Mettmann ist bunt

Mettmann zeigt Flagge gegen Rechts : Riesige Gegendemonstration

Als am 23. März 60 Demonstranten der rechtsextremen Gruppierung „Der dritte Weg“ durch die Stadt zogen, waren die Mettmanner geschockt. Niemand hatte sie vorher darüber informiert.

Mettmanns Bürgermeister hatte Sorge, dass es zu Ausschreitungen kommen könnte und hat deshalb weder Politik, noch Bürger informiert, als er Freitagsvormittags erfuhr, dass am Samstag eine genehmigte Demonstration der rechtsextremen Szene stattfinden solle. Nicht einmal dem Pfarrbüro gegenüber, das er wegen der Route über den Markt rund um St. Lambertus informieren musste, erwähnte er wer da demonstrieren würde. Besonders heikel, da Kaplan Flintrop einst in St. Lambertus wirkte und wegen seines Widerstands gegen die Nazis im KZ starb. „Wenn wir davon gewusst hätten, hätten wir lautstark die Glocken geläutet“, beschreibt Pfarrer Ullmann, dass es viele Arten des Gegenprotests gibt.

Zwar hatten sich zum Ende der rechtsextremen Demonstration rund 100 Mettmanner gesammelt und die Abschlusskundgebung der 60 Teilnehmer am Jubiläumsplatz lautstark gestört, aber dieses kleine Zeichen erschien allen deutlich zu wenig. „Selbst wenn wir in der Kürze der Zeit keine ordentliche Gegendemonstration hätten anmelden können, hätte wir Transparente aus den Fenstern hängen können“, drückt eine Anwohnerin des Markts rund um St. Lambertus ihre Enttäuschung darüber aus, dass jegliche Information fehlte. Das Unverständnis gegenüber der Informationspolitik des Bürgermeisters bahnte sich kurz nach der rechtsextremen Demo seinen Weg durch die sozialen Medien und wollte nicht abebben. Das rief parteiübergreifend auch Mettmanns Kommunalpolitiker auf den Plan. Sie verabredeten sich und planten die erste große Demo, bei der alle Parteien auf Flaggen und Banner mit Parteilogos verzichteten, unter dem Titel Unter dem Motto „Wir sind bunt und wir sind viele“.

Es war die größte Demo, die Mettmann je erlebt hat. Mit 1000 Teilnehmern hatte das Organisationsteam gerechnet. Gekommen waren mehr als 2500. „Danke dafür. Das ist so schön, ich könnte weinen“, drückt ein türkischstämmiger Mettmanner seine Gefühle aus, als der bunte Demonstrationszug durch die Stadt zog. Die Demonstration endete nach einem Zwischenstopp mit musikalischen Beiträgen am Markt vor St. Lambertus am Koburg Mahnmal, wo die Demonstranten zum Gedenken der Opfer des Nationalsozialismus Blumen niederlegten. Am Königshof warteten dann noch, von der Werbegemeinschaft Mettmann Impulse organisierte, bunte Aktionen auf die Demonstranten.

(RG)
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