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Flucht aus dem Iran: Endlich angekommen

Flucht aus dem Iran : Endlich angekommen

Als Soroush Farshbaf vor fünf Jahren aus dem Iran in ein neues Leben aufbrach, hatte er eigentlich Schweden als Ziel vor Augen. Denn dort lebten bereits Verwandte von ihm. Doch sein Weg führte ihn nach Deutschland und nun baut er sich in Erkrath eine eigene Zukunft auf.

Wir schreiben das Jahr 2015. Soroush ist 30 Jahre alt, als er beschließt, dass der Iran nicht das Land ist, in dem er alt werden möchte. Sechs Jahre hat er hier zuletzt Jura studiert, ein Jahr davon war er von der Universität suspendiert. Nicht, weil er vielleicht bei einer Klausur geschummelt hat, sich schlecht gegenüber seinem Professor benommen hätte oder sonst irgendwas Sträfliches getan hätte - nein - er wurde suspendiert wegen seines Musikgeschmacks und seinem äußeren Erscheinungsbild, vornehmlich wegen seiner langen Haare. Der junge Mann liebt und lebt für Death Metal - zugegeben für manch’ einen eine vielleicht gewöhnungsbedürftige Musikrichtung, aber nichts wofür man ernsthaft in Schwierigkeiten geraten könnte oder sollte. In der islamischen Republik am Persischen Golf sehen das aber manche Menschen anders und die eigene Metal-Band von Soroush ist so manchem Zeitgenossen ein Dorn im Auge.

„Schon in der Schule bin ich mit meinem Musikgeschmack angeeckt“, erinnert er sich. Während seines Studiums nimmt der Gedanke, das Land, die Heimat zu verlassen, immer mehr Gestalt an. Dann, eines Tages im Jahr 2015, bricht Soroush auf. Zu Fuß in die Türkei - ein 18stündiger Marsch. In Ankara will er eigentlich Asyl beantragen, er merkt aber schnell, dass es für ihn hier nicht sicher ist. Also geht es mit Hilfe von dubiosen Schlepperbanden weiter: Lesbos, Athen, Mazedonien, Serbien, Kroatien, Slowenien, Österreich. Nach den Terroranschlägen am 13. November 2015 in Paris sind die Grenzen erstmal dicht - auch nach Schweden. Vorbei der Traum. Es geht also weiter nach Deutschland in ein Erstaufnahme-Lager im Dortmunder Westfalenpark. „Danach habe ich in verschiedenen Zeltstätten gelebt, bevor ich dann, im Dezember 2015 in Erkrath angekommen bin.“

Dort lebt er zunächst für gut 1,5 Jahre in der Flüchtlingsunterkunft an der Freiheitsstraße. Soroush lernt Deutsch, zieht von der Albert-Schweizer-Schule ins Hotel Tamara - ebenfalls eine Flüchtlingsunterkunft - und nach einem zweimonatigen Zwischenstopp in der Obdachlosenunterkunft an der Gruitener Straße kann er im Juni 2019 endlich seine erste eigene Wohnung in Hochdahl beziehen. Während seines Aufenthaltes an der Freiheitsstraße wird er ein so genannter „Integrationsbotschafter“ in der Unterkunft, vermittelt also unter anderem zwischen den unterschiedlichen Bewohnern und nach Außen hin. Dabei lernt er Dieter Thelen und Sonja Thompson vom Freundeskreis für Flüchtlinge kennen. Der Kontakt bleibt bestehen - bis heute. Sonja Thompson hat Soroush es zu verdanken, dass er nun seit Herbst 2019 in der Begegnungsstätte „Hand in Hand“ an den Hochdahl Arkaden arbeitet. „Sonja hat mich immer wieder ermutigt, diese Aufgabe anzunehmen. Ich helfe und berate hier andere Flüchtlinge“, sagt er uns.

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In diesem Jahr hat er sein Studium an der Universität zu Düsseldorf begonnen - Sozialarbeit und Sozialpädagogik. Die coronabedingten Online-Vorlesungen sind für den „Ersti“ noch ein wenig gewöhnungsbedürftig und ihm fehlt der persönliche Kontakt und Austausch mit den anderen Kommilitonen. Und - das Beste - er macht gerade seinen Führerschein und ist seit Februar sogar im Vorstandsteam des Freundeskreises für Flüchtlinge. Seine Mutter und seine Geschwister musste er im Iran zurück lassen und er vermisst natürlich seine Familie. Über E-Mails und Videochats hält er den Kontakt zu seinen Angehörigen und die freuen sich, dass ihr Sohn und Bruder nach so einer langen und beschwerlichen Reisen, gut in sein neues Leben hinein gefunden hat. „Ich fühle mich hier wohl und liebe meine Arbeit beim Freundeskreis. Anderen Menschen zu helfen, dass macht mich glücklich.“

(nic)