So erlebt eine junge Hildenerin die aktuelle Lage in Australien: „Ich habe mich komplett in das Land ‚down under’ verliebt“

So erlebt eine junge Hildenerin die aktuelle Lage in Australien : „Ich habe mich komplett in das Land ‚down under’ verliebt“

Verheerende Buschfeuer in Australien beuteln den Kontinent. Milliarden von Tieren sind dieser Naturkatastrophe bereits zum Opfer gefallen. Viele Menschen haben ihre Heimat verloren oder sogar ihr Leben. Wir sprachen mit der Hildenerin Chiara Salerno, die seit rund drei Jahren in Australien lebt, wie sie die derzeitigen Ereignisse vor Ort erlebt.

Lokal Anzeiger Erkrath: Wo genau bist du zur Zeit in Australien und seid ihr auch von den Feuern betroffen? Wenn ja, in welchem Umfang?
Chiara Salerno: Ich wohne jetzt schon seit fast drei Jahren in Perth, an der Westküste. Wir sind hier glücklicherweise (noch) nicht oder sehr gering nur betroffen. Ein paar Feuer haben es auch hier geschafft, rund 40 Minuten von mir entfernt, jedoch waren diese nicht so extrem und die Feuerwehr konnte diese löschen. Abgesehen von dem eigentlichen Feuern waren wir mehr von einer gewissen Knappheit an Lebensmitteln betroffen, die hauptsächlich von der Ost-und Südküste kommen. Einigen Fast Food Restaurants und Supermarktketten mangelt es an Früchten und Fleisch.

Viele Menschen haben ihr Zuhause verloren oder sind bedroht davon. Wie geht es den Farmern vor Ort? Können Sie etwas tun, um ihr Vieh zu schützen?
Viele Farmer und deren Vieh sind betroffen und viele konnten nichts tun, außer sich selbst und vielleicht einen geringen Teil ihrer Tiere mitzunehmen, als sie evakuiert wurde. Durch die Trockenheit und den Wind sind die Feuer schneller und extremer geworden als je jemand vermutet hätte.

Vor allem das Feuer, aber auch die massive Trockenheit haben in den letzten Monaten Menschen und Tieren sehr zugesetzt. Teilweise haben die Bauern kein Futter mehr, um ihre Tiere zu versorgen. Zu welchen Maßnahmen greifen die Betroffenen, um zu retten, was noch zu retten ist?
Die Australier sind sehr hilfsbereite Menschen. Deshalb haben sich unglaublich viele Australier untereinander ausgeholfen, sei es mit Futter für die Tiere, wie Heu oder Stroh oder Unterkünfte für Tiere und Menschen. Zahlreiche Geldspenden, sowie Lebensmittel, Kleidung und Hygieneartikel haben die Australier gespendet. Hier helfen sich wirklich alle untereinander.

Gibt es finanzielle Hilfspakete oder andere Maßnahmen seitens der Regierung, um den Brandopfern zu helfen?

Um ehrlich zu sein, habe ich das Gefühl, dass die Australier sich selbst mehr untereinander helfen, als dass die Regierung sie unterstützt. Bestes Beispiel ist der Ministerpräsident von Australien, Scott Morrison. Der hat Urlaub gemacht, während sein Land brannte. Leider finde ich die Regierung hier in Australien erschreckend, nutzlos und sehr eigennützig. Die ganzen Spendenaufrufe und Hilfspakete stammen überwiegend von Einheimischen oder aus dem Ausland und nicht von seiten der Regierung.

Buschbrände gab es schon immer in Australien. Diese hier sind aber mit Abstand die massivsten, die der Kontinent je erlebt habt. Findet derzeit auch ein Umdenken statt, wie man vielleicht zukünftig solche dramatischen Ereignisse eingrenzen, vielleicht sogar verhindern kann?

Wie eben schon erwähnt, die hiesige Regierung war sich mit Sicherheit im Klaren, dass so etwas passieren kann und der Klimawandel im vollen Gange ist. Dennoch haben sie lieber weggeschaut, anstatt etwas dagegen zu tun. Mir persönlich ist allerdings aufgefallen, dass die Australier beispielsweise versuchen, weniger Plastik zu verbrauchen und nachhaltig zu handeln. Ob die Regierung noch einen Schritt weiter in die richtige Richtung gehen wird, ist meiner Meinung nach dennoch zu bezweifeln.

Bist du selbst auch aktiv was die Hilfe für die Brandopfer (egal ob Mensch oder Tier) angeht?
Ich selbst war in den letzten Wochen intensiv in den Sozialen Medien aktiv, habe dort auf das Thema aufmerksam gemacht und an vier Organisationen gespendet.

Wofür werden die gespendeten Gelder derzeit am nötigsten gebraucht?
Am nötigsten werden die Spenden für das Pflanzen neuer Bäume gebraucht. Auch Organisationen, die den verletzten Menschen und Tieren helfen, sind auf die Spendengelder angewiesen.

Haben die Feuer deinen Blick auf den Klimawandel noch zusätzlich verschärft? Was tust du, damit deine und die kommenden Generationen auf diesem Planeten noch leben können?

Der Klimawandel ist schon seit mehreren Jahren ein Thema für mich und die Brände haben mir bewiesen, wie schlimm die Konsequenzen sind. Für mich persönlich ist es grausam mitzuerleben, wie Milliarden Tiere sterben mussten und wie sehr die Natur darunter leidet.

Hast du eine Botschaft an die Menschen, die den Klimawandel immer noch leugnen?
Öffne deine Augen und schau dich bitte um in der Welt, vergleiche das Jetzt mit der jüngeren Vergangenheit. Glaubst du wirklich, der Klimawandel ist ein Hirngespenst? Ich persönlich versuche, nachhaltig zu leben. Weniger Müll zu produzieren, kein Wasser zu verschwenden und viel zu recyceln.

Wie würdest du abschließend das Leben in Australien, so wie du es zur Zeit erlebst, unabhängig von den Bränden beschreiben (Land, Leute, Alltag, Natur, Tiere ect.)?
Was kann ich sagen? Mein eigentlicher Plan war damals, für drei Monate nach Australien zu gehen. Nun ist es schon fast das vierte Jahr. Die Menschen, das Wetter, die Natur, die unglaublichen Strände und die Tiere sind definitiv das was mich immer noch hier hält. Jedoch ist das Leben auf dem Kontinent auch kein Zuckerschlecken, vor allem nicht, wenn man kein Einheimischer ist. Ich habe mich dennoch komplett in das Land ‚down under’ verliebt und werde weiterhin darum kämpfen, hier leben zu können.

(Nicole Palmieri)