bürgermeisterin Birgit Alkenings am Samstag zum ersten Mal über den Unterbacher See steuerte. Doch das neue Boot ist nicht nur einfach neu, es macht Scheurer und seinen Kollegen das Leben auch wesentlich einfacher. Fuhr er mit dem alten Boot über den Unterbacher See, brauchte er anschließend eine Stunde, um die abgemähten Pflanzen abzuladen. Mit dem neuen Boot nimmt das nur noch eine Minute in Anspruch, da die Pflanzenreste mittels eines Förderbandes blitzschnell vom Boot gefördert werden können. Schon auf dem Boot werden die Pflanzen zu einer trockenen Masse zusammengepresst. "Weil die Pflanzen leichter werden wenn sie trocken sind, sparen wir auch Kosten, die beim Abtransport anfallen", sagt Hans-Günter Scheurer.

Denn alleine in 2014 beliefen sich die Kosten für Abfuhr und Entsorgung der Wasserpflanzen auf 60000 Euro. Mit der neuen Seekuh soll die Summe deutlich gesenkt werden. Würde man die Pflanzen im See ungehindert wachsen lassen, würde der See mit der Zeit verlanden und zu einem Gewässer eutropher Art werden. Schon nach ein paar Monaten ohne Mähen wäre an Segelverkehr auf dem Unterbacher See nicht mehr zu denken — "die Boote würden durch das Pflanzen-Dickicht einfach nicht mehr durchkommen", sagt Scheurer. Bis zu einer Wassertiefe von 1,80 Meter kann das neue Boot Pflanzen abmähen, da es nur einen Tiefgang von einem halben Meter hat, kann die Seekuh sogar bis in die Strandbäder hineinfahren und auch dort die Wasseralgen abmähen. Wider den allgemeinen Irrglauben gebe es im Unterbacher See übrigens keine Schlingpflanzen, sagt der Kapitän.
Noch ist es für ihn ruhig, noch muss er nicht mit dem neuen Gefährt ausfahren. "Die Pflanzen wachsen erst ab Juli", sagt er. Dann müsse er dafür jeden Tag auslaufen, rund 20 Zentimeter würden die Gewächse pro Tag wachsen. Dagegen gelte es bis in den Oktober hinein anzukämpfen.

Beim Tag der offenen Tür gab es jedoch freilich nicht nur das neue Mähgefährt zu bestaunen. Die Segelschule eröffnete offiziell ihre Saison, wer wollte, konnte mit einem der Segelboote eine Schnupperfahrt über den See unternehmen. Auch das neue Motorschulboot "Albatros" sowie das Partyfloß standen für Fahrten bereit. Das Floß wurde zum Beginn dieser Saison übrigens komplett saniert und strahlt nun in neuem Glanz. Dank eines neuen Motors kann das Gefährt nun den ganzen Tag über den See schippern — vorher war das immer nur zwei Mal am Tag möglich. Ausgeliehen beziehungsweise gebucht werden kann das Floß für bis zu 20 Personen am Bootsverleih des Unterbacher Sees.