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ADAC Staubilanz 2023 für NRW​

Auf einen Blick : ADAC Staubilanz 2023 für NRW

Autofahrerinnen und Autofahrer haben auf den Autobahnen in Nordrhein-Westfalen 2023 deutlich mehr Zeit im Stau verbracht als im Vorjahr. Das geht aus der Staubilanz des ADAC in NRW hervor.

Auf den mehr als 2200 Autobahnkilometern summierte sich die Dauer aller Verkehrsstörungen auf 143.606 Stunden. Das sind rund 38 Prozent mehr als 2022 (104.191 Stunden). Autofahrer steckten damit fast 5984 Tage in Stau und stockendem Verkehr fest (2022: 4341 Tage). Im letzten Jahr vor der Corona-Pandemie (2019) lag die Staudauer mit 170.500 Stunden allerdings noch deutlich höher (7104 Tage).

Insgesamt zählte der ADAC auf den NRW-Autobahnen 2023 mehr als 167.000 Staus. Die Gesamtlänge aller gemeldeten Verkehrsstörungen betrug rund 255.500 Kilometer. Die Stau-Belastung (räumlich-zeitliche Stau-Ausdehnung) lag bei 591.500 Kilometer mal Stunden. Aufgrund einer neuen Methodik der ADAC Datenanalyse (seit Juni 2022) ist ein direkter Vergleich der Stauzahlen des Jahres 2023 mit den Vorjahreszahlen des Zeitraums Januar bis Mai sowie vergangener Jahre nur bedingt möglich. Die neue Methodik führt zu einem Rückgang der Stauanzahl und Staulängen. Sehr kleine Staus von sehr kurzer Dauer werden nicht mehr berücksichtigt. Die Staudauer ist annähernd mit der des Vorjahres vergleichbar.

Bundesweit bleibt Nordrhein-Westfalen weiter Stauland Nummer eins. Mehr als ein Drittel aller Stauereignisse entfielen 2023 auf NRW. Auch bei den Staukilometern (29,1 Prozent) und Staustunden (33,6 Prozent) hatte Nordrhein-Westfalen unverändert den größten Anteil. Dahinter folgen Bayern und Baden-Württemberg.

„Das Verkehrsaufkommen in NRW steigt und trifft auf eine marode Infrastruktur. Im vergangenen Jahr lagen 40 bis 50 Prozent aller bundesweiten Autobahnbaustellen in Nordrhein-Westfalen. Der Sanierungsbedarf auf den Fernstraßen ist gewaltig. Und immer wieder kommen neue Hiobsbotschaften hinzu. Brücken fallen von einem auf den anderen Tag komplett aus. Das sorgt für noch mehr Staus und erhöht die Belastung auf den umliegenden Autobahnen und Brücken. Autofahrer in NRW brauchen daher auch in den nächsten Jahren viel Geduld und starke Nerven, denn die Sanierungsmaßnahmen sind alternativlos“, erklärt Verkehrsexperte Prof. Dr. Roman Suthold vom ADAC in NRW. Auf den NRW-Autobahnen gab es 2023 zwischen 469 und 609 Baustellen im Monat. Im gesamten Jahr lagen die Staustunden deutlich über den Vorjahreswerten.

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Besonders belastet waren in NRW im vergangenen Jahr diese zehn Autobahnen: A1, A2, A3, A4, A40, A42, A46, A52, A57 und A59. Die meisten Staus gab es auf der A1 (15.906). Die A3 verzeichnete mit 34.072 Kilometern die größte Staulänge und mit 18.035 Stunden die längste Staudauer. Auch bei der Stau-Belastung (Dauer eines Staus mal Länge) erreichte die A3 mit 118.344 Kilometer mal Stunden den Spitzenwert.

Der Autobahnabschnitt mit den meisten Stauereignissen war die A42 zwischen Dortmund und Kamp-Lintfort (12.639 Meldungen). Die in Summe längsten Staus gab es mit 17.975 Kilometern auf der A3 zwischen Köln und Oberhausen. Hier brauchten Autofahrer auch die meiste Geduld (Staudauer: 10.172 Stunden). Gemessen an der Stau-Belastung waren die Auswirkungen für die Verkehrsteilnehmer auf der A3 zwischen Köln und Oberhausen mit 71.189 Kilometer mal Stunden ebenfalls am größten. Die A40 zwischen Duisburg und Essen erreichte bei der Anzahl der Staustunden je Kilometer Autobahn den NRW-Höchstwert (299). Den mit 44 Kilometern längsten Stau in NRW gab es am 25. August auf der A3 (Oberhausen - Köln) zwischen dem Kreuz Breitscheid und der Anschlussstelle Königsforst.

Bundesweit zählte der ADAC rund 504.000 Verkehrsstörungen auf deutschen Autobahnen. Die gemeldeten Staulängen summierten sich auf etwa 877.000 Kilometer Stau und stockenden Verkehr. Die registrierten Staustunden beliefen sich auf rund 437.000.

Auf den Fernautobahnen A1 bis A20 und A24 wurde in Summe eine Staudauer von 219.000 Stunden ermittelt. Betrachtet man die Staudauer der einzelnen Fernautobahnen bezogen auf die jeweilige Länge der Autobahn, liegt 2023 die A3 (51 Staustunden je Autobahnkilometer) vor der A8 (49) und der A10 (44).

Sieben Abschnitte in NRW, darunter mehrere aus dem Großraum Köln, gehörten 2023 zu den bundesweiten Top-15-Stauschwerpunkten:

- A3 Oberhausen - Köln (2.): 155 Staustunden je Autobahnkilometer

- A4 Aachen - Köln (5.): 97 Staustunden je Autobahnkilometer

- A2 Oberhausen - Dortmund (6.): 93 Staustunden je Autobahnkilometer

- A1 Münster - Dortmund (7.): 88 Staustunden je Autobahnkilometer

- A1 Dortmund - Köln (8.): 73 Staustunden je Autobahnkilometer

- A1 Köln - Euskirchen (13.): 61 Staustunden je Autobahnkilometer

- A1 Oberhausen - Arnheim (14.): 60 Staustunden je Autobahnkilometer

Zu den bundesweiten TOP-15-Abschnitten mit den meisten Staustunden je Autobahnkilometer auf den übrigen Autobahnen zählten neun aus NRW:

- A40 Duisburg - Essen (2.): 299

- A59 Bonn - Köln (4.): 287

- A544 Aachen (Europaplatz) - Kreuz Aachen (5.): 280

- A52 Essen - Düsseldorf (6.): 216

- A59 Duisburg - Dinslaken (7.): 197

- A46 Düsseldorf - Wuppertal (10.): 163

- A42 Kamp-Lintfort - Dortmund (11.): 162

- A559 Köln-Gremberg - Köln Porz (12.): 148

- A40 Dortmund - Essen (13.): 148

Die drei stauintensivsten Tage in Nordrhein-Westfalen waren kurz nach den Herbstferien Freitag, der 20. Oktober (862 Staustunden), Mittwoch, der 25. Oktober (846) und Freitag, der 27. Oktober (842).

Im Tagesverlauf traten 2023 unter der Woche vor allem zwischen 7 und 9 Uhr morgens sowie zwischen 15 und 19 Uhr nachmittags die meisten Staus auf. In den Morgen- und Nachmittagsspitzen waren 2023 wieder deutlich mehr Staustunden und Staukilometer zu verzeichnen als im Vorjahr.

Im Wochenverlauf lag das Staugeschehen in NRW von Dienstag bis Freitag auf hohem Niveau. Für Mittwoch und Donnerstag ermittelte der ADAC im Durchschnitt die meisten Staumeldungen (624/595), Staukilometer (1027/970) und Staustunden (541/520). Am Montag war die Verkehrslage auf den Autobahnen hingegen etwas weniger schlimm (483 Staus/702 Kilometer/390 Stunden). Vor allem die Morgen- und Nachmittagsspitze war montags schwächer ausgeprägt. Den geringsten Berufsverkehr auf den NRW-Autobahnen gab es unter der Woche am Freitagmorgen. Dafür hatte der Freitag eine breitere und höhere Nachmittagsspitze als die übrigen Werktage, weil hier Berufsverkehr, Freizeit- und Urlaubsverkehr aufeinandertreffen. Schon ab Mittag (12/13 Uhr) brauchten Autofahrer freitags oft mehr Geduld. Die wenigsten und kürzesten Staus gab es am Wochenende, Samstag (233/222/182) und Sonntag (152/165/127).

Der staureichste Monat des Jahres war in Nordrhein-Westfalen der November. Der ADAC zählte auf den Autobahnen in NRW insgesamt 16.152 Staumeldungen mit einer Länge von 26.898 Kilometern. Die Staudauer lag mit 14.522 Stunden etwas unter dem Oktober-Wert (14.877). Typischerweise zählt der November zu den staureichsten Monaten des Jahres. Viele Pendler steigen mit den kälter werdenden Temperaturen auf das Auto um und müssen sich erst wieder an die schlechten Sicht- und Fahrbedingungen gewöhnen. Außerdem sind bei den meisten Arbeitnehmern die Urlaubstage nahezu aufgebraucht. Hinzu kamen zahlreiche Baustellen in NRW, Autobahnsperrungen, Einschränkungen im Bahnverkehr, Verkehrsunfälle und der Wintereinbruch Ende November.

Ausblick: Für 2024 rechnet der ADAC in NRW erneut mit einem steigenden Verkehrsaufkommen auf den Autobahnen. Nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums müssen in den kommenden Jahren alleine 873 Brücken an Autobahnen in NRW saniert oder neu gebaut werden. Autofahrer in NRW brauchen also wieder viel Geduld und gute Nerven. Nähert sich der Berufspendlerverkehr weiter dem Vor-Corona-Niveau an, droht vor allem im Ruhrgebiet noch mehr Stillstand auf den Autobahnen. Stau-Hotspot bleibt hier das Kreuz Kaiserberg, Stau-Autobahn Nummer eins die A40. Im Rheinland ist die Freigabe des ersten Teils der neuen Leverkusener Brücke auf der A1 ein Lichtblick und könnte zu etwas Entlastung auf dem Kölner Autobahnring führen.

Das fordert der ADAC in NRW:

- Das Sanierungstempo hält mit dem Sanierungsbedarf nicht annähernd Schritt. Um die Sperrung weiterer maroder Brücken zu verhindern, muss eine Priorisierung der Maßnahmen nach akuten Ausfallrisiken vorgenommen werden. Jede gesperrte Brücke verursacht einen erheblichen Schaden für den Wirtschaftsstandort NRW.

- Planungs- und Genehmigungsverfahren müssen weiter vereinfacht und beschleunigt werden. Es muss schneller gehen vom Planungsbeginn bis zum Baurecht. Lange Realisierungszeiten liegen auch an zu viel Bürokratie. Behörden müssen – wo noch nicht geschehen – digitale Akten einführen, damit Prozessschritte parallel bearbeitet werden können.

- Land und Bund müssen an einem Strang ziehen und den Erhalt und die Erneuerung von Brücken als gemeinsame Aufgabe verstehen. Diskussionen über Zuständigkeiten interessieren weder Berufspendler noch Unternehmer.

- Eine klare und frühzeitige Kommunikation von Baustellenmaßnahmen sorgt für eine Halbierung der Probleme während der Bauphase. Betroffene Kommunen müssen von Anfang an informiert und eingebunden werden, um Ausweichrouten bestmöglich planen zu können und ein größeres Verkehrschaos in den Städten zu verhindern. Hier ist noch Luft nach oben. Das zeigt zum Beispiel die Brückensperrung auf der A42, wo Informationen über Details und Dauer der Vollsperrung zunächst nicht ausreichend an betroffene Städte und Öffentlichkeit kommuniziert wurden.

- Die Lerneffekte aus der Coronazeit dürfen nicht vergessen werden! Durch Homeoffice und Mobiles Arbeiten lässt sich die Zahl der Arbeitswege und dienstlichen Reisen deutlich reduzieren. Wer zwei Tage pro Woche zuhause bleibt, senkt seinen persönlichen Berufsverkehr um 40 Prozent. Flexible Arbeitszeitregelungen können verhindern, dass alle zu den Stoßzeiten ins Büro fahren. Wenn das Verkehrsaufkommen nur um fünf bis zehn Prozent sinkt, hat das überproportional positive Auswirkungen auf die Stausituation.

- Der Preis für das Deutschlandticket bleibt 2024 bei 49 Euro pro Monat. Das ist eine gute Nachricht für Verbraucher, die in vielen Lebensbereichen mit Kostensteigerungen umgehen müssen. Auch in den kommenden Jahren sollten große Preissteigerungen vermieden werden. Auf der anderen Seite müssen sich das Angebot und die Qualität des ÖPNV verbessern. Mehr Zuverlässigkeit sowie Investitionen in Taktverdichtung, Infrastrukturerneuerung und Ausbau sowie zusätzliche Fahrzeuge sind notwendig. Die Personalknappheit auf der Schiene muss dringend beseitigt werden. Gestrichene Verbindungen, Zugausfälle und damit verbunden längere Reisezeiten schrecken ansonsten trotz günstigem Preis des Deutschlandtickets vom Umstieg ab. Laut einer ADAC Mitglieder-Umfrage würden fast 50 Prozent derer, die das Deutschlandticket derzeit nicht nutzen, ihre Entscheidung bei einer besseren ÖPNV-Infrastruktur überdenken.

So ermittelt und zählt der ADAC die Staus: Der ADAC nutzt zur Stauermittlung Fahrzeugflotten mit ihren Geschwindigkeitsdaten. Nutzer von Online-Navigationsgeräten, Smartphone-Apps sowie Onboard units der Fuhrparks großer Speditionen liefern ständig anonymisiert und automatisiert ihre Positions- und Geschwindigkeitsinformationen („Floating Car Data“, im Durchschnitt mehr als eine Milliarde Positions- und Geschwindigkeitsinformationen täglich) von deutschen Straßen. Diese Live-Daten werden zur Berechnung von Verkehrsstörungen verwendet.

Der ADAC erfasst eine Verkehrsstörung, wenn auf einem Straßenabschnitt von mindestens 300 Metern über einen Beobachtungszeitraum von zehn Minuten die Durchschnittsgeschwindigkeit von mehreren Fahrzeugen (mind. 30 Geschwindigkeitswerte von unterschiedlichen Fahrzeugen) unter 30 Prozent der erlaubten Geschwindigkeit fällt. Die Verzögerungszeit gegenüber „freier Fahrt“ muss mindestens eine Minute betragen. Liegt die Durchschnittsgeschwindigkeit zwischen 40 und 20 km/h, spricht der ADAC von dem Ereignis „stockender Verkehr“, bei Geschwindigkeiten unter 20 km/h von „Stau“. Beide Ereignisse werden als Verkehrsstörung gezählt. Wichtig: Jede Verkehrsstörung wird nur einmal gezählt.

In die Längenbilanz (Gesamtkilometer) fließen nur Verkehrsstörungen ab einem Kilometer Länge ein. Nur die längste Ausdehnung, die das Stauereignis im zeitlichen Verlauf aufweist, fließt in die ADAC Statistik (Staukilometer) ein. Jede Meldung enthält eine Eingangs- und eine Ablauf- bzw. Löschzeit. Daraus ergibt sich die Dauer eines Staus. Durch die Summierung der einzelnen Stauzeiten errechnet sich die Gesamtzahl der Staustunden.

Kenngröße Stau-Belastung: Die Stau-Belastung beschreibt die räumlich-zeitliche Ausdehnung eines Staus. Sie ermittelt sich, indem man die Länge (Kilometer) und die Dauer (Minuten bzw. Stunden) eines Staus miteinander multipliziert. So werden langanhaltende Staus entsprechend stärker berücksichtigt als kurzfristige Stauereignisse. Die räumlich-zeitliche Ausdehnung stellt damit die Auswirkung eines Staus für die Verkehrsteilnehmer zutreffender dar als lediglich dessen Länge oder Dauer, denn: Im Hinblick auf die Belastung der Autofahrer ist es ein Unterschied, ob ein Stau von zwei Kilometern Länge nur 20 Minuten dauert oder zwei Stunden, oder ob ein fünf Kilometer langer Stau nur von kurzer Dauer ist oder beispielsweise wegen einer Vollsperrung vier Stunden bestand.