| 15.24 Uhr

Ein Ort der Begegnung

Ein Ort der Begegnung
Gottesdienste im Paul-Schneider-Haus bescheren auch einen Blick auf die drei ungewöhnlich gestalteten Fenster. FOTO: RG
Hochdahl. Familienzentrum, Ort für Gottesdienste und Gemeindeversammlungen, Heimat für Vereine, Treffpunkt fürs Glaubensforum und die Ökumene – was ist das Paul-Schneider-Haus der evangelischen Kirchengemeinde eigentlich?

(RG) Die Antwort ist wohl: Von allem etwas und offen für alle. Den Raum, der vor allem auch für Andachten genutzt wird, prägen drei Fenster in farblicher Gestaltung, die schon häufig für Gesprächsstoff gesorgt haben. Sie zeigen Geburt, Kreuzigung und Auferstehung in sehr moderner künstlerischer Interpretation. Das Kreuz im Treppenaufgang entstand im März 2008 in einer besonderen Kunstaktion in der Passionszeit. Drei Stunden lang malte der Erkrather Künstler im Gemeindehaus Sandheide an dem drei Meter großen Kreuz in T-Form, dass heute den Treppenaufgang im Paul-Schneider-Haus bereichert.

Mit der angeschlossenen Kita finden im Paul-Schneider-Haus vor allem Andachten für Kinder im Alter von zwei bis drei Jahren oder von vier bis sechs Jahren statt. Aber auch die Gemeindeversammlung oder der Weltgebetstag finden hier ihren Platz. Eigentlich findet im Paul-Schneider-Haus immer 'etwas statt‘. Spielgruppen, Babygruppen für Eltern, Glaubenskurse oder das Glaubensforum, der Wochenausklang – Ökumene für Sinn und Seele, der Freitagstreff für alle von 9 bis 13 Jahren oder die Presbyteriumssitzung.

Seinen Namen hat das Paul-Schneider-Haus zum Gedenken an den 'Prediger von Buchenwald‘ der namentlich als Paul Schneider 1897 geboren wurde und 1939, nachdem er sich dem Naziregime immer wieder widersetzte und in Haft körperlich zugrunde gerichtet wurde, von den Nazis mit Strophantinspritzen getötet.

Wen wundert es, wenn im Paul-Schneider-Haus auch der Deutsch-Afrikanische Freundeskreis Räumlichkeiten nutzen kann, der sich vor mehr als zwei Jahrzehnten gründete, als einige afrikanisch-stämmige Flüchtlinge den Wunsch äußerten, sich irgendwo regelmäßig treffen zu können. "Damals war ein katholischer Pfarrer sehr engagiert in der Flüchtlingsarbeit", erinnert sich Erika Koch, die sich seit Jahrzehnten für Flüchtlinge engagiert und zum Freundeskreis Flüchtlinge gehört. Die ersten Treffen der afrikanisch-stämmigen Flüchtlinge fanden im Franziskushaus und dann im Gemeindehaus der Neanderkirche statt. Später trafen sie sich im Haus der Kirchen und im Lutherhaus, bevor der Deutsch-Afrikanische Freundeskreis einen Raum für Treffen im Paul-Schneider-Haus erhielt. Der beschriebene Wechsel von der katholischen zur evangelischen Gemeinden ist in Hochdahl gelebte Ökumene, wie es sie vielleicht an keinem anderen Ort in ganz Deutschland gibt.

Während man sich anderen Orts langsam annähert, sind die evanglische und katholische Gemeinde in Hochdahl schon vor langer Zeit nah zusammengerückt und das Haus der Kirchen ist wohl eine der fortschrittlichsten Einrichtungen der Ökumene seiner Zeit, die in Hochdahl schon Jahrzehnte überdauert. Im Paul-Schneider-Haus treffen sich die Mitglieder des Deutsch-Afrikanischen-Freundeskreis bis heute jeden ersten Sonntag im Monat und oft ist auch Erika Koch immer noch zu Gast. Die meisten kennen sich schon sehr lang, haben die Kinder aufwachsen sehen und planen einmal im Jahr auch einen gemeinsamen Ausflug über Pfingsten, den sie alle genießen. Sie sind längst wie eine große Familie und passen in mehrfacher Hinsicht wunderbar ins Paul-Schneider-Haus, das auch Familienzentrum ist.