EVK Mettmann: Menschen mit Demenz im Krankenhaus

EVK Mettmann : Menschen mit Demenz im Krankenhaus

Patienten mit Demenz gehören zum Krankenhausalltag – ein auf den Bedarf dieser Patienten abgestimmtes Versorgungskonzept nicht. Im Evangelischen Krankenhaus Mettmann hat vor wenigen Jahren ein Modellprojekt gestartet, das nun fester Bestandteil des Versorgungsangebotes geworden ist: die Station Vitalis. Auf ihr werden bis zu 15 internistische Patienten mit der Nebendiagnose Demenz versorgt. Ein Leuchtturmprojekt...

Grundlage für die Belegung der Station ist ein sogenanntes ISAR-Screening (Identification of seniors at risk), um den altersmedizinischen Bedarf abzufragen. „Zunächst einmal muss man eine altersbedingte Vergesslichkeit wirklich von einer Demenz unterscheiden“, sagt Dr. med. Christian Berg, Chefarzt der Inneren Medizin und ärztlicher Leiter der Seniorenstation. „Das Vergessen des Schlüssels oder das Verlegen der Brille ist nicht gleich eine Demenz – und auch bei einer Demenz unterscheiden sich Ausprägung und Ausdrucksform immens“, so Berg weiter.

Eine demenzielle Veränderung liegt dann vor, wenn kognitive Defizite auftreten, also die Sprache oder das Sprachverständnis, die Motorik, die Gedächtnisleistung oder auch die Orientierung nachlassen oder gar verloren gehen. Bei Patienten, die mit der Nebendiagnose Demenz stationär behandelt werden müssen, führen dann die fremde Umgebung und die fremden Menschen zu Unsicherheit und Angst. „Abhängig davon wie stark die Demenz vorangeschritten ist, haben diese Patienten einen starken Bewegungsdrang, andere sind sehr laut und unruhig und wieder andere ziehen sich sehr zurück.

Die Zimmer auf der Station – Ein- und Zweibett-Zimmer – sind hell und freundlich gestaltet. Foto: EVK Mettmann/Kathrin Heikaus

Und eben diese Demenz-Patienten, die aufgrund der älter und altersbedingt auch kränker werdenden Gesellschaft in der Anzahl steigen, müssen im Krankenhaus gut und sicher mit einem eigenen, bedarfsgerechten Behandlungskonzept versorgt werden. Das EVK Mettmann hat mit der Station Vitalis, die sich sowohl in ihrer Gestaltung, als auch mit dem Betreuungskonzept deutlich von anderen Stationen im Krankenhaus abhebt, auf die Herausforderungen des demographischen Wandels reagiert.

Die Station ist in Orangetönen gestaltet und bietet damit eine deutliche Wiedererkennung im Haus. Zimmertüren sind mit großen Blumen beklebt, damit die Patienten ihr Zimmer wiederfinden können. Die Türen am Ausgang der Station sind ebenfalls mit einem Bild beklebt – es dient als Schutz. „Einige Patienten wollen in ihrer Rast- und Orientierungslosigkeit weglaufen, was natürlich gefährlich sein kann. Hier ist der Ausgang aber nicht als Ausgang zu erkennen, so dass die Gefahr des Weglaufens gemindert wird“, erklärt Neurologe Dr. med. Harald Brauer, der den Aufbau der Station von Beginn an begleitet hat. Neben der Gestaltung der Station sind vor Ort auch viele unterschiedliche Berufsgruppen tätig, denn es gilt die Patienten nicht nur zu pflegen, sondern auch zu betreuen.

Seniorenalltagsbegleiter besuchen die Patienten, um mit ihnen zu singen, ihnen vorzulesen, ein Gesellschaftsspiel zu spielen oder auch einfach nur, um eine Tasse Kaffee in Gesellschaft zu ermöglichen. Hinzu kommt die regelmäßige Bewegungstherapie durch Physiotherapeuten und mit Hilfe eine Moto-Ergometers, die Schlucktherapie mit Logopäden und die Ergotherapie zur Förderung der kognitiven Fähigkeiten. Die Pflegekräfte des Krankenhauses, die auf der Station Vitalis arbeiten, sind darüber hinaus speziell geschult und weitergebildet – sie kümmern sich einfühlsam darum, dass jeder Patient zur Ruhe kommen kann und der stationäre Aufenthalt so angenehm wie möglich gestaltet wird.

Zusätzlich ist die regionale Alzheimergesellschaft regelmäßig vor Ort, um Patienten und Angehörige zu beraten, damit auch nach dem Krankenhausaufenthalt eine bedarfsgerechte Versorgung möglich wird. Denn: der Weg aus dem Krankenhaus muss nicht zwangsläufig in einer Pflegeeinrichtung übergehen – wichtig ist es jedoch die Angebote für Demenzerkrankte und für ihre Angehörigen zu kennen. Zudem finden neurologisch-psychiatrische Gespräche mit den Patienten und auf Wunsch auch Angehörigen statt. Das gesamte Projekt fußt auf einer interdisziplinären Basis.

„Wir sind froh, dass wir in Mettmann nun diese wichtige Station aufbauen konnten und möchten damit weiterhin ein zukunftsorientierter und verantwortungsvoller Partner in der Gesundheitsversorgung sein“, so Chefarzt Dr. med. Berg.

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