Dabei hat alles einst nicht auf der Bühne begonnen, sondern vor und hinter der Kamera. Mitbegründer Michael Kastner erinnert sich: „Gestartet sind wir im Rahmen eines Videoprojektes des einstigen Jugend-Cafés. Zu Beginn haben wir kurzweilige Sketche mit der Videokamera aufgenommen und daraus entstand die Idee für einen Kurzfilm.“ Rund 23 Minuten umfasst das Erstlingswerk „Die Ecke“, geschrieben von der Gruppe Spotlight. Zum Inhalt: In einer Kirche findet die Pfarrerin eine tote Presbyterin. Eine Polizeibeamtin beginnt mit den Ermittlungen und stellt fest, dass es sich um einen tragischen Unfall handelt. Allerdings ist die Polizistin bei ihren Ermittlungen einer Falschgeldmafia auf die Spur gekommen. Nach einem versuchten Mord und einer vergeblichen Flucht werden die Übeltäter schließlich gestellt. Uraufgeführt wurde der Film 1996 im damaligen Gemeindezentrum in Unterfeldhaus. „Der Film ließ zwar in der Qualität noch zu wünschen übrig, dennoch hat es allen Beteiligten und auch den Zuschauern viel Spaß gemacht“, sagt Michael Kastner.
Zusammen mit Normen Lingen hat er damals - vor 30 Jahren - Spotlight ins Leben gerufen. Von den „alten Hasen“ ist im Laufe der Zeit nur noch Michael Kastner übrig geblieben. Bereits nach drei Wochen waren damals von den einstigen 30 Schauspielwilligen, „nur“ noch 15 übrig und dabei ist es quasi fast geblieben. Die Truppe umfasst aktuell 16 Schauspielerinnen und Schauspieler, von denen manche fast so lange wie Kastner dabei sind. Wie beispielsweise Karola Fritzsch. Sie spielt seit 20 Jahren Theater bei Spotlight. „Angefangen habe ich damals erst mit kleinen Rollen, um zu schauen, ob die Schauspielerei überhaupt etwas für mich ist“, sagt sie uns im Gespräch. Nach und nach kamen dann auch größere Rollen dazu und weitere Aufgaben wie das Bedienen der Technik und zuletzt gemeinsam mit Michael Kastner die Leitung von Spotlight. Vom Schauspiel, über Regie, Bühnenbild und Technik haben sich die Teilnehmer alles selbst erarbeitet und bei gebracht.
Nach der Videopremiere von „Die Ecke“, erfolgt ein Jahr später, also 1997, das erste Theaterstück „Amphitryon“ von Heinrich von Kleist, welches dieses Mal im Joachim-Neander-Haus in Alt-Erkrath aufgeführt wird. „Dieses Stück war sehr anspruchsvoll, da bei der Aufführung der original Kleist-Text verwendet wurde“, sagt Michael Kastner. Zum Inhalt: Im friedlichen Theben haben sich Zeus und sein Untergott Sosias eingeschlichen. Zeus verführt die Frau vom Feldherrn Amphitryon und Sosias mit Amphitryons Diener. Alles gut und schön, bis Amphitryon und Sosias aus einer Schlacht heimkehren und die Götter immer noch da sind. Dieses führt selbstverständlich zu lustigen Verwechselungen. Am Ende klären die beiden Götter die Verwechselung auf.
Ab diesem Zeitpunkt führt Spotlight jedes Jahr im Joachim-Neander-Haus viele unterschiedliche Theaterstücke auf. Da kommt in 30 Jahren ganz schön was zusammen: „Das Tagebuch eines frommen Chaoten“ nach einer Romanvorlage von Adrian Plaas, 1998 aufgeführt im Gemeindesaal Unterbach, „Augenblicke der Entscheidung“ geschrieben von der Gruppe Spotlight, „In 80 Tagen um die Welt“ von Susanne Heydenreich und Katharina Scholl aufgeführt 2015, „Die Widerspenstige“ von Christoph Eckert aus 2010, „Figaros Hochzeit“ von Gerd Sprenger aus 2013, „Die Panne“ von Friedrich Dürrenmatt, aufgeführt 1999 im Joachim-Neander-Haus und sogar im JuTa in Düsseldorf. Denn auch das gab es in den letzten drei Jahrzehnten zwischendurch - Gastvorführungen in der Region wie beispielsweise im Forum in Langenfeld, auf Schloss Hardenberg in Velbert-Neviges oder eben im „Jungen Theater“ in Düsseldorf. Die Vorstellungen sind stets gut besucht und im Laufe der Zeit ist Spotlight ein fester Bestandteil in Erkraths Theaterlandschaft geworden.
Dennoch gibt es immer noch Erkrather, denen Spotlight kein Begriff ist. „Die Öffentlichkeitsarbeit ist tatsächlich das Schwerste für uns“, sagt uns Karola Fritzsch. „Wir haben einen treuen Zuschauerstamm, aber neues Publikum zu gewinnen, ist keine leichte Sache. Da muss man jedes Jahr wieder neu die Werbetrommeln rühren.“ Am Ende der harten Vorbereitungszeit, zahlreichen Proben, Kopfzerbrechen, Bühnenbildgestaltung und vielem mehr, steht dann aber stets ein volles Haus und begeisterte Zuschauer, die die Arbeit der Laienschauspieler immer mit ordentlich Applaus huldigen. „Wir haben eine hohe Motivation innerhalb der Gruppe, jedes Jahr wieder ein neues Stück auf die Bühne zu bringen“, so Michael Kastner. „Es ist eine echte Teamleistung, zu der sich jeder bei uns verpflichtet fühlt. Denn, wenn beispielsweise die Hauptrolle fehlt, können wir nicht proben.“ Ein gewisses Pflichtbewusstsein gegenüber der Sache ist also unerlässlich.
Die Probenzeit beginnt bei Spotlight immer im September und erstreckt sich bis März. Geprobt wird ein Mal die Woche, freitags zwischen 19 und 22 Uhr, im Joachim-Neander-Haus. Für Michael Kastner ist das Theaterspiel ein toller Ausgleich zu seinem Alltag und natürlich macht es ihm auch sehr viel Spaß. Die Kostüme der Schauspieler stammen meist aus dem privaten Fundus. Bühnenbilder müssen in der Regel nach den drei Aufführungen am Ende wieder in ihre Einzelteile zerlegt werden. Großartige Lagermöglichkeiten hat die Gruppe im Joachim-Neander-Haus tatsächlich leider nicht. Überlegungen, dass sie vielleicht irgendwann nicht mehr in ihrer angestammten Spielstätte auftreten können, gibt es fast regelmäßig, denn auch in der evangelischen Kirchengemeinde muss wirtschaftlich agiert werden und manche Gemeindehäuser können dann nicht mehr gehalten und müssen aufgegeben werden. „Glücklicherweise hat dieses Schicksal bisher das Joachim-Neander-Haus, was für uns auch ein Stück Heimat ist, nicht getroffen“, sagt Michael Kastner, der in der Gemeinde außerdem als Presbyter tätig ist.
Zum 30. Geburtstag wird es am 24. Januar, ab 18 Uhr, eine Feier im Joachim-Neander-Haus mit allen Freunden, Schauspielern und Ehemaligen geben. An diesem Tag gibt es die Chance, gemeinsam auf 30 Jahre Spotlight zurückzublicken und sich mit dem Spotlight-Ensemble bei leckeren Speisen und Getränken auszutauschen. Im März stehen dann die Theaterstücke zum runden Geburtstag an. Am 14., 15. und 21. März gibt es „30 Jahre Spotlight“. Die Aufführungen dauern rund zwei Stunden und 45 Minuten inklusive Pause. Gezeigt werden gleich zwei Stücke ummantelt von einer eigenen geschriebenen Rahmenhandlung.
Was geschieht, wenn Charaktere aus den Stücken der letzten 30 Jahre plötzlich gemeinsam auf der Bühne stehen? Sie sind verwirrt, denn sie kennen sich alle nicht. Dabei sind sie eingeladen worden zu einem „fröhlichen Wiedersehen“. Die Zuschauer erleben was passiert, wenn sich „Die Kommentatorin“, „Viktor“, „Dotty“, „Paula“, „Lisa“, „Michael“, „Rüdiger“, „Diabolo“, „Jourdain“, „Katharina“, „Erika“ und „Luzifer“ auf der Spotlight-Bühne treffen, und sich dann noch in das Wiedersehen ganze neue Stücke einfügen.
Gezeigt werden an den drei Abenden „„Hydra – übernehmen Sie“ von Norbert Haber und „Romeo und Julia – Backstage“ von Heidi Moor-Blank. Es sind noch Karten erhältlich, aber man sollte schnell sein, denn die Premiere am 14. März ist bereits ausverkauft. Karten gibt es online auf der Webseite von Spotlight auf www.spotlight-theater.de.
Zum Inhalt der beiden Stücke
„Hydra – übernehmen Sie“ von Norbert Haber
Nikolas möchte auch gerne mit der neuen Zeit gehen, aber seine Frau Annegret scheut Anschaffungen von digitaler Technik. Als Kompromiss gibt er einer selbst gebastelten "ALEXA" Befehle, die Annegret ersatzweise ausführen muss - und zwar so lange, bis sie der Anschaffung einer echten ALEXA zustimmt. Herbert, ein vermeintlicher Technikfreak, überredet aber seinen Freund Nikolas, sich das Neueste vom Neuen, die Box HYDRA, zuzulegen. Mit dieser zusammen zieht auch ein "Geist" in den Haushalt ein, der der seelenlosen Box ein aufregendes Leben einhaucht…
„Romeo und Julia – Backstage“ von Heidi Moor-Blank
Die kleine Provinzbühne steht kurz vor der Premiere von "Romeo und Julia", doch es geht alles schief. Das Stück zeigt die Dramen, die sich HINTER der Bühne abspielen - in der Künstlergarderobe: Fehlende Schauspieler, nicht sitzender Text, dazwischen zwei Maskenbildner, die versuchen, den Laden zusammenzuhalten und die Premiere nicht platzen zu lassen.
Übrigens: Spotlight freut sich immer über neue Gesichter. Alle, die mindestens 18 Jahre alt sind und aus Erkrath, Unterbach, Unterfeldhaus, Gerresheim, Hochdahl und Umgebung kommen, können bei Spotlight mitmachen. Als Schauspieler oder hinter der Bühne bei der Technik, Requisite oder im Bühnenbau sind helfende Hände immer herzlich willkommen. Wer mitmachen kommt, meldet sich einfach bei Michael Kastner oder Karola Fritzsch per Mail an info@spotlight-theater.de.