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Klniken sind gut gerüstet: „Die Angst ist gefährlicher als das Virus“

Klniken sind gut gerüstet : „Die Angst ist gefährlicher als das Virus“

Die Zahl der Covid-Kranken geht nicht nur im Kreis Mettmann zurück. Trotzdem haben viele Patienten Sorge, sich in Praxen und Krankenhäusern behandeln zu lassen – mit teils dramatischen Folgen.

Die Pandemie birgt neue Risiken: Vermehrt kommen jetzt Patienten erst in die Klinik, wenn sie die Schmerzen nicht mehr aushalten können. Die Folgen können verheerend sein, wenn beispielsweise Entzündungen nicht rechtzeitig eingedämmt würden und sich immer weiter im Körper ausbreiten. Notwendige Operationen werden deutlich erschwert, der Patient bleibt länger in Narkose, die Wahrscheinlichkeit von Komplikationen ist erhöht und auch eine intensivmedizinische Betreuung ist möglicherweise angezeigt. Nachvollziehbar ist die Sorge der Patienten. „Vor einigen Wochen konnte man die Angst angesichts der Bilder aus Amerika und Italien noch nachvollziehen“, sagt Dr. Udo Huberts. „Doch“, so der Ärztliche Direktor des St. Josef Krankenhauses Haan weiter, „in Deutschland hatten wir diese Situation nie.“ Die Kliniken wären jederzeit in der Lage gewesen, alle Patienten mit oder ohne Covid-19 behandeln zu können.

„Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem die Angst gefährlicher ist als das Virus“, sagt Dr. Udo Huberts angesichts der weit fortgeschrittenen Krankheiten, mit denen die Patienten kommen. Das kann auch Dr. Oliver Axmann bestätigen, der als erfahrener Notfallmediziner im St. Josefs Krankenhaus Hilden die Folgen einer zu späten Behandlung beschreibt: „Wird ein Infarkt zum Beispiel zu spät behandelt, steigt die Gefahr einer dauerhaften Herzschwäche.“ Mit all den Einschränkungen, die das auf den Alltag der Patienten habe. Daher raten die beiden Ärztlichen Direktoren auch, sich nicht nur auf die eigene Expertise zu verlassen, sondern sich ärztlichen Rat einzuholen. Zur Abklärung, ob eine akute medizinische Behandlung notwendig ist, finden auch nach telefonischer Vereinbarung die Sprechstunden in beiden Häusern wieder statt. „Hier“, sagt Dr. Udo Huberts, „können wir gemeinsam mit den Patienten entscheiden, welche Behandlungen jetzt notwendig sind und sicher durchgeführt werden können.“ Dr. Oliver Axmann ergänzt: „Für Notfälle sind wir natürlich ohne Termin und rund um die Uhr da.“

Beide Krankenhäuser haben die letzten Wochen intensiv genutzt, um sowohl die Covid-19-Patienten zu versorgen und die Grund- und Regelversorgung aufrecht zu erhalten. Die Gefahr, dass sich infektiöse und nicht-infektiöse Patienten treffen, ist gering. „Im Grunde haben wir in einem Gebäude gerade zwei getrennte Kliniken“, erklärt Dr. Oliver Axmann. Bereits vor dem Haupteingang werden Patienten nach Symptomen gefragt und bei grippalen Anzeichen über einen separaten Eingang in die neu eingerichtete Infektionsambulanz geleitet. Wartebereiche, Behandlungs- und Patientenzimmer sind streng voneinander getrennt. Das gilt in Haan und ebenso für Hilden. Auch heute bei weiterhin sinkenden Infektionszahlen.

Trotz der neuen Normalität mahnen beide Mediziner zur Vorsicht. „Wir dürfen jetzt nicht nachlassen, auch wenn die Beschränkungen gelockert wurden“, rät Dr. Udo Huberts. Im Klartext heißt das, weiter auf die Abstandsregel zu achten, regelmäßig und gründlich die Hände zu waschen und soziale Kontakte zu beschränken.