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Ein Abschied mit viel Herz

Ein Abschied mit viel Herz
Karin Malzkorn mit Schultüte. FOTO: RG
Erkrath. Bis zum letzten Moment hatte niemand etwas verraten. Selbst Karin Malzkorns Ehemann Karl hatte mitgeholfen. Karin Malzkorn hatte gerade geduscht und wollte sich für den Schultag vorbereiten, als es an der Haustür klingelte. Vor der Tür standen Kollegen, die der verblüfften Schulleiterin mitteilten, dass sie genau 10 Minuten Zeit hätte, sich fertig zu machen und ein Kleid für später mitzunehmen.

"Dann ging es auf dem Trecker zu dem Ort, an dem in Hilden einst die Albert-Schweitzer-Schule stand", erzählt Karin Malzkorn. Dort war sie Konrektorin, bevor sie die Schulleitung an der Carl-Fuhlrott-Schule übernahm und dort warteten schon Kollegen, um sie nach Hochdahl zu begleiten. Für den Weg zur Schule hatte man ihr eine Schultüte mit einem Bild ihrer Einschulung und einem aktuellen Bild zu ihrer Ausschulung überreicht. In Hochdahl angekommen, warteten bereits die restlichen Kollegen und alle Schüler auf dem Schulhof. Sie hatten sich in zwei Reihen bis zum Eingang aufgestellt und ihre Arme zu einem Bogen geformt. Den musste die Schulleiterin Richtung Eingang durchlaufen, bevor Kollegen sie schließlich auf das Dach der Schule führten. In der Zwischenzeit hatten sich die Schüler und weitere Kollegen auf dem Schulhof aufgestellt. Als Karin Malzkorn oben angekommen war, setzte laute Musik ein und die ganze Schule tanzte einen vorher einstudierten Flashmob. Zum Abschluss gab es dann laute Kanonenschüsse aus der Konfettikanone, die goldenes Konfetti sprühte.

Auf dem anschließenden Weg in ihr Büro musste die Schulleiterin immer wieder Halt machen, weil Schüler aus den unterschiedlichen Klassen ihr ein Abschiedsgeschenk überreichen wollten. Als sie im Büro ankam, klopfte es kurze Zeit später. Einige Schülerinnen wollten ihr ein Lied zum Abschied singen, das sie in ihrer Religionsgruppe geprobt hatten. "Früher hatt‘ ich Angst", sangen sie, "Aber Du hast mir gezeigt…"

Als sie zu Ende gesungen hatten, dankte ihnen Karin Malzkorn und versprach: "Am Freitag zur Zeugnisvergabe komme ich auf jeden Fall noch einmal und verabschiede mich von Euch allen". Das hat sie in jedem Jahr gemacht und für das jeweils beste Zeugnis ein kleines Geschenk überreicht. Ein letztes Mal wird sie das auch in diesem Jahr tun, bevor sie ihren Ruhestand endgültig antritt. Auf dem Weg zurück zu ihrem Schreibtisch wischte sie sich verstohlen eine Träne aus dem Auge. Der Abschied, den ihr Schüler und Kollegen bereiteten, rührte sie.

Karin Malzkorn ist immer "gern zur Schule gegangen". Die Sommerferien will sie nutzen, um sich auf einen anderen Tagesablauf einzustellen. Gemeinsam mit ihrem Mann will sie öfter ihrem Hobby, dem Golfen, nachgehen, endlich auch einmal außerhalb der Ferienzeiten reisen und öfter für ihre vier Enkelkinder im Alter von sechs Monaten, zwei, vier und fünf Jahren da sein. Die Carl-Fuhlrott-Schule verlässt sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge. 16 Jahre hat sie die Schule geleitet und mit geprägt. "Die Zusammenarbeit im Kollegium war immer super", schildert sie diese Zeit. Viermal hat die Schule in dieser Zeit bereits das Siegel als berufswahl- und ausbildungsfreundliche Schule erhalten. Auf ihre Position hat sich der noch stellvertretende Schulleiter Andreas Lösche beworben. Die Bestätigung durch die Bezirksregierung steht noch aus. Vorerst wird er die Leitung kommissarisch übernehmen.