Es ist Freitagspätnachmittag, die Sonnenstrahlen brechen sich im hellen Gelb eines frisch eingeschenkten Grauburgunders. Unter der Markthalle summt es wie in einem Bienenstock. An den Stehtischen mischen sich die Generationen. Da ist zum Beispiel eine fröhliche Müttergruppe: Sara, Mareen, Vanessa, Patricia und Natalie. Sie kommen gerade erschöpft, aber glücklich vom Stoffmarkt. „Wir nähen dieses Jahr die Schultüten für unsere Kids“, erzählt eine von ihnen lachend, während sie an ihrem Glas nippt. „Das Weinfest kommt jetzt genau richtig, um mal so richtig zu chillen.“
Für die passende Wohlfühlatmosphäre sorgen die Musiker. Während am Freitag die Band „Pure Vocals“ und DJ Sascha den Takt vorgaben, verzauberte am Samstag Paul, ein ehemaliger Schüler der Erkrather Jugendmusikschule, die Gäste mit sanften Saxofon-Klängen. Später übernahmen Willi Mörschbach aus Düsseldorf und „Elli & Friends“ das musikalische Ruder.
Selbst als der Himmel am Freitagabend die Schleusen öffnet und es anfängt zu schütten, tut das der Stimmung keinen Abbruch. Die Besucher rücken unter dem schützenden Dach der Bavier Halle einfach gemütlich enger zusammen. Man feiert trotzdem oder gerade deswegen.
Die Idee zum Weinfest wurde vor vier Jahren bei einer Sitzung der Interessengemeinschaft (IG) Erkrath geboren. Wolfgang Cüppers, der Vorsitzende der IG, erinnert sich trotz der aktuellen Fest-Hektik mit einem Lächeln an die Anfänge zurück: „Wir haben damals überlegt, wie wir Erkrath interessant aufwerten können.“ In Zusammenarbeit mit dem Quartier- und Citymanagement der Stadt wurde das Projekt schließlich Realität. Man schrieb Winzer von der Mosel, aus dem Ahrtal, Rheinhessen und vom Neckar an.
Zehn Weingüter haben in diesem Jahr den Weg nach Erkrath gefunden – darunter augenzwinkernd sogar ein italienisches. Ergänzt wird das Angebot von zahlreichen Food Trucks, die die Innenstadt beleben, sowie einem bunten Trödelmarkt auf der Bahnstraße am Samstag und Sonntag.
Die Winzer kommen gerne, denn das Erkrather Publikum gilt als herzlich. Elmar und Diana Hirschen vom gleichnamigen Weingut sind bereits zum zweiten Mal dabei. Sie produzieren gemeinsam mit Winzer Ferdi Schmitz rund 40.000 Flaschen Wein im Jahr. Der Weg nach Erkrath entstand durch puren Zufall und echte Freundschaft: Ihr Kumpel Hajo Fritsch ist Platzwart beim SSV Erkrath und rührte kräftig die Werbetrommel.
Ein paar Stände weiter schenkt Thomas Lersch vom Traditionsweingut Lersch aus Langenlonsheim (nahe Bad Kreuznach) ein. Er hat sich auf spritzige Weiß- und Roséweine spezialisiert und ist im dritten Jahr hier. Seine Philosophie spürt man bei jedem Schluck: „Die Freude an einem guten Glas Wein ist für uns Anspruch und Herausforderung zugleich.“
Wo so viel gelacht wird, darf der ernste Blick auf die Realität jedoch nicht fehlen. Ein Fest dieser Größenordnung ist ein Kraftakt. „Die ganze Arbeit wäre ohne die ehrenamtlichen Helfer der IG Erkrath sowie dem THW, der Feuerwehr und dem Roten Kreuz gar nicht zu stemmen“, betont Cüppers dankbar. Am Rand des Geschehens steht auch Tina Schlebusch, die Jugendbeauftragte der Erkrather Feuerwehr, und blickt mit einem strahlenden Gesicht auf das bunte Treiben.
Doch hinter den Kulissen drückt der Schuh. Die IG Erkrath ist ein gemeinnütziger Verein, darf also keine Gewinne erwirtschaften, muss aber die Kosten decken. Mittlerweile werden die Winzer über eine kleine Standmiete beteiligt, denn kostenfrei geht es nicht mehr. Im letzten Jahr blieb dennoch ein Defizit von rund 2.500 Euro, das die Stadt ausglich. Für dieses Jahr rechnet die IG mit einem Minus von etwa 2.000 Euro. Wie dieser Betrag angesichts der ohnehin extrem klammen Haushaltslage der Stadt Erkrath ausgeglichen werden soll, steht aktuell noch in den Sternen.
Erstmalig wurde in diesem Jahr der Erkrather Winzerpreis unter Beteiligung der Besucher vergeben: Gewonnen hat das Weingut Klaus Schäfer.