Jecke Zeiten Der Karneval hat in Unterbach eine lange Tradition

Unterbach · Wenn diesen Sonntag der Karnevalsumzug durch die Straßen Unterbachs führt (wir berichteten), wissen vermutlich so einige Jecken nicht, dass das Winterbrauchtum schon eine lange Tradition im Eselsland hat. Frank Zellner, Mitglied beim Karnevalsausschuss Unterbach, bringt Licht ins Dunkel.

Der besagte Zeitungsartikel vom 3. März 1867  aus dem Bürgermeistereiblatt für die Kreise Düsseldorf und Mettmann.

Der besagte Zeitungsartikel vom 3. März 1867 aus dem Bürgermeistereiblatt für die Kreise Düsseldorf und Mettmann.

Foto: Bürgermeistereiblatt für die Kreise Düsseldorf und Mettmann

Laut historischen Überlieferungen ist Unterbach die Keimzelle des Düsseldorfer Karnevals. Alles begann damals mit der Hochzeit zwischen Johann Wilhelm (der Sohn von Herzog Wilhelm der Reiche, der am Hof zu Düsseldorf regierte) und Prinzessin Jacobe von Baden. Am 16. Juni 1585 wurde die Hochzeit als eines der glanzvollsten höfischen Feste in jener Zeit gefeiert. Die Prinzessin war bekannt für ihr lebenslustiges Wesen. Von nun an änderte sich das Hofleben. Freude, Frohsinn und Aufgeschlossenheit traten nun an die Stelle von Tristesse und provinzieller Zurückgezogenheit. Es wurden rauschende Feste gefeiert, Empfänge und Maskenbälle. Johann Wilhelm von Waldenburg war damals Hofmarschall am Düsseldorfer Hof und Hausherr auf Haus Unterbach - also ein waschechter Unterbacher. Die Tradition des Unterbacher Karnevals hat also eine sehr lange Geschichte, die durch Kriege allerdings immer wieder unterbrochen werden musste. Zuletzt durch den Zweiten Weltkrieg.

Der eigentliche Ursprung des Karnevals in Unterbach wird allerdings auf den 3. März 1957 zurückgeführt. An diesem Karnevalssonntag hatten sich nämlich die Fußballer des SC Unterbach und die Männer der Freiwilligen Feuerwehr Unterbach um 12 Uhr an der alten, heute nicht mehr stehenden Kirche, gegenüber des heutigen Vereinshaus verabredet, um mit Esel, Musikkapelle und in jecker Verkleidung durch Unterbach und anschließend zum Fußballplatz nach Unterfeldhaus zu ziehen (wir berichteten).

Der Unterbacher Frank Zellner stellte sich nun aber die Frage, ob auch zwischen 1585 und 1957 karnevalistische Events im Dorf stattgefunden haben. „Darum ich mich auf die Suche nach historischen Belegen gemacht und bin hier auch fündig geworden“, sagt er uns. „Im Zeitraum zwischen 1864 und 1890 konnte ich 46 Zeitungsartikel finden, die mit dem Unterbacher Karneval in Verbindung stehen. In diesem Zeitraum waren ganze sechs Karnevalsvereine in Unterbach aktiv.“ Während seiner Recherche in diversen Archiven wird er unter anderem auf einen Zeitungsartikel vom 3. März 1867 aus dem Bürgermeistereiblatt für die Kreise Düsseldorf und Mettmann aufmerksam. Hier wird der Unterbacher Karnevalsumzug erwähnt.

„1867 hat Unterbach sicherlich noch nicht rund 7.800 Einwohner und daher ist es schon bemerkenswert, dass man hier 1867 einen eigenen Karnevalsumzug auf die Beine gestellt hat.“ Dabei hat man auch schon viel närrischen Humor bewiesen, indem man das Umzugsdatum auf Montag, den 4. März 8176 datierte. „Ein kleines Zahlenspiel mit der Jahreszahl, passend zur närrischen Zeit. Dazu noch ein netter Spruch in Unterbacher Platt und vorab die Einladung nach Beendigung des Zuges zum Ball zu kommen.“

Da der Zeitungsartikel vom Präsidenten unterschrieben worden ist und jedes Mitglied aufgefordert wurde „Punkt 1 Uhr 30 1/2 Minute“ beim Trinkrath Welm am Tönisberg zu erscheinen, so kann man hier davon ausgehen, das es sich beim „Närrischen Kränzchen Unterbach“ durchaus schon um einen Karnevalsverein handelt.

Die historischen Recherchen rund um den Unterbacher Karneval werden zu Ostern mit einem weiteren Artikel in unserer Ausgabe fortgesetzt.

(nic)