Reitsport aus der Region: Ein Faun für alle Fälle

Reitsport aus der Region : Ein Faun für alle Fälle

Zuckerbrot und Peitsche - im übertragenden Sinne gilt das heute für viele Pferde, die im hohen Sport gehen. Aber auch für ihre zweibeinigen Partner. Einer, der davon ein Liedchen singen kann, ist Marc Rose aus Hilden.

Seit über 20 Jahren ist er im Geschäft, er ist gelernter Pferdewirt, Berufsreiter mit Erfolgen bis in die Schwere Klasse. Kein einfacher Job, in dem man sich nicht viele Fehler leisten kann, schließlich könnten die das Ende der eigenen beruflichen Laufbahn bedeuten. Denn die Reitgemeinde in Deutschland ist klein, schlechte Publicity spricht sich schnell rum. Marc Rose könnte stundenlang von schwierigen Kunden erzählen und auch von solchen, mit denen die Zusammenarbeit richtig viel Spaß macht. Da gibt es beispielsweise die, bei denen „Time is money“ ein Lebensmantra ist. Die, die den schnellen Erfolg bei ihren edlen Vierbeinern erzielen wollen. Das ist aber beim Partner Pferd nicht immer so leicht umsetzbar. Schließlich geht es hier um ein Lebewesen und nicht um einen Roboter.

In solchen Momenten muss der Bereiter entscheiden, welchen Weg er mit dem Pferd gehen möchte, was machbar ist und was nicht. Sind er und der Besitzer des Tieres unterschiedlicher Meinung, trennen sich die Wege meist auch wieder recht schnell. Solche und andere, aber natürlich auch viele unkomplizierte Kunden hat Marc Rose im Laufe seiner Karriere kennengelernt. Diese Erfahrungen haben ihn in seinem Job geformt. Ebenso die zahlreichen Pferde, die er fordern und fördern durfte. Denn eines ist ganz klar: Beim Reiten lernt man nie aus. Ein ganz besonderes Pferd, was Marc Rose schon seit mehr als zwei Jahrzehnten begleitet, ist Faun. Ein heute 22-jähriger Rheinländer-Hengst. Zahlreiche Turniere hat der Hildener mit dem schicken Dunkelfuchs bestritten. Ein kleiner Auszug gefällig? Siege und Platzierungen in Dressurprüfungen bis einschließlich Klasse S (unter anderem 33 Siege in M* und M**, zehn Siege in S*) und Inter I platziert. „Gekauft habe ich ihn damals als Absetzer-Fohlen“, erinnert sich Marc Rose. Zu seiner Züchterin, Antje Coenen-Hons, verbindet ihn bis heute eine tiefe Freundschaft.

Schritt für Schritt sind Faun und Marc gemeinsam ihren Weg im Dressursport gegangen. „Mein größter und bisher noch nicht erreichter Wunsch in der Reiterei - das Goldene Reitabzeichen“, sagt Marc Rose. Sein für ein Sportpferd schon gesetzteres Alter, sieht man dem bis dato noch gut im Lack stehenden Deckhengst kaum an. Im Gegenteil - Faun und sein 45jähriger Reiter sind offen für Neues und wagten sich im vergangenen Jahr an die zur Zeit im Trend liegende Disziplin „Working Equitation“ heran. „Das hatten wir beide ziemlich schnell raus. Selbst seine erste Begegnung mit echten Rindviechern, um den für die Prüfungen erforderlichen Rinderschein zu erhalten, hat dem Dunkelfuchs sichtlich Spaß gemacht. Er wollte schon immer mal Kühe jagen“, schmunzelt Rose. Das Ergebnis von nicht mal einem Jahr Training in dieser Sparte: Sieger im Mitteldeutschen Cup Working Equitation Klasse M 2019. Da kann man zu Recht stolz drauf sein. Hier möchte Marc Rose sein Können weiter ausbauen und hat sich dafür stilecht einen kleinen Spanier gekauft. Klaus Kinski ist der Name des hübschen Dunkelfuchses und ausgebildet wird er selbstverständlich vom Chef persönlich.

„Im Juni kommt Fauns Tochter aus seinem ersten Fohlenjahrgang zum Anreiten, die dann dreijährig ist und ebenfalls von Antje Coenen-Hons gezogen wurde. Außerdem warten wir in diesem Zeitraum auf zwei weitere Kinder Fauns, die in diesem Zeitraum hoffentlich gesund und munter das Licht der Welt erblicken werden.“ Für Nachwuchs in allen Bereichen ist also bestens gesorgt und zusätzlich steht natürlich noch das tägliche Training mit seinen Berittpferden auf dem Programm. Ob jemals eines dieser Pferde Faun tatsächlich das Wasser reichen kann, wird die Zukunft zeigen. „Was ich immer in all’ den Jahren an ihm geschätzt habe, war seine enorme Leistungsbereitschaft und sein Kämpferherz. Denn während seiner sportlichen Karriere musste er verletzungsbedingt immer wieder mal Pausen einlegen. Holte ich ihn dann, wenn er wieder gesund war, zurück ins Training, war er mit Feuereifer dabei.“

Viele Sportpferde in Fauns Alter genießen bereits das Rentnerdasein. „Bei uns ist das anders. So lange die Richter uns noch sehen wollen und Faun gesund ist, gehen wir auch noch an den Start.“ Mittlerweile ist für Faun auch etwas Abwechslung zwischen Piaffe und Passage hinzu gekommen und neben „Working Equitation“, geht’s natürlich nun auch vermehrt für ausgedehnte Ausritte ins Gehölzene. Und auch Marc Rose liebt die Abwechslung. Die Laienschauspielerei, ob auf der Bühne oder vor der Kamera (manchmal sogar mit Pferd) haben es dem gebürtigen Düsseldorfer angetan. Tierfotografie liebt er genauso wie alte Autos, schicke Kleidung und die gekonnte Selbstinszenierung in der Social Media-Welt. „So bringe ich ausreichend Abwechslung in mein Leben und bleibe geistig wie körperlich flexibel.“ Wir wünschen ihm und seinen Vierbeinern in diesem Sinne alles Gute für die Zukunft.

(nic)