St. Josefs Krankenhaus: Bei Kreuzband-Naht bleiben sensible Nervenfasern erhalten

St. Josefs Krankenhaus : Bei Kreuzband-Naht bleiben sensible Nervenfasern erhalten

Ein gerissenes Kreuzband zu nähen statt mit einer Kreuzbandplastik zu ersetzen, bietet gleich mehrere Vorteile. Es ist nicht mehr nötig, an anderer Stelle im Körper Sehnen zu entnehmen und sensible Nervenfasern bleiben erhalten. Dadurch verläuft die Heilung schneller und die Gefahr eines späteren Gelenkverschleißes (Arthrose) sinkt. Voraussetzung für diese moderne Operation: Die Verletzung sollte nicht zu alt sein, denn nach mehr als drei Wochen würden die Enden der Bänder nicht mehr zusammenwachsen.

Der Chefarzt der Unfallchirurgie im St. Josefs Krankenhaus Hilden, Dr. Hans Bayer-Helms, beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wie funktioniert die Operation im Vergleich zur Kreuzbandplastik?

Bei der Kreuzbandplastik entnimmt der Chirurg körpereigene Sehnen und zieht sie als Ersatz durch das Kniegelenk. Beim Nähen des Kreuzbandes verankern wir im Oberschenkel einen Polyethylenfaden und führen in entlang des verletzten Kreuzbandes zum Unterschenkel. Dadurch wird das Gelenk stabilisiert und das zusammengenähte Kreuzband kann in Ruhe heilen. der Faden löst sich nach einigen Wochen auf. Zurück bleibt nur eine kleine Verankerung in Form eines Metallzylinders mit einer Feder im Unterschenkel. In der Regel sollte diese später entfernt werden.

Worin liegt der Vorteil der Naht?

Der Einsatz einer Kreuzbandplastik hat den entscheidenden Nachteil, dass die rückseitige Oberschenkelmuskulatur geschwächt wird. Bei der Naht bleiben aber sensible Nervenfasern erhalten, die die Steuerung der angrenzenden Muskulatur übernehmen. Diese Fasern melden der umgebenden Oberschenkelmuskulatur ständig die Position des Gelenks und helfen den Muskeln so, das Gelenk zu stabilisieren. Unmittelbar nach der Operation darf der Patient das Knie bereits wieder vorsichtig bewegen. Mit Schiene kann das Gelenk dann bereits um bis zu 90 Grad gebeugt und gestreckt werden. Nach drei bis vier Wochen wird das Knie zunehmend beweglich, nach drei bis vier Monaten kann vorsichtig mit Sport begonnen werden. Mit einer Kreuzbandplastik ist das erst nach bis zu einem Jahr möglich. Das Operationsverfahren hat sogar den Innovationspreis der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie erhalten.

Wie sieht es mit Spätfolgen der Verletzung aus?

Nach einem Kreuzbandriss besteht leider immer ein größeres Risiko, einen Gelenkverschleiß – also Arthrose – zu entwickeln. Wird das Kreuzband genäht, ist die Wahrscheinlichkeit aber geringer, als bei einer Kreuzbandplastik. Aber auch für Patienten mit Arthrose gibt es inzwischen ein großes Spektrum moderner Operationsverfahren. Wenn nur Teile des Kniegelenks ersetzt werden müssen, ist das sogar minimal-invasiv mit einer sogenannten Schlitten-Endoprothese möglich.