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Mehr als nur ein Diebesgut

Mehr als nur ein Diebesgut
Der Hochdahler Karl Neumann ärgert sich über das gestohlene Bronzekreuz auf dem Grab seine Schwiegermutter. Was ihm bleibt ist lediglich ein Bild des ehemaligen Grabschmucks. FOTO: tb
Hochdahl. Was müssen das für Menschen sein, die auf fremden Gräbern Grabschmuck klauen? Dem Ort, der zahlreichen Hinterbliebenen dazu dient, die eigene Trauer zu bewältigen und ganz nah bei dem geliebten, verstorbenen Menschen zu sein?

(tb) "Schreckliche Menschen", ist sich auch Karl Neumann sicher. Der Senior bemerkte den Verlust des Grabkreuzes auf dem Grab seiner Schwiegermutter Anfang des Monats. Groß war der Schock, als er das Grab im Parkfriedhof Hochdahl geplündert vorfand. "Meine Frau und ich mussten zweimal hingucken, bis uns auffiel, was fehlte", erinnert sich der Pensionär. Metalldiebe hatten kurzerhand das ehemalige Bronzekreuz mit Distelzweigbesatz vom Steinfundament gebrochen. "Wir pflegen das Grab im 20. Jahr. Sowas ist uns noch nicht passiert", ärgert sich Karl Neumann, der sich das außergewöhnlich schöne Kreuz damals in Bayern anfertigen ließ.

Benachbarten Gräbern wurde das gleiche Schicksal zuteil. "Nur wenige Meter von unserem Grab entfernt, wurde ein großer Bronzeengel von einem Grabstein gestohlen", weiß der Hochdahler weiter zu berichten. Auf Nachfragen bei der Friedhofsverwaltung bekam das verärgerte Diebesopfer zu hören, dass sich ähnliche Fälle derzeit häufen. "Vor gut vier Jahren fand schon einmal eine Diebesserie statt. Damals haben es die Täter hauptsächlich auf Grableuchten abgesehen. Unsere ist dieses Mal zum Glück stehen geblieben."

Ob Karl Neumann Schadensersatz geltend machen kann, steht noch nicht fest. "Wir haben eine Anzeige bei der Polizei gestellt, malen uns aber wenige Chancen aus. Das Kreuz hatte seiner Zeit über 4.000 DM samt Fundament gekostet. Das Geld wird es sicher nicht wiedergeben." Auch die Verwaltung warnt die Grabbesitzer mit einer Pressenotiz, die in den Schaukästen der Anlagen zu finden sind, vor den Tätern. "Verantwortlich sind wahrscheinlich professionelle Metalldiebe, die sich auf Bronze-, Kupfer- und Messinggrabschmuck spezialisiert haben", heißt es auf der Mitteilung. Zudem wird geraten, wertvollen Grabschmuck zu sichern und Vorkommnisse solcher Art bei den zuständigen Friedhofsgärtnern oder der Friedhofsverwaltung zu melden. Für Karl Neumann kommt der Hinweis leider zu spät. "Ich hätte aber tatsächlich nicht daran gedacht, das schwere Kreuz vom Sockelfundament zu schrauben. Damit hätte ich nicht gerechnet", verrät der Hochdahler traurig.