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Wir haben bei Polizei und Politikern nachgehakt
Fühlen Sie sich in Hochdahl sicher?

Wir haben bei Polizei und Politikern nachgehakt: Fühlen Sie sich in Hochdahl sicher?
Mittlerweile ein „gewohnter Anblick“ in Hochdahl. FOTO: Polizei Erkrath
Hochdahl. Brennende Mülltonnen, Steine, die gegen Busse fliegen, Raub auf Tankstellen und Autos, die in Flammen aufgehen: Hochdahl kommt einfach nicht mehr zur Ruhe.

(nic) Die Lage ist für viele Erkrather nicht mehr lustig und so manch' einer macht sich Sorgen um seinen Stadtteil. Die Polizeimeldungen oben genannter Straftaten reißen nicht ab und wöchentlich gehen in der Redaktion des Lokal Anzeigers Nachrichten über brennende Autos ein. Hochdahl - ein sozialer Brennpunkt? Eine so genannte No-go-Area? Auf Nachfrage bei der Pressestelle der Kreispolizei, wie sie die aktuelle Lage einschätzt, wird zunächst Entwarnung gegeben. "Hochdahl ist auf keinen Fall eine No-go-Area und weit davon entfernt, als sozialer Brennpunkt zu gelten", sagt uns Ulrich Löhe, Pressesprecher der Kreispolizei Mettmann. Er würde den Stadtteil auf gar keinen Fall stigmatisieren.

"Die Kollegen nehmen die Ereignisse natürlich ernst und ermitteln. Verstärkt wird in Hochdahl Streife gefahren." Ob es sich bei jedem brennenden Fahrzeug tatsächlich um Brandstiftung handelt, kann die Polizei weder bestätigen noch verneinen. Löhe möchte auch nicht ausschließen, dass es sich im ein oder anderen Fall um einen technischen Defekt gehandelt haben könnte. "Wichtig ist, dass die Bevölkerung sensibilisiert ist und jeden Verdachtsfall an die Polizei meldet. Das steigert die Aufklärungsrate."

Auch Erkraths Bürgermeister Christoph Schultz sieht Hochdahl nicht auf einer Ebene mit Problemstadtteilen wie Duisburg-Marxloh. "Natürlich sind die Ereignisse in der Summe erschreckend und ich kann verstehen, dass sich subjektiv vielleicht eine gewisse Unsicherheit in der Bevölkerung ausbreitet. Dennoch - ich fühle mich nach wie vor sicher, wenn ich durch den Stadtteil gehe", so Schultz. Der Bürgermeister setzt auf Projekte wie die "Soziale Stadt" oder den Stadtteilbeirat, um Hochdahl aufzuwerten und für die dort lebenden Menschen noch lebenswerter zu machen. Schwarzmalerei kommt für ihn nicht in Frage.

Kritischer ist Peter Urban von der Hochdahler SPD. "Man darf hier nichts beschönigen und klar ist, dass etwas passieren muss." Auch er hofft darauf, dass die "Soziale Stadt" die Menschen aus Hochdahl näher zusammen bringt. "Die Fluktuation in manchen Wohngebieten von Hochdahl ist signifikant hoch. Da fehlt oft das Miteinander oder auch die Identifikation mit seinem Viertel." Für Wolfgang Cüppers von der BmU wirken die jüngsten Ereignisse bedrohlich. "Ich habe den Eindruck, dass Hochdahl immer etwas stiefmütterlich seitens der Verwaltung behandelt wurde. Ungepflegte Grünflächen, wenig Möglichkeiten, wo Jugendliche sich aufhalten können und zu viele verschiedene Kulturen auf engem Raum." Cüppers bezweifelt zudem, dass die Polizei ausreichend Personal hat, um im Stadtteil Präsenz zu zeigen. "Eine Patentlösung habe ich leider auch nicht, aber ich habe meine Zweifel, dass ein Stadtteilbeirat oder die 'Soziale Stadt' ein Wunderheilmittel sind."

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