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Die Caritas im Kreis Mettmann hilft: Corona-Hotline: „Wir finden eine Lösung“

Die Caritas im Kreis Mettmann hilft : Corona-Hotline: „Wir finden eine Lösung“

Die Caritas im Kreis Mettmann steht Menschen auch während des Lockdowns mit Rat und Tat zur Seite. Im Gespräch mit dem Lokal Anzeiger Erkrath erzählt Caritas-Bereichsleiter Thomas Rasch, mit welchen Problemen er und seine Mitarbeiter in diesen Tagen verstärkt konfrontiert werden.

Seit Mitte Dezember befindet sich Deutschland zum zweiten Mal im harten Lockdown. Die damit verbundenen Maßnahmen stellen die Menschen auch in Erkrath vor zum Teil gravierende Probleme. Schon im März letzten Jahres, während des ersten Lockdowns, hat die Caritas des Kreises Mettmann deshalb eine Corona-Sorgen-Hotline eingerichtet, um zu signalisieren: Niemand wird mit seinen Schwierigkeiten, egal ob große oder vermeintlich kleine, allein gelassen. Wir haben mit Caritas-Bereichsleiter Thomas Rasch darüber gesprochen, was die Menschen in der aktuellen Situation umtreibt und welche Hilfsangebote die Caritas machen kann.

Herr Rasch, Sie und ihr Team wollen den Menschen in Mettmann und Umgebung auch in Zeiten des Lockdowns zur Seite stehen. Wer Rat sucht, kann sich an Sie wenden, zum Beispiel über die Corona-Sorgen-Hotline. Mit welchen Problemen wenden sich die Anrufer an sie?

Thomas Rasch: Das ist ganz unterschiedlich. Tatsächlich handelt es ich oft um kleinerer Wehwehchen. Manche brauchten Unterstützung beim Einkaufen. Es kam auch schon vor, dass jemand darum gebeten hat, seinen Hund Gassi zu führen.

Konnten Sie helfen?

Rasch (lacht): Ich persönlich nicht, aber wir haben einen ehrenamtlichen Mitarbeiter gefunden, der sich der Sache angenommen hat.

Wahrscheinlich sind nicht alle Probleme so leicht zu lösen.

Rasch: Das stimmt leider. Aber wir tun das, was in unseren Möglichkeiten steht. Und  wenn wir  nicht  mehr weiter wissen, dann können wir in jedem Fall aber sagen, an  wen  man sich wenden kann. Es haben beispielsweise Leute angerufen, deren Corona-App potenziell gefährliche Kontakte angezeigt hat. Die verweisen wir dann natürlich ans Gesundheitsamt. Manchmal reicht es aber auch schon, einfach nur da zu sein und zuzuhören. Wir hatten einige Anrufe, insbesondere von älteren Menschen, die sich einsam gefühlt haben, weil sie kaum noch Kontakt zur Außenwelt hatten. In dem Fall ist es schon eine große Erleichterung, wenn man mal wieder mit jemandem sprechen kann. Deshalb war es uns auch wichtig, die Corona-Hotline über die Feiertage zu besetzen. Die Leute sollen wissen, dass wir jederzeit für sie da sind und dass wir versuchen, eine Lösung für ihre Probleme finden.

Auf welche Probleme haben Sie sich im Vorfeld eingestellt?

Rasch: Schon auch auf schwerwiegende. Deshalb haben wir ein Team zusammengestellt mit Experten für Schuldnerberatung und für häusliche Gewalt. Wir leisten auch geistlichen Beistand, wenn er gewünscht wird. Mit Corona ist ja auch das Thema Tod und der Umgang damit stärker in den Fokus gerückt. Uns war es wichtig, Fachleute aus verschiedenen Bereichen in die Aktion einzubinden, weil wir am Anfang auch nicht absehen konnten, welche Probleme an uns herangetragen würden. Wir wussten nicht: Was macht die Situation mit den Menschen, die permanente Bedrohung und der ganze Druck.

Wissenschaftler haben vor einem Anstieg häuslicher Gewalt in Lockdown-Zeiten gewarnt. Gab es Anrufe zu diesem Thema?

Rasch: Nein, zumindest nicht über die Corona-Hotline. Dennoch haben wir den Eindruck, dass sich dieses Problem verschärft hat. Wir beschäftigen uns bei der Caritas Mettmann ja schon länger damit, arbeiten als einzige Institution im Kreis mit den Tätern unter dem Motto „Täterarbeit ist Opferarbeit“. Es haben sich gerade in letzter Zeit erstaunlich viele gemeldet, die freiwillig Hilfe suchten, weil sie entweder schon gewalttätig geworden sind oder die Gefahr sahen, es zu werden. Viele Familien sind derzeit über längere Zeit, zum Teil auf engem Raum, Tag und Nacht zusammen. Das zerrt unter Umständen an den Nerven. Deshalb sollte man sich rechtzeitig Hilfe suchen, bestenfalls bevor etwas passiert. Unsere Experten stehen bereit.

Die Caritas Corona-Sorgen-Hotline ist unter der Nummer 02104/926292 werktags von 9 bis 16:30 Uhr erreichbar. In der übrigen Zeit besteht die Möglichkeit, eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter zu hinterlassen. Die Caritas ruft innerhalb von 24 Stunden zurück.

Speziell für familiäre Belange hat die Caritas auch noch die Familien-Hotline eingerichtet. Die Caritas-Familienhilfen bieten gerade jetzt in der Krise bei ihren Hausbesuchen, per Telefon und Videochat Beratung und Austausch an, zeigen Bewältigungsstrategien beispielsweise durch praktische Anregungen zur Tagesgestaltung, liefern einen Ideen-Pool an Spiel- und Beschäftigungsmöglichkeiten

(dir)