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Der „Hochdahler Markt“ in Klein-Bruchhausen

Der „Hochdahler Markt“ in Klein-Bruchhausen
Gärtnerin Eike Bretschneider in ihrem Gartenbetrieb am Nelkenweg 13 in Erkrath-Hochdahl. FOTO: Erhard Schulze
Hochdahl. Was ist denn da passiert, wird sich der erstaunte Leser bei dieser Überschrift fragen. Hat es etwa einen Umzug gegeben, von dem er nichts erfahren haben sollte? Es ist höchste Zeit, den Sachverhalt aufzuklären und das Geheimnis zu lüften!

Der Reihe nach: Nicht nur in Fachkreisen dürfte die Existenz eines kleinen Gartenbaubetriebes bekannt sein, der nach dem zweiten. Weltkrieg in Hochdahl Fuß fasste. Die Rede ist von Erich und Eike Bretschneider, die hier dem gärtnerischen Leben einen besonderen Stempel aufgedrückt haben. 1955 haben sich die beiden bei uns niedergelassen. Ebenso wie andere Familien, die aus dem Osten vertrieben worden waren, nahmen sie ein Aufbau- und Hilfeprogramm in Anspruch, das unter der Bezeichnung "Nebenerwerbsstellen für vertriebene Landwirte" bekannt wurde. So entstand am östlichen Rand von Bruchhausen eine Siedlung mit dem Namen Klein- Bruchhausen. In amtlichen Unterlagen (Kataster, Deutsche Grundkarte) ist die Bezeichnung "In der Hoffnung" beziehungsweise "Hoffnung" eingetragen – ein Fingerzeig zum Aufbruch?! Die Häuser, die im ersten Bauabschnitt entstanden, liegen am Nelkenweg. Jede Grundstückseinheit umfasste etwa einen Morgen Land. Vor Übernahme durch die Siedler hatte der Bauer Johann Kirkes vom Hof Klein-Bruchhaus das Land bewirtschaftet.

Erich Bretschneider kam aus Hinterpommern, Eike Bretschneider stammt aus dem Bergischen Land und wuchs in Barmen auf. Beide führte der Gartenbau zusammen. Wie viele andere mussten sie sich nach dem Krieg eine neue Existenz aufbauen. Als Landschaftsgärtnermeister legte Erich Bretschneider Kundengärten in Hochdahl und Umgebung an und übernahm sehr oft auch die Pflege. Seine Frau Eike stand ihm dabei zur Seite. Vorwiegend wurden Stauden herangezogen, die für den Landschaftsgartenbau gebraucht, aber daneben auch an Privatleute verkauft wurden. In diesem Zusammenhang entstanden einige neue Staudensorten.
Bis zum Tode ihres Mannes (2007) waren beide ein eingespieltes Team, das sich Achtung und Anerkennung nicht nur in der Fachwelt erwarb. Sie hatten ein begnadetes Händchen für ihren Beruf und gaben ihre profunden Kenntnisse vornehmlich an Gartenliebhaber weiter. Die Bretschneiders waren weltoffen, aber auch sehr an dem nachbarschaftlichen Umfeld interessiert, in dem ihre vier Kinder aufwuchsen. Die nötige Abwechslung zur anstrengenden Arbeit fanden sie in lokalen Vereinen. Er trat in den Männergesangverein Hochdahl ein. Beide wirkten im Kirchenchor St. Franziskus mit, sie nach wie vor. In Gesprächen, für die sie immer Zeit fanden, zeigte sich ihre breit gefächerte Bildung. Ihre Herkunft haben sie nie verschwiegen. Sie erzählten oft davon. Wer die beiden kennenlernte, fühlte sich mit ihnen auf eine besonders herzliche Art und Weise verbunden und konnte mit ihnen über Gott und die Welt plaudern.

Eike Bretschneider, die Ehrenmitglied des Vereins zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN) ist, hat die 90 inzwischen erreicht, ist aber geistig fit geblieben und geht immer noch mit viel Freude und Tatkraft in ihrem Gartenreich zu Werke. Seit sieben Jahren sind dort Jugendliche einen halben Tag in der Woche anzutreffen, die ein freiwilliges ökologisches Jahr im Naturschutzzentrum Bruchhausen absolvieren und der betagten Gärtnerin zur Hand zu gehen.

Von Anfang der 1980er Jahre bis 2003 war Eike Bretschneider auch am "Initiativkreis für Gemüsesaatgut aus biologischem Anbau" beteiligt, überwiegend mit Kräuter- und Blumensamen. In dieser Zeit entstand aus der Selleriesorte "Magdeburger Markt" die neue Sorte "Hochdahler Markt". Und zwar deshalb, weil das Bundessortenamt darauf bestand, dass die stark veränderte Sorte einen neuen Namen erhielt.

Und damit ist das Geheimnis gelüftet: Der "Hochdahler Markt" ist ein Saatgut für Sellerie! Und diese Nutz- und Heilpflanze hat sich zu Recht einen Stammplatz in Bruchhausen, genauer gesagt in Klein-Bruchhausen, gesichert. Wer's nicht glaubt, sollte mal die Nase in den bis heute bestehenden Gartenbaubetrieb hineinstecken. Zusätzliche Aufklärung verspricht auch eine Teilnahme an dem monatlich stattfindenden Informationsabend für Haus- und Kleingärtner. Das Anwesen selbst ist immer noch eine Fundgrube für Gartenliebhaber. (von Herbert Bander)