| 10.56 Uhr

Ein Herz für Sterbende

Ein Herz für Sterbende
Spendenübergabe im Hospiz. FOTO: RG
Hochdahl. Die Pinguin-Klasse der Sechseckschule hat eine für Viertklässler eher ungewöhnliche Spendenaktion durchgeführt.

(RG) Eine ganze Schulklasse besuchte das Franziskus Hospiz. Nicht etwa, um ein Unterrichtsthema zu vertiefen, die Kinder hatten einen großen Umschlag mit Spendengeldern dabei, den sie übergeben wollten. "Wie seid Ihr denn auf die Idee gekommen für das Hospiz Spenden zu sammeln?", will Hospizleiter Robert Bosch von den Kindern wissen und erfährt, dass zwei Schülerinnen damit begonnen haben. Sie hatten dem Hospiz auch schon vorher einen Besuch abgestattet. "Wir haben Armbänder verkauft, um Spenden zu sammeln und dann haben uns Mitschülerinnen gefragt, was wir da tun und wollten helfen und dann wollte auf einmal die ganze Klasse helfen", erinnern sich die Beiden. Sie haben Kekse gebacken und damit auf dem Hochdahler Markt Spenden gesammelt. "Ein Mann hat uns nicht geglaubt und hat gesagt, wir würden davon anschließend sicher Eis kaufen", erinnert sich einer der Jungen. Es gab aber auch Menschen, die von sich aus auf die Kinder zukamen.

"Eine Frau hat sogar 10 Euro gespendet", erzählt ein Mädchen. "Ich finde toll, dass diese Spendenaktion in kompletter Eigeninitiative von den Kindern durchgeführt wurde. Sie haben bei der Stadt nachgefragt, ob sie überhaupt Spenden sammeln dürfen, Elternbriefe verfasst und die Einverständniserklärung aller Eltern eingeholt", sagt Katja Gebauer, Schulleiterin und Klassenlehrerin der Pinguin-Klasse. Sie ist an diesem Tag selbst zum ersten Mal in einem Hospiz. Die Kinder haben auch einige Fragen zum Hospiz. Bevor sie Antworten erhalten, dürfen sie sich den Film "Der alte Dachs" anschauen, der in der Sendung mit der Maus den Tod für Kinder erklärt. Am Ende des Films sind sich die Kinder einige, dass der Film schön, aber auch traurig sei. "So ist das bei uns im Hospiz auch. Mal sind die Menschen hier fröhlich und mal sind sie traurig", erklärt ihnen Carola Engel vom Hospiz.

"Aber wie geht das überhaupt, traurig und schön nebeneinander?" fragt sie und erklärt den Kindern dann etwas vom Alltag der Menschen, die als Gäste im Hospiz wohnen. "Die Menschen hier sind sehr krank, brauchen Hilfe und Medikamente gegen die Schmerzen und zu Hause sind sie allein. Hier kümmern wir uns um alles und wenn es ihnen dann etwas besser geht, freuen sie sich auch wieder, wenn Familie oder Freunde zu Besuch kommen." Sie erzählt auch noch etwas zu den Wünschen, die Mitarbeiter des Hospiz den Menschen erfüllen können, wie einem Gast, der noch einmal eine Nacht unter freiem Himmel verbringen wollte. "Für uns ist das auch schön", verrät sie den Kindern. Auf einem Rundgang durchs Hospiz stellen die Schüler noch einige Fragen. Ein Aquarium im Wohnzimmer begeistert sie.

"Das finden unsere Gäste auch sehr schön", erfahren sie von Carola Engel. Schon auf dem Weg haben die beiden Initiatorinnen den Wunsch geäußert, den Trauerraum noch einmal zu sehen und den Raum mit dem Sarg. Der erste Wunsch konnte natürlich erfüllt werden, aber der Raum mit dem Sarg war eines der Gästezimmer, in dem inzwischen wieder ein Bett steht. Die Kinder haben sich mit Neugier und mit Respekt mit dem Thema Krankheit und Tod auseinandergesetzt und mit ihrer Spendenaktion viel Herz gezeigt. "Wir finden es traurig, dass die Menschen hier so krank sind und wollen, dass sie von dem Geld noch einmal etwas Schönes machen können." Rund 280 Euro konnten die Kinder der Pinguin-Klasse an Hospizleiter Robert Bosch übergeben, der sich mit seinen Mitarbeitern sehr über das Engagement der Kinder freute. Über weitere Spenden freut man sich im Hospiz auch von anderen Menschen, denn inzwischen haben die Arbeiten am geplanten Anbau begonnen.